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Kaarst
Martin Schneider gibt einen Hessisch-Kursus im AEF

Kaarst. Martin Schneider hat es jetzt hinter sich, etwas, das jeder Kleinkünstler, der unter Seinesgleichen ernst genommen werden möchte, schaffen muss: einmal in Kaarst aufgetreten zu sein. Am Freitagabend war es im nicht ganz ausverkauften Albert-Einstein-Forum soweit. Die Bedeutung dieses Ereignisses ist ihm durchaus bewusst. Aus Martin Schneider wird "Meister Maddin", der den Brückenschlag wagt zwischen Hessen und Indien. Seine Theorie: Beide Territorien seien einst durch die Kontinentalverschiebung getrennt worden, aber es gebe immer noch Gemeinsamkeiten aus gemeinsamen Zeiten.

Dann folgt etwas, das man vielleicht als Bildungs-Comedy bezeichnen kann, wobei die Betonung eindeutig auf "Comedy" liegt. Als Comedian hat der 53-Jährige einen Wettbewerbsvorteil von Gewicht: sein Gesicht. Der große Mund sieht zum Schreien aus, der lange, schwanengleiche Hals versucht vergeblich, einer Witzfigur Würde und Anmut zu verleihen. Selbstironie ist dem Mann aus Burgholzhausen nicht fremd: Da bezeichnet er sich keck als "Mister Brain" und - noch besser - er empfiehlt Sprechübungen, möglichst im Zeitlupentempo, die den Mund so formen, dass als Belohnung ein Aussehen winkt, welches an "Meister Maddin" erinnert - fürwahr eine schaurig-schöne Perspektive. "Meister Maddin" als Frauenheld? Alles, nur das nicht. Schneider greift auch diesen Aspekt voller Selbstironie auf. Er erzählt von seinen Fehlinterpretationen eigentlich eindeutiger Kritik seiner Freundin als Vorboten einer Trennung. Ein Running Gag: Unter der Überschrift "Meine Oma hat schon immer gesagt..." gibt "Maddin" Weisheiten wie diese von sich: "Die Seele einer Frau und das Innere der Leberwurst bleiben für immer unerforscht."

Schneider karikiert die hessische Mundart, er überdehnt sie. Dass sich kluge Menschen die Köpfe zerbrechen, ob Comedians wie Atze Schröder oder eben Martin Schneider nicht eindimensionale Kleinkünstler seien, solche, die nicht in Rollen schlüpfen mit all' ihrem schauspielerischen Können, sondern nur sich selbst spielen, bleibt unerheblich, wenn man über Martin Schneider immer wieder lachen muss. Der Darsteller des Zwergen Speedy in "Männer allein im Wald" von Otto Waalkes versteht es, sein Publikum für sich einzunehmen. Das geschieht unter anderem durch so etwas wie einen Hessisch-Kursus für Anfänger. Besucher der ersten Reihe müssen komisch klingende Worte ins Mikrofon sprechen, zum Vergnügen der Hinterbänkler.

(barni)
 
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