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Kaarst
Tuppenhof wird zur Märchenwelt

Kaarst. Seit gestern ist die neue Ausstellung "Märchenwelt und Alltagsleben" eröffnet.

In diesem Jahr geht es auf dem Tuppenhof märchenhaft zu. Gestern wurde die Ausstellung "Märchenwelt und Alltagsleben" eröffnet. Museumsleiterin Britta Spies ist es gelungen, die Bedeutung bekannter Märchen der Gebrüder Grimm mit einfachen Mitteln zu erklären. Neben der Ausstellung gibt es ein museumspädagogisches Programm zum Thema - wie beispielsweise zwei "Märchentage".

Der Tuppenhof wirkt ja immer wie eine Märchenkulisse. Das gilt bis zum 30. Oktober in besonderem Maße. Ein Beispiel: Das Backhaus erinnert mit Applikationen im Lebkuchen-Look an das Hexenhaus von "Hänsel und Gretel", vor der Tür wachsen riesige Pilze. Britta Spies hat Texte zu den Märchen geschrieben, hat ihrem damaligen Zeitgeist nachgespürt. Allgemein kann man sagen, dass Märchen ihre Zeit widerspiegeln. "Die Prinzessin auf der Erbse" beispielsweise macht die einstmals großen Standesunterschiede deutlich: Hier die einfachen Menschen und ihr karges Leben, da eine privilegierte Minderheit, die eine Erbse spürt, die unter zig Matratzen liegt.

In einem Bett schauen riesige Pranken aus der Bettdecke hervor: Hier geht es um das "Rotkäppchen". Der Wolf hat es sich im Bett gemütlich gemacht. Dazu Britta Spieß: "Als das Märchen geschrieben wurde, gab es noch kein Rentensystem, die alten Menschen wurden von ihren Angehörigen versorgt. "Heute back" ich, morgen brau" ich", heißt es bei "Rumpelstilzchen" - damit haben die Gebrüder Grimm Bezug genommen auf eine Zeit, wo fast auf jedem Hof ein dünnes Bier gebraut wurde. Dass dazu die Gärsporen vom Backen von Vorteil waren, ist damals erkannt worden, ohne den genauen chemischen Prozess zu durchschauen. Sie taucht immer wieder auf in den Märchen: die böse Stiefmutter. "Das war früher ein großes Thema, weil sehr viele Frauen im Mutterbett starben", erklärt Britta Spies in der Ausstellung.

In der Upkammer ist das Bett mit Rosenblättern geschmückt - dort schläft Dornröschen. Der Fluch wurde durch eine Verletzung an der Spindel ausgelöst - sie war in jedem Haushalt allgegenwärtig. Wer die Ausstellung gesehen hat, erkennt, dass die Zeiten früher alles andere als idyllisch waren. Zur Ausstellung gibt es ein Programm und einen eigenen Flyer - er wirbt für Veranstaltungen wie den "Familientag im Märchenland" oder "Das Mägde- und-Knechte-Diplom".

Britta Spies nennt die Ausstellung eine "Zwischenausstellung" und erklärt: "Im kommenden Jahr wird es wieder eine richtig große Ausstellung geben." Das Thema: "Ab in den Süden".

(barni)
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