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Kaarst
"Paul kocht" jetzt auch für den Mittagstisch

Kaarst: "Paul kocht" jetzt auch für den Mittagstisch
Gemeinsam hinter dem Herd: Küchenchef Hans Volmer (links) mit Carla Grüters und Constanze Krön, im Hintergrund stehen Susanne Grüters und Sybille Hermeling-Krön. FOTO: Andreas Woitschützke
Kaarst. Hinter "Paul kocht" steckt eine Kochmanufaktur, die Menschen mit Behinderungen größtmögliche Selbstständigkeit bieten soll. Von Bärbel Broer

Der Name ist eingängig: "Paul kocht". Dahinter verbirgt sich sowohl die Abkürzung des Vereinsnamens "Prima Arbeiten und Leben - Paul", als auch das Konzept. Mit einer Kochmanufaktur jungen Erwachsenen mit Behinderungen größtmögliche Selbstständigkeit und ein gesellschaftlich integriertes Leben zu ermöglichen - das ist die Idee dahinter. Am Mittwoch, 2. November, ist die offizielle Neueröffnung von "Paul kocht" in den Geschäftsräumen direkt in der Nähe des Kaarster Bahnhofs.

"Wir haben aber bereits vor drei Wochen ein 'Soft Opening' gemacht", erzählt Sybille Hermeling-Krön, Vorsitzende des Vereins "Paul" und zudem Geschäftsführerin von "Paul kocht", der gemeinnützigen GmbH. Küchenchef Hans Volmer hat die ersten Mittagskarten konzipiert und ausgehängt, die Praktikantinnen Carla Grüters (21) und Constanze Krön (23) assistieren ihm in der offenen Küche, und Susanne Grüters managt die Theke sowie die Bedienung an dem großen Esstisch und an den Bartischen am Fenster.

"Schon jetzt haben wir die ersten Stammgäste", freut sich Grüters, die als Vollzeitkraft arbeitet. Ihre Tochter Carla sowie Constanze Krön, die beide mit geistigen Behinderungen zur Welt kamen, gehören zum Team. Ein weiterer Praktikant kommt im November dazu.

Gemeinsam schnippeln sie Gemüse, belegen Brötchen, helfen beim Kuchenbacken und bei der täglichen Produktion der mittlerweile 30 unterschiedlichen Feinkostprodukte. Mit eben diesen Chutneys, Fruchtaufstrichen, Suppen oder Likören fing die Erfolgsgeschichte von "Paul kocht" an.

Mittlerweile werden die Produkte von 23 Handelspartnern verkauft. Vor vier Jahren gründeten vier Familien mit behinderten Kindern den Verein. Ihr Ziel: Den Kindern nach Kindergarten und Schule, wo sie oftmals gut integriert sind, ein Arbeitsleben zu ermöglichen, das nicht nur in Behindertenwerkstätten stattfindet. Zwar haben sowohl Constanze als auch Carla eine Anbindung an die Varius-Werkstätten in Grevenbroich. "Aber sie haben einen Außenarbeitsplatz und sind im normalen Arbeitsleben integriert", so Hermeling-Krön. Ein Erreichen des sogenannten ersten Arbeitsmarktes sei nicht immer realistisch, sagt sie. Jede Fertigkeit müsse nicht hundertfach, sondern oftmals tausendfach erklärt werden. "Ein Status ist nie erreicht. Sobald die Förderung aufhört, ist die Fähigkeit weg", sagt Hermeling-Krön.

Deshalb hat der Verein sogar ein Küchenchef-Casting veranstaltet. Mit dem 59 Jahre alten Volmer hätten sie einen Küchenchef gefunden, der nicht nur sein Handwerk versteht, "sondern auch gut und nett mit den Praktikanten zusammenarbeitet", so Grüters. Denn "Paul kocht" will nicht nur leckere Gerichte anbieten, sondern gemeinsames Arbeiten mit behinderten Menschen ermöglichen. Hermeling-Krön: "Und dazu bedarf es Einfühlungsvermögen, Unterstützung und vor allem viel Geduld."

Quelle: NGZ
 
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