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Kaarst
Optikergesellen verzweifelt gesucht

Kaarst: Optikergesellen verzweifelt gesucht
Optikermeister Stefan Schwartz sucht händeringend einen Mitarbeiter für seinen Betrieb an der Maubisstraße. FOTO: Andreas Woitschützke
Kaarst. Stefan Schwartz findet keinen Mitarbeiter für seinen Betrieb in der City. Der Optikermeister ist kein Einzelfall. Bundesweit herrscht Gesellenmangel. Der Zentralverband der Augenoptiker sucht die Ursachen für den Engpass. Von Dagmar Fischbach

Optikermeister Stefan Schwartz ist verzweifelt: "Seit rund vier Monaten suche ich einen Mitarbeiter und finde einfach niemanden." Anzeigen in Fachzeitschriften und sozialen Netzwerken im Internet, ein Anschlag an der Tür seines Geschäfts - alles sei bisher ohne Erfolg geblieben. "Ich habe die offene Stelle natürlich auch dem Arbeitsamt gemeldet, aber der zuständige Sachbearbeiter machte mir wenig Hoffnung. Er sagte mir, in der Branche sehe es einfach schlecht aus", erzählt der 50-Jährige.

Immer wieder würde er zwar von der Agentur für Arbeit potenzielle Bewerber genannt bekommen. "Inzwischen habe ich eine Liste mit rund 20 Namen - aber erschienen ist hier niemand", berichtet der Optikermeister. Auf seine Anzeigen habe sich nur eine einzige Bewerberin gemeldet. "Sie wollte zwar nur Teilzeit arbeiten, aber ich hätte sie gern eingestellt. Sie war gerade aus Süddeutschland in die Region gezogen. Doch schon beim Vorstellungsgespräch hat sie festgestellt, dass ihr die rund halbstündige Fahrt von Mönchengladbach-Wickrath nach Kaarst doch zu lang ist. Sie wollte sich lieber eine Stelle in der Nähe ihres Wohnortes suchen. Und ich bin sicher, sie hat auch etwas gefunden", so Schwartz. Denn Augenoptiker seien heiß begehrt. "Als ich unseren Glaslieferanten bat, sich nach möglichen Mitarbeitern für mich umzuhören, hat er nur gelacht und erzählte mir, dass in München sogar schon Ablösebeträge für gute Optiker gezahlt würden", berichtet er.

Im vergangenen Jahr war Stefan Schwartz zum ersten Mal mit der Situation konfrontiert. "Ich habe rund ein halbes Jahr gesucht, bis ich jemanden gefunden hatte", erinnert er sich. Nun gehe das Suchen wieder los. "Ich habe derzeit eine Voll- und eine Teilzeitstelle besetzt, hätte gern noch jemanden in Vollzeit. Aber ich würde auch zwei Teilzeitkräfte einstellen. Aktuell arbeite ich rund 60 Stunden pro Woche und brauche dringend eine Entlastung. Auch meine Mitarbeiter wären froh über eine Unterstützung", erklärt er.

Der Kaarster Optiker ist kein Einzelfall. "Die gesamte Branche leidet unter diesem Mangel an Fachkräften", sagt Dirk Schäfermeyer, Leiter der Abteilung Ausbildung beim Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) in Düsseldorf. "Die Augenoptik hat eine sehr gute Ausbildungsquote. Die rund 12.000 Betriebe bundesweit hatten im Jahr 2015 rund 6200 Auszubildende. Das waren 208 mehr als im Jahr zuvor. Und für das Jahr 2016 zeichnet sich eine weitere Steigerung um rund vier Prozent ab", erläutert er. Doch jeder vierte Auszubildende würde vor der Gesellenprüfung aufgeben. "Im Vergleich zum gesamten Handwerk, wo jeder Dritte abbricht, ist das zwar eine gute Zahl, zufrieden können wir damit aber nicht sein", so Schäfermeyer. Mit einer Umfrage versuche der ZVA derzeit die Gründe der Abbrecher zu eruieren. Für den Mitarbeiter-Engpass in der Branche vermutet Schäfermeyer noch einen anderen Grund: "Seit 2005 ist die dreijährige Gesellenzeit vor der Meisterprüfung nicht mehr vorgeschrieben. Viele werden sich deshalb sehr schnell entscheiden, ihren Meister zu machen. Dadurch stehen sie den Betrieben nicht als Gesellen zur Verfügung." Sein Rat: "Selbst den Nachwuchs ausbilden."

Für Stefan Schwartz ist das keine Lösung. "Mein Betrieb ist zu klein", erklärt er und hofft weiter einen zuverlässigen Mitarbeiter zu finden.

Quelle: NGZ
 
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