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Kaarst
"Mutter Courage" auf dem Tuppenhof

Kaarst: "Mutter Courage" auf dem Tuppenhof
Daniela Frimmersdorf spielt Mutter Courage - eine zwiespältige Figur, die ständig zwischen Mutterliebe und Geschäftssinn schwankt. FOTO: Georg Salzburg
Kaarst. Das Theater-Ensemble um Regisseur Wilhelm Schiefer hat sich für dieses Jahr das Drama von Bertolt Brecht vorgenommen. Von Elisabeth Keldenich

Mutter Courage trägt ihren Namen zu Recht. Denn Daniela Frimmersdorf erwartet im Januar ihr zweites Kind, was sie aber nicht davon abhält, die Hauptfigur in Brechts Drama auf eine temperamentvolle Weise zu verkörpern. "Der Arzt hat sein Okay gegeben", sagt sie lachend. Seit sieben Jahren gehört sie dem Ensemble um Wilhelm Schiefer an, das aus der Theater-AG des Georg-Büchner-Gymnasiums hervorging. "Inzwischen sind wir ein gemeinnütziger Verein", erzählt Schiefer. "Deshalb bekommen wir nun Fördergelder", fügt er hinzu.

Seit Anfang des Jahres hat er die 40-köpfige Laienspielschar mit Brechts Stoff über eine Marketenderin (fliegende Händlerin, die Soldaten mit Waren des täglichen Bedarfs versorgt) während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) vertraut gemacht. Anna Vierling, genannt Mutter Courage, ist eine zwiespältige Figur. Sie schwankt ständig zwischen der Mutterliebe zu ihren drei Kindern und ihrem Geschäftssinn, den Krieg gewinnbringend zu nutzen. Am Ende verliert sie ihre Kinder an den Tod.

Christian Jahns (30) verkörpert ihren jüngeren Sohn Schweizerkas. "Ich bin zum ersten Mal dabei", verrät er. "Es macht mir großen Spaß und da ich klassische Literatur liebe, hat mich das Stück sehr angesprochen", erzählt er.

Carmen Nahas (18) gibt der stummen Tochter Kattrin ein Gesicht. "Ich spiele zum vierten Mal mit und möchte dieses schöne Hobby nicht mehr missen", sagt sie. "Eine stumme Rolle ist für mich eine völlig neue Erfahrung. Ich muss den Leuten zeigen, dass ich da bin, ohne dass ich spreche", erklärt sie. Während des Stücks gelingt es ihr durch perfektes Mienenspiel, Kattrins innere Vorgänge darzustellen. Rene Buttermann, der den ältesten Sohn Elif lebendig werden lässt, zeigt sich seiner Rolle souverän gewachsen. Seit fünf Jahren ist Ulla Kottmann für alle Kostüme verantwortlich. "Ich habe sogar einen Kapaun (Masthahn) gemacht", sagt sie schmunzelnd. Die Hobbynäherin hat im Stück erstmalig eine kleine Rolle übernommen.

Ille Mularski (84) ist die älteste Teilnehmerin. Sie ist zum dritten Mal als Chronistin dabei. "Es war ein intensives und konzentriertes Üben", erinnert sie sich. "Man bekommt Gänsehaut, wenn man das fertige Stück sieht", fügt sie hinzu. Schiefer lobt den Einsatz der Truppe, die sich seit dem Spätsommer wöchentlich zum Proben traf. "Wir haben ein gutes menschliches Miteinander und jeder steckt auch mal zurück", sagt er. Brechts Stück lag ihm besonders am Herzen. "Der Krieg steht ja quasi vor unserer Haustür und bekommt durch den Flüchtlingsstrom eine aktuelle Thematik", so Schiefer. Außerdem haben ihn Brechts perfekte Formulierungen gefesselt. Ihm schwebt vor, nach Abzug aller Unkosten etwas für die Flüchtlingsarbeit zu spenden. Er hebt besonders den Einsatz von Mark Koll hervor. "Er war sofort bereit, die musikalische Einstudierung und Begleitung zu übernehmen - ehrenamtlich", erzählt der Regisseur. Koll habe sich große Mühe gegeben, den für Brecht typischen Sprechgesang mit den Schauspielern einzuüben. Schiefer hofft auf weitere Zusammenarbeit.

Quelle: NGZ
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