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Kaarst
Kommt die Einbahnstraße jetzt doch?

Kaarst: Kommt die Einbahnstraße jetzt doch?
Die bisher nur vorläufig ausgeschilderte Einbahnstraße "Am Bisgeshof" könnte bei der Ratssitzung am Donnerstag endgültig beschlossen werden. Fahrradfahrer dürfen sie nach wie vor in beide Richtungen benutzen. FOTO: Anja Tinter
Kaarst. Das Epos über die Einbahnstraße Am Bisgeshof nähert sich seinem Ende - und nimmt dabei noch eine Wendung. Das Fünferbündnis will ein "Nein" nicht akzeptieren: Jetzt wird im Stadtrat entschieden, ob die Einbahnstraße bleibt. Von Oliver Burwig

Die turbulente Geschichte um die Fahrtrichtung auf der Straße Am Bisgeshof könnte am Donnerstag ihr letztes Kapitel bekommen. Seit Mai 2015 ist sie nur in Richtung Innenstadt befahrbar. Geht es nach Verwaltung, Gutachtern und dem Fünferbündnis, soll das auch so bleiben - die CDU ist dagegen. Ein gemeinsamer Antrag des Kaarster Bündnisses aus SPD, den Grünen, FDP, FWG und UWG zur Beibehaltung der versuchshalber eingesetzten Einbahnstraßenregelung ist nun Thema der nächsten Stadtratssitzung. Erst im Januar verhinderte ein Patt (acht gegen acht Stimmen) im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Verkehr, dass das Fünferbündnis seine Interessen durchsetzen konnte. Im Rat trifft die Entscheidung nun auf ein Gremium, das durchaus zu Gunsten der Einbahnstraße entscheiden könnte.

"Es ist sicher nicht schön, wenn die Entscheidung des Planungsausschusses im großen Gremium wieder aufgehoben werden muss", sagt Anneli Palmen, SPD-Fraktionsvorsitzende. Dennoch wollen sie und ihre Bündnispartner, die mit insgesamt 24 Sitzen im Rat die 22 CDU-Mitglieder ausstechen, die Ratsmehrheit nutzen und die Einbahnstraße durchbringen. Diese ist laut Palmen "die einvernehmlichste Lösung für alle Beteiligten". Damit zitiert sie auch das Gutachten des Düsseldorfer Planungsbüros "Runge + Küchler", das sich nach einer Verkehrsanalyse schon seit Mitte vergangenen Jahres für die Einbahnstraße ausgesprochen hat, um den Verkehr Am Bisgeshof auf die umliegenden Straßen zu verteilen.

"Suboptimal" nennt Lars Christoph (CDU) diese Lösung. "Wir halten es nach wie vor für vernünftiger, auf die Einbahnstraße zu verzichten." Mehrere Hundert Anwohner der Broicherdorfstraße hätten sich bereits in eine Unterschriftenliste eingetragen, die die Aufhebung der Einbahnstraße fordert. Zudem weist Christoph darauf hin, dass an der Straße Am Bisgeshof weniger Menschen lebten als an der Broicherdorfstraße, sodass durch die Umverteilung des Verkehrs eine größere Zahl an Bürgern betroffen sei. Hinzu käme die Geldfrage: "Eine dauerhafte Einrichtung der Einbahnstraße würde 250.000 Euro kosten", sagt Christoph, der diese Summe auf Nachfrage von der Verwaltung genannt bekam. In den Haushaltsberatungen werde in anderen Fällen schon über 1000 Euro diskutiert, weshalb er sich frage, "wie man vor diesem Hintergrund für die Einbahnstraße sein kann". Am Bisgenhof sei zudem nie ein Unfallschwerpunkt gewesen, es sei nichts passiert, was die Änderung in der Verkehrsführung rechtfertigen würde.

Christian Gaumitz, Fraktionsvorsitzender der Grünen, pocht auf das Verkehrsgutachten: "Natürlich bedeutet es eine Mehrbenutzung der Broicherdorfstraße. Diese wird aber nicht über die Maßen belastet." Die Einbahnstraße sei keine "optimale" Lösung, da auch durch sie die Versäumnisse in der CDU-geprägten Kaarster Verkehrspolitik nicht wiedergutzumachen seien. In Zukunft müsse die Politik stärker darauf achten, bei der Erschließung neuer Wohngebiete das starke Wachstum Kaarsts in die Verkehrsplanung einzurechnen. Das sieht man auch in der CDU so. "Wo wir jetzt planen, berücksichtigen wir das", sagt Christoph.

Quelle: NGZ
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