| 00.00 Uhr

Kaarst
Stadt Kaarst sucht dringend Schiedsleute

Kaarst: Stadt Kaarst sucht dringend Schiedsleute
Schiedsmann Reimer Schubert verhandelt etwas zwei Streitfälle pro Monat. Meist gelingt es ihm, ein friedliches Ergebnis zu erzielen. FOTO: A. Tinter
Kaarst. Heute läuft die Bewerbungsfrist aus. Interessierte müssen im Schiedsbezirk wohnen. Als Schiedsmann schlichtet Reimer Schubert Streitigkeiten zwischen Nachbarn und bricht festgefahrene Konflikte auf. Von Bärbel Broer

Wenn Nachbarn sich streiten, weil Bäume das Licht nehmen oder Gehölze zu nah an der Grundstücksgrenze stehen, wenn Bürger einander beleidigen, einer dem anderen gar Diebstahl vorwirft - dann kommt Reimer Schubert ins Spiel. Er ist Schiedsmann für den Bezirk Kaarst II, zu dem Büttgen, Holzbüttgen, Vorst und Driesch gehören. Für ihn sucht die Stadt Kaarst derzeit einen neuen Stellvertreter, und im Schiedsamtsbezirk Kaarst I wird ein Nachfolger für Konrad Wilms benötigt. Wer Interesse an einem der Ämter hat, muss im jeweiligen Schiedsbezirk wohnen - und entscheidungsfreudig sein. Denn heute endet die Bewerbungsfrist.

Als im Juni 2015 die bisherige Schiedsfrau im Bezirk Kaarst II ihr Amt abgab, zögerte Schubert nicht lange mit seiner Bewerbung. "Das Leben hat es gut mit mir gemeint - da wollte ich dem Staat etwas zurückgeben." Seit er vom Rat gewählt und vom Amtsgericht als Schiedsmann vereidigt wurde, ist es seine Aufgabe, festgefahrene Konflikte aufzubrechen und Kompromisse zu finden, um gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.

"Ich habe etwa zwei Fälle pro Monat", erzählt Schubert. Das klingt nicht viel, doch jeder Fall will gut recherchiert sein. Teilweise wenden sich Antragsteller direkt an ihn, teilweise werden aber auch Klagen vom Gericht abgelehnt und ans Schiedsamt weitergeleitet. "Meistens verabrede ich dann einen Ortstermin und schaue mir den Streitfall an", sagt Schubert. Das können zu üppige Baumkronen, Sträucher, die aufs Nachbargrundstück wachsen, oder andere Konfliktursachen sein.

"Auf neutralem Boden - bei mir zuhause - treffe ich mich dann mit dem Antragsteller und dem Beklagten", so Schubert. Seine Aufgabe sei dann vor allem das Zuhören. "Die Menschen haben das Bedürfnis, ihre Argumente auszutauschen und den Frust loszuwerden." Der eine möchte beispielsweise viel Sonne und Licht, der andere dagegen mehr Grün, Vogelgezwitscher und Pflanzenvielfalt. Was harmlos klingt, kann zu verhärteten Fronten führen. Mit Verhandlungsgeschick ist es dann Schuberts Aufgabe, die festgefahrenen Streitigkeiten aufzubrechen. "Meist gelingt es, ein friedliches Ergebnis zu erzielen", hat Schubert erfahren. Handgreiflichkeiten habe er dabei noch nicht erlebt. "Kommunikation ist das Wichtigste. Und ich muss versuchen, dass alle Ruhe bewahren und ich mich nicht in die Diskussionen hineinziehen lasse." Die Schlichtungsverfahren sind mit Aufwand verbunden. Schubert muss die gesetzlichen Bestimmungen und städtischen Verordnungen kennen, Einladungen verschicken, Formulare ausfüllen und die Treffen protokollieren. "Die Dokumentation der Fälle ist recht umfangreich", sagt er.

"Es war zwar bisher nie ein Problem, Schiedsfrauen und -männer für Kaarst zu finden", sagt Sigrid Hecker, Pressesprecherin der Stadt, "aber es ist auch nicht so, das wir uns vor Bewerbungen nicht retten können." Wer aber gerne Kontakt mit anderen Menschen hat und kommunikativ ist, für den könne das Ehrenamt auch erfüllend sein. "Mein Ziel ist es, dass sich die Leute nach dem Gespräch wieder die Hand geben", sagt Schubert und fügt hinzu: "Ganz nach der Maxime des Schiedsamtes: Schlichten ist besser als richten."

Info unter www.kaarst.de sowie telefonisch unter 02131 987-551

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kaarst: Stadt Kaarst sucht dringend Schiedsleute


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.