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Kaarst
Tartuffe wohnt im Tuppenhof

Kaarst: Tartuffe wohnt im Tuppenhof
Der Tuppenhof ist genug Bühnenbild: "Tartuffe" in der Regie von Wilhelm Schiefer setzt ganz auf Spiel und Kostüme. FOTO: Anja Tinter
Kaarst. Die Inszenierung des Theatervereins von Molières Komödie feierte Premiere.

Die Premiere ist geglückt. Auch wenn Margaret Klimont-Caspers als Souffleuse immer mal wieder nachhelfen muss, aber die Textfülle von Molières Klassiker "Tartuffe" hat es auch in sich. Der Theaterverein Kaarst hat die Komödie einstudiert und zeigt sie im Tuppenhof. Auf ein Bühnenbild verzichtet Regisseur Wilhelm Schiefer, es sollte sich auch als entbehrlich erweisen.

Die Komödie beginnt schon mit Zoff. Frau Pernelle (Ulla Kottmann), die Mutter von Orgon (Uli Caspers), macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube, da bekommt jeder sein Fett weg. Orgon dagegen hält selbst den intriganten Tartuffe (Rolf Brinkmann) für einen Gutmenschen. Überhaupt fällt es ihm nicht leicht, so richtig böse zu werden - und etwa seinen Sohn Damis (Antoine Nahas) vor die Tür zu setzen.

Brinkmann spielt den Tartuffe sehr ordentlich: zunächst betont devot, später, als selbst Orgon ihn durchschaut, eiskalt und berechnend. Richtig heiter wird es, als Orgon, unter dem Tisch kauernd, mitbekommt, wie Tartuffe um seine Frau wirbt und sich anschickt, sie auf dem Tisch zu vernaschen. Wenigstens muss Mariane, die Tochter Orgons (Sophie Zaeck), dann nicht mehr befürchten, mit dem "Ekelpaket" Tartuffe zwangsverheiratet zu werden. Daniela Frimmersdorf spielt die vorlaute Zofe Dorine - ohne Patzer, und glänzt auch sonst mit enormer Bühnenpräsenz.

Wilhelm Schiefer sorgt für ein Happy End, das Margret Klimont-Caspers auf der Bühne verkündet. Tartuffe wird abgeführt. Und Valère (Fabian Klein), der Verehrer von Mariane, ist plötzlich wieder da. Anett Schultze als Elmire, Gattin des Orgon, ist kurzfristig für eine andere Schauspielerin eingesprungen und liefert eine tadellose Leistung ab. "Gott, was sind die Menschen komisch: Keiner gibt sich so, wie er ist", klagt Cléante (Werner Paulitischke), der Schwager Orgons. Dieser Satz allein zeigt, wie aktuell der Klassiker ist. Weitere Vorstellungen gibt es von Freitag bis Sonntag jeweils ab 19.30 Uhr.

(barni)
 
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