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Kaarst
Stadt möchte Flüchtlingsheim abreißen

Kaarst. An der Stelle der Flüchtlingsunterkunft am Bäumchensweg würde die Stadt Kaarst gern neue und modernere Gebäude errichten. Allerdings geht das nur, wenn die Flüchtlingszahlen nicht steigen. Das lässt sich aber nicht voraussagen Von Rudolf Barnholdt

Ein zentrales Thema im Sozialausschuss war die Unterbringung der Flüchtlinge. Die Lage hat sich entspannt, aber niemand weiß genau, wie lange das so bleiben wird. Die Stadt würde gerne die Unterkunft am Bäumchensweg abreißen lassen und an gleicher Stelle ein neues, moderneres Gebäude errichten. Und sie möchte allen Ehrenamtlern mit einem Empfang ein Dankeschön sagen.

Frank Schnitker vom Sozialamt lieferte Zahlen wie diese: "Wir haben derzeit 683 Flüchtlinge, 591 von ihnen haben eine Aufenthaltsgenehmigung." Es sind 336 Männer, 151 Frauen und 196 Kinder. Sie kommen aus 31 Ländern. Die meisten Flüchtlinge, nämlich 158, kommen aus Syrien. Aus Afghanistan stammen 70, aus dem Irak 67 und aus Albanien, das inzwischen als sicheres Herkunftsland gilt, 41 Menschen. Bis jetzt wurden der Stadt Kaarst in diesem Jahr 59 Personen zugewiesen.

Aber es gab auch Flüchtlinge, die in ihre Heimat zurückgekehrt sind - offensichtlich, weil viele von ihnen damit rechnen, kein dauerhaftes Bleiberecht zu bekommen. "Im zweiten Quartal kehrten 37 Personen in ihr Heimatland zurück, darunter sechs Familien mit 24 Personen aus Albanien und ein Ehepaar aus dem Kosovo", erklärte Schnitker und fügte hinzu: "In diesem Quartal haben wird bis jetzt 13 Rückkehrer registriert."

In den Flüchtlingsunterkünften gehe es, nachdem zusätzlicher Wohnraum geschaffen wurde, nicht mehr so eng zu wie noch vor einigen Monaten. Und dass wieder Turnhallen beansprucht werden müssten, zeichne sich derzeit nicht ab. "Es ist noch nicht mit der Politik abgestimmt, aber wir würden den Standort Bäumchensweg in Vorst gerne abreißen lassen und dann neu bauen. Das Flüchtlingsheim existiert seit 1965. In jedem der 36-Quadratmeter-Zimmer waren sechs bis acht Personen untergebracht.

Die Abrisspläne lassen sich nicht natürlich nicht verwirklichen, "wenn die Flüchtlingszahlen wieder sprunghaft steigen würden", erklärte Sozialdezernent Sebastian Semmler. "Wir haben 80 Wohnungen für Flüchtlinge angemietet, in denen 281 Personen leben - weitere Anmietungen wird es in nächster Zeit nicht geben", sagte Frank Schnitker.

"Die Raumsituation werden wir Ende des Jahres neu bewerten", kündigte Semmler an. Auf Anfrage von Dagmar Treger (CDU) bestätigte der Sozial-, Jugend- und Schuldezernent: "Alle Flüchtlingskinder haben einen Platz in einer Schule oder einer Kita. Das zu stemmen, war nicht ganz einfach." Irene Harenberg (CDU) weiß, dass es bei der Bevölkerung nicht gut ankommt, wenn die Flüchtlinge irgendwo herumlungern. "Wie kann man diese Menschen beschäftigen?" wollte die Politikerin wissen.

"Die Flüchtlinge, die oft kaum Deutsch sprechen, bräuchten eine Eins-zu-Eins-Betreuung, das würde aber die Arbeitsabläufe sehr hemmen", erklärte Semmler dazu. Auch gebe es versicherungsrechtliche Probleme. Die Vorsitzende des Integrationsrates, Bouchra El Maazi, erklärte: "Längst nicht alle Flüchtlinge sind traumatisiert. Sie sollten sie nicht immer so in Watte packen." Wilma Klack von der AfD steuerte eine persönliche Beobachtung bei: Bei einer Straßenreinigungsaktion hätten Flüchtlinge zugeschaut , aber auf Anfrage keine Bereitschaft gezeigt hätten, anzupacken.

Noch gebe es auch keine Erfolgsmeldungen von Flüchtlingen, die ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten könnten. "In einem Jahr werden wir in klareres Bild haben", erklärte Sozialdezernent Semmler.

Am Tag des Ehrenamtes im Dezember, so wurde in der Sitzung auch bekannt, sollen diesmal keine Einzelpersonen im Mittelpunkt stehen. Die Stadt möchte sich bei dieser Gelegenheit stattdessen bei allen Menschen bedanken, die ehrenamtlich etwas für Flüchtlinge tun.

Quelle: NGZ
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