| 21.26 Uhr

Beobachtungen von Mann und Frau
"Missfits" riefen zur Lebensfreude auf

Beobachtungen von Mann und Frau. Woran erkennt man einen "perversen Sittlichkeitsverbrecher"? Wollen alle Männer wirklich nur "das Eine"? Es waren Fragen, die sich wohl noch niemand so richtig gestellt hat, denen die "Missfits" jetzt im Albert-Einstein-Forum auf den Grund gingen. Sie bemühten sich gar nicht erst um Objektivität, sondern ließen den Mann meistens ganz schön dumm aussehen.

Übel nahm ihnen dies niemand: Wenn gelacht wurde - und das kam ziemlich häufig vor - hielten sich die männlichen Zuschauer keinesfalls zurück. Auf den ersten Blick wenig Neues: Stephanie Überall kann sich nach wie vor hinter einem Besenstiel verstecken, Gerburg Jahnke überraschte ihre Fans mit ihrem Blondschopf. "Wir haben nichts gegen Männer. Man kann sie ja schließlich nicht alle totfahren." Noch wurde überwiegend in den höheren Tonlagen gekichert. Dann lag den "Missfits" eine Klarstellung bezüglich ihrer sexuellen Ausrichtung am Herzen: "Sind wir es?" "Ich könnt' mir Dich zurecht trinken", feixte Gerburg Jahnke und klärte das Publikum sogleich auf: "Nein, so sind wir nicht." Ob's alle geglaubt haben, sei dahingestellt.

Die Emanzen aus Oberhausen strotzen immer noch vor Temperament und Spielfreude, ihre Stärke ist das Rollenspiel. Und der Kontakt zum Publikum ist ihnen wichtig. Da wurde schnell mal was gefragt und dann "Springmaus"-ähnlich auf der Bühne umgesetzt. In grauen Herrenanzügen ging es immer wieder um ziemlich traurige Gestalten, die eine schlechte Figur abgeben: eben um Männer. "Wie schaffen sie es, die Beine übereinander zu legen, ohne elegant zu wirken?", wollte Gerburg Jahnke von einem Zuschauer in der ersten Reihe wissen. Ihre freche, direkte Art - sicherlich nicht jedermanns Geschmack - kam beim Kaarster Publikum sehr gut an. Da wurde auch über Witze aus der Mottenkiste noch gelacht. Eine Kostprobe: "Männer sind wie Wolken - wenn sie sich morgens verziehen, kann der Tag noch richtig schön werden."

Manchmal fiel es den Männern richtig leicht zu lachen: Dann hatten die "Missfits" ihre Geschlechtsgenossinnen im Visier mit all' ihren Neurosen ("Ist der Herd wirklich ausgeschaltet, das Fenster zu?"), lästerten über die "typische" Mutter mit den stets fettigen Haaren. "Kinder sind mir bis jetzt nicht passiert", bekannte Stephanie Überall und erkannte an der frostigen Reaktion, dass sie ihre Kinderfeindlichkeit besser relativieren sollte - gedacht, getan.

Wie war das noch mal - wollen Männer wirklich nur das Eine? Gerburg Jahnke verneinte ein wenig enttäuscht: Das sei lange her - als die Männer zu Fuß von Russland in die Düsseldorfer Altstadt marschiert seien, da hätten sie wirklich nur einen Gedanken gehabt - lang, lang ist's her. Kriegsheimkehrer aus Russland waren offenbar nicht unter den Zuschauern, jedenfalls reagierten sie nicht.

Zum Schluss folgte mit einem Song ein Aufruf zu mehr Lebensfreude - ein guter Abschluss, denn das locker-leichte Programm war kein verbaler und schauspielerischer Feldzug gegen das männliche Geschlecht, sondern ein von weiblichen Hormonen bestimmte Beobachtung von Mann und Frau - einzeln und als Duo. barni

Quelle: NGZ
 
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