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Kaarst
Politik-Analysen im "Zeitalter der Amateure"

Kaarst: Politik-Analysen im "Zeitalter der Amateure"
Matthias Tretter überzeugte im ausverkauften AEG. FOTO: Kobalz
Kaarst. Kabarettist Matthias Tretter sparte im ausverkauften AEG nicht an Sarkasmus und Wortgewalt.

Die Kleinkunst-Sommerpause ist vorbei und Matthias Tretter sorgte gleich für ein ausverkauftes Albert-Einstein-Forum. Sein neues Programm "PoP" hat es in sich - obwohl es ganz harmlos begann, wird es bald zur intellektuellen Herausforderung.

Der 45-Jährige positionierte sich als Intellektueller mit gewissen Defiziten, zum Beispiel in der Feinmotorik: "Wenn andere in der Schule einen Stern bastelten, kam bei mir ein Meteorit dabei heraus." Auch die Kontaktlinsen in die Augen zu friemeln, überfordert ihn, deshalb auch die Brille. Aber Tretter bewies bald, dass er auch ohne Sehhilfe den Durchblick hat. Er sollte sehr schnell sehr politisch werden und jede Menge schlaue Sätze raushauen, deftig, wortgewaltig, so wie man es beispielsweise von Jochen Malmsheimer kennt.

So weiß er, warum sich Männer die "Gillette-Sense" durchs Gesicht ziehen: "Haare erinnern uns daran, dass wir vom Affen abstammen und nicht vom iPhone." Immer wieder schlüpfte Tretter in die Rolle des Philosophen Ansgar, der über eine Zeitarbeitsfirma einen Job an der Uni bekam - als Hausmeister. Und der eine eigene Partei gründen möchte "rechts von der AfD und links von den Grünen".

Genial: Seine kunstvoll miteinander verwobenen abstrusen Verschwörungstheorien, an die er zwar selber nicht glaube, die die potenziellen Wähler jedoch zu schätzen wissen. Ansgar wählt die Politik als Exit-Strategie. Die Rechten im Besonderen und die Populisten im Allgemeinen hat er besonders im Visier. Er hatte die Sprache der Rechten analysiert, wo es um "den Syrer, den Iraker oder den Afghanen" geht. "Warum die ganze Aufregung, wenn aus jedem Land nur einer kommt?", fragte sich der 45-Jährige.

Er definierte Bildungsbürger, Wutbürger und Hetzbürger und in seiner Fantasie gibt es sie bereits, die Fernuniversität Braunau mit dem Studiengang "Völkisch". Was es noch gibt: "Männer, die entweder ohne Partei oder ohne Gehirn Präsident geworden sind." Gemeint sind Macron und Trump. Tretter beklagte das Zeitalter der Amateure.

Dazu bot Tretter eine treffende Metapher: "Wenn der Anästhesist eigentlich Klempner von Beruf ist, wacht der Patient vorzeitig aus der Narkose auf und sieht einen blutigen Anfänger. Und er verriet auch, was der Titel seines neuen Programms bedeutet: PoP, das ist "Politik ohne Parteiengetue".

(barni)
 
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