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Kaarst
Kunst mit Hand und Fuß

Kaarst: Kunst mit Hand und Fuß
Fällt er oder ist die Haltung Absicht? "Der Akrobat" hat Jörg W. Schirmer seine Arbeit genannt. FOTO: L. berns
Kaarst. In der Rathausgalerie wird am Mittwoch eine Ausstellung mit Plastiken von Jörg W. Schirmer eröffnet. Der in Essen lebende Bildhauer arbeitet fast ausschließlich mit Holz und wird für den Kaarster Stelenweg eine Arbeit beisteuern. Von Helga Bittner

Durchtrainierte Körper, oft in Bewegung und mit glatter Oberfläche, nackt und manchmal mit den Attributen beider Geschlechter bestückt. Nur die Gesichter sind fast ausdruckslos, haben teilweise nicht mal Augen oder Nase – die Mimik, die individuellen Züge spielen in der Arbeit des Künstlers Jörg W. Schirmer auch keine Rolle. Den Bildhauer und Maler – in seiner Kunst von Markus Lüpertz, bei dem er Meisterschüler war, stark beeinflusst – interessiert der menschliche Körper. Als Akt und daran ganz besonders die Extremitäten.

Überdimensionale Hände und Füße, Waden und Oberschenkel, die wie halbe Kegelkugel daherkommen, sind so etwas wie ein Markenzeichen des in Essen lebenden Künstlers, dem die Stadt Kaarst eine Ausstellung ausrichtet, die gleich zwei Dinge anstößt. Sie führt die Rathausgalerie in Kaarst an den Ursprung ihres Wortes zurück und gibt den Blick frei auf eine weitere Plastik für den Stelenweg, die Schirmer gemeinsam mit dem Betrieb van den Bongard spendet.

"Himmelsstürmer" heißt sie, ist überraschend bunt, fällt aber in der Ausstellung dennoch kaum auf, weil sie im Moment nur als Vorstudie existiert und gegenüber den großformatigen Plastiken ins Hintertreffen gerät. In natura, so viel ist dann doch zu sehen, dürfte sie allerdings ein Hingucker werden.

Das bevorzugte Material Schirmers ist Holz. Nur für den "Himmelsstürmer" wird er zum ersten Mal Metall einsetzen, will aber, so sagt er, dennoch so arbeiten wie bei den Holzplastiken: in Schichten. Er schält seine Figuren nicht aus einem Stamm heraus (besteht deswegen auch gerne auf die Bezeichnung "Plastik", die eine geformte dreidimensionale Arbeit meint), sondern baut sie regelrecht zusammen.

Dabei wird die Schichtung bei Figuren wie dem "Akrobaten" oder dem "Krisenengel" mit den wie angeflämmt wirkenden Flügeln zum ästhetischen Merkmal und nimmt in ihren fließenden Linien die Maserung des Holzes auf. Die glatte Schönheit der rein handwerklichen Arbeit steht dabei im reizvollen Kontrast zu den übergroßen Händen und Füßen, die wie dinglich gewordene Wahrnehmungen aus einer verzerrten Perspektive wirken. Sie berühren den Betrachter auf merkwürdige Weise, faszinieren, irritieren und stoßen ab. Denn was können sie nicht alles sein: Schutz, Stütze, aber auch Bedrohung.

Quelle: NGZ
 
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