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Kaarst
Kunst mit Hammer und Meißel

Kaarst: Kunst mit Hammer und Meißel
Hanna Brinkmann (M.) leitet den 19-jährigen Abdullah Hasani an. Teilnehmerin Tatjana Shem-shiri schaut zu. FOTO: A. Tinter
Kaarst. Bei einem Projekt von Bildhauerin Hanna Brinkmann ist am Wochenende ein Gemeinschafts-Kunstwerk entstanden. Von Rudolf Barnholt

"Wenn Steine sprechen könnten", lautet der Titel des Projekts, das die Vorster Bildhauerin Hanna Brinkmann am Wochenende im Stadtpark gestartet hat. Interessierte konnten mit Hammer und Meißel an einer Stele mitarbeiten, die später im öffentlichen Raum ausgestellt wird. Obwohl sich rund 20 Flüchtlinge an der Aktion beteiligten, stellte Hanna Brinkmann klar: "Das ist hier kein Hilfsprojekt für Flüchtlinge, das ist ein Projekt für uns alle."

Alles war bestens vorbereitet gewesen. Es gab Getränke und Knabbereien zur Erfrischung beziehungsweise Stärkung, Sitzbänke und Tische - und Sonnenschein satt, der unter den Bäumen aber durchaus erträglich war. Wie können möglichst viele Menschen gleichzeitig an einer Stele arbeiten? Ganz einfach: Hanna Brinkmann hat auf der Stelen-Vorderseite Räume ausgespart, in die die jetzt individuell gefertigten Elemente aus rotem Sandstein eingepasst werden können. Nadeem aus Afghanistan griff beherzt zum hölzernen Knüpfel und schlug eine Blume in den vergleichsweise weichen Tuffstein. "Blumen stehen in Afghanistan unter anderem für Liebe und Glück", erklärte der 24-jährige Flüchtling, der seit neun Monaten in Kaarst lebt. Er wechselte sich als Hobby-Steinmetz mit seinem Landsmann Abdullah (19) ab. Projekt-Teilnehmerin Josefa Sott war 1965 aus Andalusien nach Deutschland gekommen, weil der Vater hier ein Jahr zuvor Arbeit gefunden hatte. Die gelernte Groß- und Einzelhandelskauffrau, die an einem Mosaik für die Stele mitarbeitete, kennt das Gefühl, sich fremd zu fühlen. "Vor Flüchtlingen sollte man keine Angst haben", sagte die 55-Jährige. Allerdings erwartet sie, dass sich die Fremden den hiesigen Gepflogenheiten anpassen so wie sie und ihre Eltern es getan hätten. Sie sprach sich beispielsweise gegen eine Verschleierung aus.

Dirk Hibben hatte einen wichtigen Entschluss gefasst: "Ich werde meinen kaufmännischen Beruf an den Nagel hängen und ab September eine Ausbildung zum Steinmetzgesellen absolvieren mit der Perspektive, Bildhauer zu werden", sagte der 35-Jährige. Das alles wird in Südtirol geschehen, dort, wo auch Hanna Brinkmann ihr Handwerk erlernt hat.

Die hatte fast ihre gesamte Familie um sich versammelt. Schwester Theresa war ebenso aktiv wie Mutter Gudrun, während es sich Großmutter Margarete Brinkmann mit ihren 85 Jahren in einem Campingstuhl bequem gemacht hatte und die Aktion ihrer Enkelin lobte. Neun "Arbeitsplätze" in Form von Holzböcken waren eingerichtet worden, kaum einer davon blieb längere Zeit unbenutzt. Von weitem hörte es sich an, als seien Spechte am Rande des Stadtparks aktiv. Für die Rückseite der Stele hat sich Hanna Brinkmann etwas Besonderes einfallen lassen: "Dort soll ein kurzer Auszug eines Gebets von Papst Franziskus in den Stein gemeißelt werden."

Quelle: NGZ
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