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Kaarst
Umweltminister macht Nordkanal zur Chefsache

Kaarst: Umweltminister macht Nordkanal zur Chefsache
Klaus-Dieter Pruss (r.) von der Bürgerinitiative Grundwasser Kaarst hatte Umweltminister Johannes Remmel (Mitte) zu einem Besuch des Nordkanals eingeladen. Ebenfalls mit vor Ort: Landratskandidat Hans Christian Markert (1.v.l.), Bürgermeisterkandidat Christian Gaumitz (2.v.l.) sowie weitere Mitglieder des Kaarster Fünferbündnisses aus SPD, Grünen, FDP, Zentrum und UWG. FOTO: Anja Tinter
Kaarst. Das Land gibt eine Studie zur ökologischen Verbesserung des Nordkanals in Auftrag. Diese soll auch klären, ob eine Entschlammung förderfähig ist. Von Julia Hagenacker

Die Nachricht, die NRW-Umweltminister Johannes Remmel gestern, bei einem Ortstermin in Kaarst im Gepäck hatte, ist eine gute: Das Land wird eine Potenzialstudie zur ökologischen Verbesserung des Nordkanals in Auftrag geben. Die Studie soll klären, ob die in Kaarst seit mehr als zehn Jahren geforderte Entschlammung möglich, ökologisch sinnvoll und vor allem förderfähig ist.

Auf Anfrage von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke hatte die Bezirksregierung bereits Anfang Juni erklärt, dass eine Entschlammung im Zusammenhang mit Maßnahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie grundsätzlich finanziell unterstützbar sein könnte, wenn sie denn zu einer Verbesserung des ökologischen Zustands führt. Die Kaarster CDU ließ daraufhin für die morgige Sitzung des Stadtrats einen Antrag auf die Tagesordnung setzen, der unter anderem fordert, dass der für die Unterhaltung des Nordkanals zuständige Wasser- und Bodenverband (WBVN) eine entsprechende Machbarkeitsstudie kurzfristig in Auftrag gibt.

"Ich möchte diese Studie gerne vom Ministerium aus in Auftrag geben, auch, weil wir ein Problem mit der Artenvielfalt haben", sagt jetzt Umweltminister Remmel, der sich gestern dort, wo der Jüchener Bach auf Kaarster Stadtgebiet in den Nordkanal überfließt, auf Einladung der Bürgerinitiative Grundwasser Kaarst einen Eindruck vom Zustand des Gewässers verschaffte. "45 Prozent der Tiere und Pflanzen in NRW sind vom Aussterben bedroht."

Fakt ist: Maßnahmen der Gewässerunterhaltung und des -ausbaus, die zu einer Verbesserung des ökologischen Zustands beitragen, werden nach den geltenden Förderrichtlinien des Landes mit 40 bis 80 Prozent unterstützt. Eine solche Maßnahme könnte eine Entschlammung sein. Eine Notwendigkeit dafür hatte der Verbandstechniker des WBVN in der Vergangenheit aber stets eindeutig verneint. Dass sich nach jahrelangem Ringen in Kaarst plötzlich der Dreh über eine ökologische Potenzialstudie auftut, erklären alle Beteiligten mit dem derzeit in Arbeit befindlichen zweiten Bewirtschaftungsplan für die Wasserrahmenrichtlinie. In diesem Zusammenhang werden auch Stellungnahme der Kommunen zur Umsetzung eingeholt. Eine Entschlammung des Nordkanals zur Verbesserung des ökologischen Potenzials hatte der Landrat - als Lösungsbaustein zur Grundwasserproblematik im Kreis - bereits 2009 angeregt. Die Bezirksregierung als Obere Wasserbehörde folgte der Anregung damals nicht - mit der Begründung, dass eine Entschlammung nicht als Maßnahme zur Zielerreichung im Sinne der Richtlinie, sondern als reine Unterhaltungsmaßnahme zu werten sei. Mittlerweile wird die Sachlage anders gesehen. Möglicherweise, sagt Remmel, sei die Aktenlage in der Vergangenheit nicht in ganzer Tiefe bewertet worden. "Wir werden die Studie jetzt zügig in Auftrag geben."

Bis Ergebnisse, auch zu möglichen Giftstoffen im Nordkanalschlamm, vorliegen, schätzt der Minister, kann ein Jahr vergehen. Klar, sagt er, sei auch, dass das Land keinesfalls die gesamten Kosten trägt. Stadt und WBVN müssten bereitsein, einen eigenen Beitrag zu leisten. Bürgermeister Franz-Josef Moormann, der zugleich Vorsteher des WBNV ist, hat seine Unterstützung - im Rahmen der finanziellen und von Rat und Verband abgesegneten Möglichkeiten - zugesagt. "Ich finde, das hier ist eine gute Nachricht, weil der Nordkanal wichtig für unsere Stadt ist", sagt er.

Quelle: NGZ
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