| 00.00 Uhr

Kaarst
Niederrhein trifft Silicon Valley

Kaarst: Niederrhein trifft Silicon Valley
Der gebürtige Kaarster Stefan Krey mit dem Luxus-Elektroauto Tesla S. Seit einigen Monaten ist er Filialleiter der beiden Düsseldorfer Standorte. FOTO: Anja Tinter
Kaarst. Der 39-jährige Stefan Krey aus Kaarst absolvierte als Erster die Ausbildung zum erst 1998 anerkannten Beruf des Automobilkaufmanns. Heute arbeitet er für Tesla in Düsseldorf - und ist überzeugt von der Firmenphilosophie. Von Bärbel Broer

Auto, Laptop, Handy - das waren die rudimentären Arbeitsutensilien des gebürtigen Kaarsters Stefan Krey, mit denen er im September 2013 seinen neuen Job bei Tesla Motors antrat. So außergewöhnlich die Fahrzeuge des US-Unternehmens sind, das Premium-Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb entwickelt und produziert, so ungewöhnlich waren auch Kreys erste Monate bei Tesla. Mittlerweile ist er Filialleiter in Düsseldorf, für die beiden Standorte an der Königsallee sowie an der Bonner Straße und ist Chef eines zwölfköpfigen Teams, das er selbst ausgewählt hat.

Sein eigenes Bewerbungsverfahren verlief so unkonventionell, wie es für manche Start-up-Unternehmen typisch zu sein scheint. "Nach einem längeren Telefonat wurde ich ins Headquarter nach Amsterdam eingeladen", erinnert sich der 39-Jährige. "Das Gespräch fand zwischen Umzugskartons statt. Aber es war offensichtlich: Hier passiert etwas Außergewöhnliches." Beeindruckt haben ihn vor allem das Gewusel junger, hochmotivierter Menschen und die kreative Google-Atmosphäre. "Mir war klar, da muss ich dabei sein."

Bereut hat er seine Entscheidung nicht - eben weil die Anfänge auch so außergewöhnlich waren. "Deutschlandweit gab es nur in München einen Tesla-Standort", sagt Krey. In Euskirchen, wo Krey seinerzeit wohnte, lud er seinen Dienstwagen bei einem benachbarten Obstbauern auf. Mit potenziellen Autokäufern traf er sich zum Gespräch in einem Düsseldorfer Hotel. "Tesla hat ein Online-Bestellsystem wie Amazon", erklärt Krey. Obligatorisch sind 2000 Euro Anzahlung. Mittlerweile habe Tesla 100.000 Autos weltweit verkauft, so Krey.

"Egal, wo ich mit einem Tesla vorfahre, die Leute kommen von sich aus auf mich zu", erzählt Krey. So sorgte auch in Kaarst das 130.000 Euro teure Luxusmodel S, mit dem Krey zum NGZ-Gespräch in seiner Heimatstadt vorfuhr, für Aufsehen. Bis zu seinem 16. Lebensjahr lebte Krey mit seinen Eltern und der jüngeren Schwester in Holzbüttgen, besuchte das Georg-Büchner-Gymnasium in Vorst und engagierte sich sozial. Gemeinsam mit Stadtjugendpfleger Ralf Schilling war er Betreuer bei der Kaarster Stadtranderholung für Kinder und Jugendliche. Diese Zeit habe ihn stark geprägt: "Eigentlich wollte ich Sozialpädagoge werden, doch die Berufsaussichten waren zu der Zeit extrem schlecht."

Daher ging er nach dem Abitur, das er in Wegberg absolvierte, zunächst zur Bundeswehr. Bei der Luftwaffe in Düren hatte er die Chance, den Lkw-Führerschein zu machen. "Dabei wurden wir auch technisch ausgebildet", so Krey, dessen Interesse an Motoren entfacht worden war. Als er dann im Radio vom neuen Lehrberuf des Automobilkaufmanns erfuhr, bewarb er sich bei Auto Becker in Düsseldorf. In dem legendären Autohaus lernte er alles rund um Werkstatt, Verkauf, Vertrieb und Buchhaltung. "Da meine Lehrzeit um ein Jahr verkürzt wurde, war ich bundesweit der erste Automobilkaufmann", sagt Krey.

Stationen in Bayern, Mönchengladbach und Wegberg folgten. An der privaten Fachakademie in Northeim absolvierte er ein Studium zum Kfz-Betriebswirt. 2005 bekam er die Autokrise hautnah mit, als sein Arbeitgeber - ein mittelständisches Autohaus - Insolvenz anmelden musste. Von Teslas Zukunft dagegen ist er überzeugt: "Das Unternehmen hat ein riesiges Potenzial", meint er. "Elektroautos tragen dazu bei, die Abgasemissionen deutlich zu reduzieren. Das hat einen tieferen Sinn, was wir machen."

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kaarst: Niederrhein trifft Silicon Valley


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.