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Kaarst
Kutschen-Ausstatter sattelt um auf Lkw

Kaarst: Kutschen-Ausstatter sattelt um auf Lkw
Der Betrieb von Andrea und Johannes Hügen ist breit aufgestellt: Markisen und Pavillons gehören ebenso zur Produktpalette wie Werbebanner. FOTO: L. Berns
Kaarst. Das Familienunternehmen Planen Hügen wurde 1927 als Sattlerei gegründet, heute zählt es 17 Angestellte und drei Auszubildende. Von Bärbel Broer

Mit der Reparatur von Pferdegeschirren oder -wagen hat Johannes Hügen längst nichts mehr zu tun. Dabei hat der Chef der gleichnamigen Kaarster GmbH an der Industriestraße den Beruf des Sattlermeisters ebenso erlernt wie vor ihm sein Vater Hans und Großvater Johann. "Sattler ist mittlerweile ein sehr umfangreicher Ausbildungsberuf", erklärt der 45-Jährige. "Er deckt die gesamte Bandbreite von Verdecken, Planen, Polsterei, Beschriftung bis hin zum Digitaldruck ab." So vielseitig der Sattlermeister heute tätig ist, so unterschiedlich sind auch die Produktionsbereiche des Kaarster Familienunternehmens, das Johannes und seine Frau Andrea Hügen nunmehr in dritter Generation leiten.

"Als mein Großvater 1927 den Betrieb aufbaute, fuhr er noch von Landwirt zu Landwirt, um die Pferdegeschirre und die Planwagen zu reparieren", erzählt Hügen. "Später reparierten wir Autoverdecke und produzierten Segeltuchplanen." Als Vater Hans und Onkel Philipp Hügen das Unternehmen weiterführten, spalteten sich die Arbeitsbereiche auf: Der eine übernahm die Planen-Fertigung, der andere konzentrierte sich mehr auf den Innenbereich. Oder wie Johannes Hügen es schmunzelnd ausdrückt: "Mein Vater hatte es nicht so mit Gardinen, der war mehr fürs Grobe." So entstanden die beiden Familienunternehmen Hügen Raum und Design sowie Hügen Planen. Vor 25 Jahren zog die Planen-Firma von der Martin- zur Industriestraße auf ein Areal von etwa 7.000 Quadratmetern.

Seit Johannes Hügen 2008 den Betrieb übernommen hat, hat er die Produktionspalette stetig vergrößert. "Früher war unser Kernbereich die Reparatur und Fertigung von Lkw-Planen", sagt er, "heute macht das etwa 60 Prozent unserer Arbeit aus." Nach der Finanzkrise sei ein Großteil des Lkw-Geschäfts weggebrochen. "Für die Mitarbeiter und uns war es gut, dass wir das Privatkundengeschäft bereits ausgebaut hatten", so der Chef von 17 Angestellten und drei Auszubildenden. Dennoch ist die zügige Reparatur von Lkw-Planen im eiligen Speditionsgeschäft heute wichtiger denn je. "Wenn Planen beschädigt sind, transportiert die Deutsche Bahn die Hänger auf Langstrecken nicht."

Und dann zählt er weiter auf, wie breit sein Unternehmen aufgestellt ist: Markisen, Pavillons, Carport-Abdeckungen, Sonnensegel, Terrassenvorhänge, Zelte, Hallenabtrennungen und Bootsplanen, nennt er Beispiele. Auch Autosattlerei-Dienste und Cabriolet-Verdeck-Reparaturen zählen zu den Arbeitsbereichen wie die Produktion von Werbebannern oder Marktstandplanen. Im großen Nähraum im Obergeschoss werden die Schneiderarbeiten erledigt: vom Schützenfestkleid über Polsterauflagen bis hin zu kaputten Sonnenschirmen oder Zelten. "Was geflickt oder genäht werden muss, erledigen wir hier", so Andrea Hügen. Ob das Familienunternehmen auch in vierter Generation weitergeführt wird, ist noch ungewiss. Die beiden Töchter sind zwölf und vier Jahre alt. Hügen: "Mein Wunsch wäre es schon, aber ich würde keine zwingen."

Quelle: NGZ
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