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Kaarst
Schnittstelle zwischen Schule und Beruf

Kaarst: Schnittstelle zwischen Schule und Beruf
Die Teilnehmer des Pilotprojekts von Martinus-Schule und Kolping-Bildungswerk sind mit viel Spaß bei der Sache. Erste Kostproben wurden Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, Lehrern und Fachanleitern gestern serviert und überzeugten. FOTO: Woi
Kaarst. Die Martinus-Schule und das Kolping-Bildungswerk Neuss starten ein Pilotprojekt: Schulentlassene sammeln freiwillig ein Jahr lang Fachpraxis, erhalten parallel weiter Unterricht. Der Rhein-Kreis Neuss möchte das Angebot fest etablieren. Von Susanne Niemöhlmann

Der Käsekuchen ist schon mal klasse. Auch die Fanta-Muffins kommen gut an, doch der Renner ist der Apfel-Birnen-Kuchen, den die jungen Leute unter Anleitung von Jörg Zellmann noch am Morgen gebacken haben. "Ich habe schon Erwachsenen-Kurse gegeben, bei denen weniger herausgekommen ist", sagt der gelernte Koch, "da ist viel Potenzial vorhanden." So viel Lob ist den 16- und 17-Jährigen schon fast ein wenig peinlich. In den kommenden Monaten werden sie noch viele Gelegenheiten haben, ihren Fachanleiter zu beeindrucken. Und weiterhin Schulunterricht erhalten. Denn das gehört zum Pilotprojekt, das die Martinus-Schule mit dem Kolping-Bildungswerk und dem Rhein-Kreis Neuss gestartet hat.

"Offiziell sind Sie aus der Schule entlassen, aber am Übergang von der Schule ins Berufsleben bleibt die Schule ein weiteres Jahr eine Klammer", sagt Beate Hendges, Standortleiterin des Kolping-Bildungswerkes an der Rheydter Straße, an die sieben Teilnehmer des Kurses gewandt. Sie werden ein Jahr lang Fachpraxis vor allem im Berufsfeld Küche/Hauswirtschaft sammeln. "Ergänzend werden sie über das Schuljahr hinweg weitere Fachbereiche wie Holz, Farbe und Garten-Landschaftsbau, Metall und Bau für je drei Wochen durchlaufen", erklärt Hendges' Stellvertreterin Maren Behlau, die das Konzept mit entwickelt hat. Außerdem stehen zwei Betriebspraktika auf dem Programm. Für zwölf Unterrichtsstunden in Deutsch, Mathe, Englisch und den Sachfächern kommt zudem Steffi Keil ins Haus, die bisher ihre Klassenlehrerin an der Martinus-Schule war. "Dadurch können wir den Teilnehmern die Möglichkeit bieten, am Ende des Jahres den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 zu machen", erklärt Wienke Sälzer, Leiterin der Martinus-Schule. Sie freut sich über die Chance für die Mädchen und Jungen. "Uns beschäftigt immer der Gedanke, wie wir die Schüler auf ihrem Weg ins Berufsleben begleiten können", sagt sie, "in diesem Jahr können sie in den Werkstätten des Kolping-Bildungswerks ihre Fähigkeiten entdecken und stärken."

Das sehen die Jugendlichen ähnlich: "Ich würde gern im Altenheim arbeiten, möchte aber noch in andere Berufe hineinschnuppern", sagt die 16-jährige Nathalie Kalinowski. Auch Ersan Krasnic (17) will noch lernen: "Weil ich mehrere Sachen gut kann, weiß ich noch nicht, welchen Beruf ich lernen will." Außerdem, ergänzt er, sei er auf diese Weise noch länger mit seinen Schulfreunden zusammen. "Dass sie hier in einer vertrauten Gruppe weiterlernen können, ist ein weiterer Vorteil", betont Ulrich Plöger von der Schulaufsicht des Kreises.

Unterstützen, selbstständig zu werden - dazu soll auch Sozialpädagogin Taskadin Moumin als Bindeglied zwischen Schülern, Fachpraxis, Schule, Betrieben und Elternhaus beitragen. Sie wird zudem ein Bewerbungstraining anbieten und will die Jugendlichen in Sachen Selbstbewusstsein coachen.

Wie wichtig es ist, dass alle jungen Leute die Chance erhalten, einen Beruf zu erlernen, betont Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. "An Ihrer Schultür hängt zwar das Berufswahlsiegel, aber es ist nicht einfach, heutzutage junge Leute in den Beruf zu bringen", sagt er. Praktische Fertigkeiten zu erwerben, sei auf jeden Fall sinnvoll und trage dazu bei, die Arbeitslosigkeit noch weiter zu reduzieren. Petrauschke zeigt sich überzeugt: "Wenn das Pilotprojekt gut läuft, werden weitere Schulen und Eltern Interesse zeigen."

Quelle: NGZ
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