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Kaarst
Stelen stehen auf der Warteliste

Kaarst: Stelen stehen auf der Warteliste
Das vorerst letzte Exemplar: eine Arbeit von Johannes Trittien zum ersten Städtepartnerschaftsjubiläum im Juni 2014.
Kaarst. Zwei Arbeiten sollen den Stelenweg in Kaarst erweitern. Allerding ist derzeit unklar, ob der Etatposten von 2500 Euro für Fundament und Sockel erhalten bleibt. Für die Kunstwerke selbst müssen wie immer Sponsoren gesucht werden. Von Helga Bittner

Das Jahr 1994 war ein gutes für die Kaarster Kunstszene. Gleich elf Kunstwerke wurden geschaffen und aufgestellt - der Grundstein für das Kaarster Stelenkonzept war gelegt, auch wenn es damals noch im Rahmen des Rathausneubaus als Projekt unter dem Titel "Zur Mitte hin" fungierte, das 1995 um elf neue Arbeiten rund um das Rathaus erweitert wurde. Ausgedacht hatten es sich die 2006 gestorbene Künstlerin Martel Wiegand und der Kaarster Geisteswissenschaftler Helmut Blochwitz. Elf Jahre und noch mal elf Kunstwerke weiter herrscht Stillstand beim Stelenkonzept.

Rund 2500 Euro waren bislang für die Aufstellung neuer Kunstwerke eingeplant worden, im aktuellen Haushaltsvorschlag der Verwaltung sind es null Euro. Ohnehin hat es die Stadt in den vergangenen Jahren kaum einen nennenswerten Betrag gekostet, die Kunstwerke zu kaufen. Meistens wurden sie dank der Hilfe von Sponsoren angeschafft. In der Regel kamen dabei lediglich 500 Euro für das Fundament und die Betonsäule aus dem städtischen Haushalt. Da in den Haushaltsberatungen jedoch beschlossen wurde, 50 beziehungsweise 75 Prozent des Kulturetats mit einem Sperrvermerk zu versehen, den nur der Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss (HWFA) aufheben kann, sind dem zuständigen Kulturmanager Klaus Stevens zurzeit die Hände gebunden.

Ähnlich unsicher ist die Lage daher auch für das Kleinkunstprogramm "3K". Auch dafür muss der Sperrvermerk erst aufgehoben werden, allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass dem nicht stattgegeben wird. Denn die Verträge für das laufende Programm sind längst geschlossen, zig Eintrittskarten schon verkauft, so dass auf die Stadt erhebliche Probleme zukämen, sollten die bereits eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllt werden können. Für das kommenden Jahr werden die Karten allerdings neu gemischt.

Immerhin hatte ein Streichvorschlag in den Haushaltsberatungen im Herbst nicht Bestand: Die CDU wollte den Posten "Anschaffung von Kunstwerken", bislang mit 4500 Euro jährlich angesetzt, mindestens reduzieren, aber fand dafür keine Mehrheit, so dass der Ansatz bei 4500 Euro bleibt.

Auf der nächsten Sitzung des HWFA am 28. Januar stehen indes unter dem Punkt "Entsperrung von Haushaltsmitteln" Aufwendungen für Jugendförderung /Familienhilfeplan und Sportförderung zur Diskussion. Die Linke beantragt zudem die Einführung einer Kultur-Card, die mit Mindereinnahmen von 16.000 Euro zu Buche schlagen könnte.

In Sachen Kunststelen will CDU-Chef Lars Christoph allerdings die Handlungsfreiheit gewahrt wissen, ein Angebot auch annehmen zu können und Fundament und Betonsäule dann seitens der Stadt zu bezahlen. "Der Stelenweg hat eine große kulturelle Bedeutung", sagt er, "der Etat dafür ist klein und überschaubar."

Der Sprecher des Fünfer-Bündnisses und Grünen-Chef Christian Gaumitz hingegen reagiert zurückhaltend. Angesichts des strukturellen Haushaltsdefizits von drei Millionen jährlich gebe es "keine Denkverbote", sagt er. Auch wenn der Posten für das Stelenkonzept nur 2500 Euro betrage, müsse über alles nachgedacht werden. "Ich weiß, dass das eine unangenehme Aufgabe ist", sagt er weiter, "aber wir müssen erst mal grundsätzlich klären: Was ist uns die Kultur wert? Welche Mittel gibt es und wofür wollen wir sie einsetzen?" Ganz bewusst habe sich das Bündnis dafür eingesetzt, nicht nach dem Rasenmäher-Prinzip zu sparen, "aber so weiter wie bisher geht es auch nicht".

Wenn es jedoch nach dem Willen des Bündnis-Partners SPD und dessen Fraktionschefin Anneli Palmen geht, wird auch der Kunststelen-Etat von 2500 Euro gehalten. Und sie nimmt kein Blatt vor den Mund: "Wir wären doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn ein Verein oder ein Sponsor uns anböte, eine Arbeit zu finanzieren und wir könnten sie nicht aufstellen, weil wir das nicht finanzieren können", sagt sie. Ihrer Meinung nach hat sich das bisherige Sponsor-Prinzip des Stelenkonzepts bewährt und sollte auch beibehalten werden: "Natürlich muss man darauf achten, dass jetzt nicht neue Stelen in großen Mengen kommen."

Vorerst sind auch nur zwei in Sicht. Der Solinger Künstler Ulrich Mader, der auch zur Kaarster Künstlergruppe Salix gehört, hat den "Sternengucker" geschaffen. Eine etwa ein Meter große Figur, die er aus Ebenholz herausarbeitet und die in Driesch aufgestellt werden soll. Dem Kulturausschuss wurde sie bereits vorgestellt.

Ebenfalls über die Planungsphase hinaus ist der Düsseldorfer Künstler Till Hausmann, der einen "Ampelnistkasten" entworfen hat, dessen Standort der Wiegand-Weg werden könnte. Er hat aus einer Verkehrsampel die Lichtsignale ausgebaut und das Gehäuse feuerrot bemalt. Tatsächlich könnte der Kasten Vögeln als Nistplatz dienen. Allerdings werden für beide Arbeiten noch Sponsoren gesucht.

Quelle: NGZ
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