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Kaarst
Mit Zollstock für die Rettung unterwegs

Kaarst: Mit Zollstock für die Rettung unterwegs
An der Römerstraße entstehen derzeit 36 Wohnungen - wegen der Tiefgarage und der damit verbundenen erhöhten Brandgefahr musste das Bauvorhaben zunächst von Brandamtmann Marcus Hons begutachtet werden. FOTO: Anja. Tinter
Kaarst. Bereits bei der Planung öffentlicher Gebäude wird Brandamtmann Marcus Hons vom Rhein-Kreis Neuss frühzeitig hinzugezogen, um Rettungswege zu beurteilen und Sicherheitsmaßnahmen auf ihre Tauglichkeit hin zu überprüfen. Von Susanne Niemöhlmann

Was haben das Möbelhaus Ikea, ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage in Büttgen und die Notunterkunft für Flüchtlinge im Gewerbegebiet "Hüngert" gemeinsam? Sie unterliegen der Aufsicht von Marcus Hons - zumindest beim Brandschutz. Der 48-Jährige ist Ingenieur bei der Brandschutzdienststelle des Rhein-Kreises Neuss. In dieser Funktion nahm er auch die Gewerbehalle an der Detlev-Karsten-Rohwedder-Straße unter die Lupe, bevor diese in eine Flüchtlingsunterkunft umgewandelt wurde. Rauchmelder waren zu installieren, ein Sammelplatz wurde festgelegt, die Brandschutzordnung in rund 20 Sprachen aufgehängt. Mit dem Zollstock vermaß Marcus Hons die Breite der Tür und die Mittelgänge, ordnete hier die Kennzeichnung mit fluoreszierendem Band an und legte dort den Standort der Feldbetten fest. Und sorgte für den Einbau besonders abgesicherter Steckdosenleisten. "Für die Menschen sind ihre Handys sehr wichtig. Die müssen aufgeladen werden - aber nicht mit Verlängerungskabeln oder selbstgebauten Mehrfachsteckern, denn die sind ,Zündquellen'", erklärt Hons, der Beispiele für brandgefährliche Buchsen "Marke Eigenbau" kennt.

Mehrmals in der Woche ist der Neusser in den kleineren kreisangehörigen Gemeinden unterwegs, die über keine eigene hauptamtliche Feuerwehr verfügen. Für diese übernimmt er den vorbeugenden Brandschutz. Das ist selten gefährlich. Vielmehr besteht der Arbeitsalltag des Brandamtmannes mit Büro in Grevenbroich vor allem aus Aktenstudium. Hons wird bereits während des Baugenehmigungsverfahrens für öffentliche Gebäude oder Gewerbeimmobilien hinzugezogen und um seine Stellungnahme gebeten. Sein Auftrag: nicht in erster Linie Brände verhüten, sondern die Voraussetzungen für die Selbstrettung der Menschen schaffen.

"Das ist besonders wichtig bei Versammlungsstätten wie Theatern", erklärt Hons, "je besser der vorbeugende Brandschutz war, desto weniger muss der abwehrende Brandschutz, sprich: die Feuerwehr, tätig werden." Und in der Vorbeugung hat der Brandschutz-Ingenieur einiges zu tun: Gibt es einen zweiten Ausgang? Wie lang sind die Rauchabschnitte, ist also die Entfernung zwischen den Brandschutztüren? Sind die Flure "ballastfrei"? Mehrmals wöchentlich fährt er raus, um sich ein genaues Bild von der Situation zu machen. Gelegentlich macht sich Hons auch etwas unbeliebt: Wenn er in einem Schulgebäude wiederholt einen Keil unter der Brandschutztür entfernt. "Soll diese dauerhaft aufgehalten werden, gibt es dafür technische Lösungen, die die Tür dann im Brandfall automatisch schließen", erläutert der Beamte, der manchmal sehr bewusst Uniform trägt.

Ein "Riesending" ist für den Experten natürlich der Neubau des Möbelhauses Ikea. "Das ist auch für Ikea selbst völlig neu, weil es komplett vom Standard-Haus abweicht", sagt Hons, "so etwas begleitet man nicht alle paar Jahre." Gerade erst stimmte er letzte wichtige Punkte mit dem Bauherrn ab und kündigt an: "Noch vor Karneval werde ich meine Stellungnahme für die Bauaufsicht schreiben."

Quelle: NGZ
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