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Kaarst
"Sandstrahler" müssen schwindelfrei sein

Kaarst: "Sandstrahler" müssen schwindelfrei sein
Die beiden Geschäftsführer Manfred Becker (l.) und Wolfgang Ihlo messen Feuchtigkeit und Temperatur am Geländer der Rhein-Kniebrücke in Oberkassel. FOTO: Georg Salzburg
Kaarst. Vor 125 Jahren wurde die Firma Emil Maechler gegründet, die heute auf Korrosionsschutz und Entrostung spezilaisiert ist. Zurzeit sind Mitarbeiter des Unternehmens auf der Rheinkniebrücke in Düsseldorf zugange. Von Bärbel Broer

Wer dieser Tage über die Rheinkniebrücke fährt, sieht sie in schwindelerregender Höhe arbeiten: Zehn Maler und Lackierer der Firma Emil Maechler erneuern noch bis August den Korrosionsschutz. Das Unternehmen zählt zu den Pionieren im Bereich der Entrostung sowie des Rostschutzes und ist eines der ältesten Unternehmen Deutschlands. Emil Maechler hatte sich schon früh für Fragen rund um den Rostschutz interessiert. Nachdem er 1892 sein Anstreicher-Geschäft in Düsseldorf gegründet hatte, erhielt er bereits zur Jahrhundertwende von der Reichsbahn den Auftrag für die Entrostung sowie den Anstrich der Düsseldorf-Hammer-Eisenbahnbrücke. Im Anschluss folgte der Auftrag für Arbeiten an der Rheinbrücke in Düsseldorf-Oberkassel.

Bereits zu Beginn des Ersten Weltkriegs gehörte der Betrieb zu den führenden Unternehmen der Branche und arbeitete sogar im Ausland. Heftige Rückschläge brachten die beiden Weltkriege. Doch der Betrieb konnte sich immer wieder berappeln. Mit seinen 50 Mitarbeitern ist er heute breit aufgestellt. "Korrosionsschutz, Industrieanstrich, Brandschutz- und Kunststoffbeschichtungen im Industriebereich zählen dazu", sagt Manfred Becker, einer der drei Inhaber des Unternehmens.

Düsseldorfer Flughafenterminal, Bahnhof Wuppertal, DaimlerChrysler in Düsseldorf, Metro in Essen und Aachen oder die Justizvollzugsanstalt Hannover sind einige der Referenzobjekte. Und natürlich der Brückenschutz: "In Düsseldorf gibt es keine städtische Rheinbrücke, die unsere Firma nicht mindestens schon zwei Mal im Bereich des Korrosionsschutzes erneuert hat", sagt Becker. Der 61-jährige kennt den Betrieb seit 47 Jahren - zunächst als Lehrling zum Industriekaufmann. "Mein Vater war zu der Zeit bereits als Geschäftsführer tätig", sagt Becker. Nach der Ausbildung arbeitete er in der Buchhaltung. "Doch das fand ich zu langweilig und habe deshalb den Korrosionsschutz sowie den Sandanstrich von der Pike auf gelernt", erzählt er weiter.

Sandstrahlen habe ihm immer am meisten Spaß gemacht. Er weiß aber auch, wie anstrengend die Arbeit ist. Zum Schutz der Atemwege sowie des Körpers arbeiten die Handwerker in Vollschutzmontur mit externer Sauerstoffzufuhr und Sandstrahlhaube. Denn beim Sandstrahlen - so lautet die Bezeichnung nach wie vor, obwohl heutzutage Granulat benutzt wird - können kleinste Partikel für heftigen Rückprall sorgen. Zudem ist der Staub für die Atemwege sehr gefährlich.

Wichtigste Voraussetzung für diesen Job: Die Arbeiter müssen alle schwindelfrei sein. "Der Pylon schwankt, hinzukommt die Fließgeschwindigkeit des Rheins sowie der Autoverkehr - das muss man aushalten können", sagt Becker. Die Mitarbeiter in seinem Unternehmen, die als Sandstrahler arbeiten, sind betriebsintern geschult worden. "Sandstrahler ist kein Ausbildungsberuf", erklärt Becker, "sondern learning by doing." Bis zum Tod seines Vaters arbeitete er später an dessen Seite als Geschäftsführer. So möchte er die künftige Übergabe auch vorbereiten. Schwiegersohn Wolfgang Ihlo ist mittlerweile als Geschäftsführer tätig, Becker selbst will sich als Gesellschafter in den nächsten Jahren aus dem administrativen Geschäft zurückziehen.

Quelle: NGZ
 
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