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Kaarst
Manfred Handtke bringt den Speerwurf in den Süden

Kaarst: Manfred Handtke bringt den Speerwurf in den Süden
Deutscher Sportexport: Manfred Handtke (hinten mit Brille) trainierte viele Jahre lang Jugendliche an der Algarve in Wurfdisziplinen. FOTO: M Handtke
Kaarst. Der Leichtathletik-Trainer etablierte in der Läufernation Portugal die technisch anspruchsvollen Wurfdisziplinen. Von Lucas Bayer

Vor ziemlich genau 16 Jahren stand Manfred Handtke erstmals an einem Leichtathletik-Platz in Quarteira an der Algarve in Portugal und schaute bei einem Wettkampf zu. Eins fiel dem heute 77-Jährigen damals sofort auf: "Es gab nur Lauf- und Gehdisziplinen. Kugelstoßen oder Speerwerfen wurde beispielsweise überhaupt nicht angeboten." Dies stachelte Handtke, der in den 1970er Jahren die Leichtathletik-Abteilung der SG Kaarst mit begründete und dort ein Vierteljahrhundert als Trainer agierte, an, die Leichtathletik in Portugal vielfältiger zu gestalten.

Aufgrund einer Krankheit musste der gelernte Ingenieur ab den 2000ern mindestens zwei Monate im Jahr im sonnenreichen Portugal verbringen. "Die Zeit wollte ich dann auch sinnvoll nutzen", erzählt Handtke. Er begann, sich in Quarteira als Trainer zu engagieren. Die Startsituation war allerdings alles andere als einfach: "Gutes Material war nicht vorhanden, die drei Speere, die es gab, waren alle verbogen."

Also wickelte Handtke einiges an Material in Deutschland in Papprollen ein und schaffte dies über den Luftweg nach Portugal. Sein Training sollte vor allem Jugendliche für den Sport begeistern: " Viele fettleibige, aber sehr stabile Kinder waren nicht fürs Laufen geeignet. Ich wollte sie unbedingt zum Werfen bringen." Dabei half ungemein, dass auf den Leichtathletik-Plätzen teilweise auch Olympiasieger wie Lars Riedel oder Weltmeisterin Franka Dietzsch trainierten.

"So etwas spornt einen natürlich ungemein an", schwelgt Handtke in Erinnerungen. Die Kommunikation zwischen ihm und den Kindern war ebenfalls kein Problem: " Die Gliedmaßen habe ich alle auf portugiesisch auswendig gelernt und wenn das nicht half, wurde Englisch geredet."

Handtke stand also so gut wie jeden Tag auf dem Platz, ohne dafür bezahlt zu werden, und brachte vor allem Schülern verschiedenste Disziplinen bei. "Mit der Pünktlichkeit der Jugendlichen war es da immer so eine Sache. Wenn wir um fünf Uhr Training hatten, trudelten die Ersten meist eine halbe Stunde später ein. In Deutschland ist man da anderes gewöhnt", sagt Handtke schmunzelnd. In Portugal ist es auch nicht üblich, dass Familien auch einen Vereinsbeitrag bezahlen, und "daher ist da natürlich auch kein Druck von den Eltern, dass die Kinder zum Training gehen sollen", erklärt Handtke.

Die jungen Athleten zeigten sich allerdings von Anfang an sehr lernfreudig, und "es war erstaunlich, wie schnell sie die einzelnen Techniken drauf hatten", lobt der erfahrene Trainer. Aus der gesamten Region Faro kamen Jugendliche, um die Wurfdisziplinen unter Handtke zu lernen. Da er sich jeweils nur zwei Monate im Jahr in Portugal aufhielt, erstellte er für die Zwischenzeit Trainingspläne, "um nicht immer wieder bei Null anfangen zu müssen".

Erfolge ließen daher auch nicht lange auf sich warten. "Ein 14-jähriger Junge wurde portugiesischer Meister im Speerwerfen in seiner Altersklasse, und ein Mädchen holte sich gleich zweimal diesen Titel in der selben Disziplin", erzählt Handtke. 2012 hörte er dann aus gesundheitlich Gründen auf, Jugendliche in Portugal zu trainieren. Wenn Handtke sich heute an einen Leichtathletik-Platz in Quarteira stellt, sieht er, "dass dort nun auch die verschiedensten technisch anspruchsvollen Wurfdisziplinen ausgetragen werden, mit einer Teilnehmerzahl die sich auch sehen lässt".

Das Ziel des 77-Jährigen war es von Anfang an, "Jugendliche von der Straße zu holen und ihnen etwas anderes als Laufen zu zeigen." Dies hat er ohne Frage erreicht.

Quelle: NGZ
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