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Kaarst
Schulaufsicht stoppt Autowäsche

Kaarst: Schulaufsicht stoppt Autowäsche
FOTO: NGZ
Kaarst. Die Düsseldorfer Bezirksregierung hat der Autowäsche für Lehrer an der Holzbüttgener Sebastianus-Schule einen Riegel vorgeschoben. Wie eine Förderung für Geistigbehinderte aussehen kann, zeigt ein anderes Kaarster Beispiel. Von Peter Böttner

Die geistigbehinderten Schüler der Sebastianus-Schule müssen vorerst keine Lehrer-Autos mehr waschen. Die Düsseldorfer Bezirksregierung stoppte das Projekt am gestrigen Vormittag und reagierte damit auf die Berichterstattung in der NGZ. Für Renate Linnartz, die durch ihre Kritik an den Vorgängen in Holzbütten den Stein ins Rollen gebracht hatte, ein Grund zum Aufatmen: "Diese Praxis hatte keine Zukunft verdient."

Weil die Schulleitung um Anette Stauche auch am Tag nach der Veröffentlichung beharrlich schweigt und das Schulamt des Rhein-Kreises ebenfalls nichts mehr zum Sachverhalt äußern möchte, häuften sich gestern die Presseanfragen auf dem Schreibtisch von Bernd Hamacher, Pressesprecher der Bezirksregierung.

"Wir haben das Schulamt aufgefordert, die Autowasch-Aktion zu stoppen und warten jetzt auf weitere Stellungnahmen durch die zuständige Behörde und die Schule selbst", so Hamacher. Zwar würde die Bezirksregierung grundsätzlich die Installation einer Schülerfirma begrüßen, "doch dafür braucht es die hundertprozentige Zustimmung durch die Elternschaft."

Die hat es in Holzbüttgen nicht gegeben. Und Karl-Heinz Tives kann als stellvertretender Bereichsleiter Schule, Sport und Soziales in der Kaarster Stadtverwaltung durchaus nachvollziehen, warum diese Unterstützung fehlte: "Der Ansatz war ja gut gedacht, aber die Umsetzung hat ein unschönes Geschmäckle bekommen.

Wenn Lehrer direkt von den Diensten ihrer Schüler profitieren, kann das nicht im Sinne einer Schülerfirma sein." Wie es anders und besser geht, zeigt ein anderes Beispiel aus Kaarst: die Martinus-Schule an der Halestraße. Auch sie ist eine Förderschule, auch dort kämpft Schulleiterin Wienke Sälzer für bessere Chancen ihrer ebenfalls geistigbehinderten Schüler auf dem Arbeitsmarkt.

Allerdings hat die Schülerfirma dort tatsächlich den Schritt nach draußen und damit in die TRansparenz gewagt. "Wir arbeiten für die Stadtverwaltung, stellen Catering-team bei privaten Geburtstagsfeiern oder erledigen Gartenarbeiten", sagt Wienke Sälzer. Natürlich können solche Aufträge nicht unmittelbar und unvorbereitet angenommen werden.

"Aber mit einer gewissen Vorlaufzeit lernen unsere Lehrer die Schüler an und dann schaffen wir das auch", so die Schulleiterin, die vor acht Jahren in enger Abstimmung mit der Schulpflegschaft und der Elternvertretung die Schülerfirma auf den Weg gebracht hat.

"Es geht darum, den Schülern eine Bestätigung für ihre Arbeit zu vermitteln. Dies geht nur dann, wenn die Rahmenbedingungen so realistisch wie möglich sind", erklärt Wienke Sälzer. Auto-Waschen hat die Bezirksregierung seit gestern aus diesem Kanon verbannt.

Quelle: NGZ
 
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