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Fall Daniel D.
Vater des Opfers: "Tatwaffe könnte ein Stemmeisen sein"

Prozessauftakt im Fall Daniel D. aus Kaarst
Prozessauftakt im Fall Daniel D. aus Kaarst FOTO: dpa, mbk vfd
Kaarst. Er hat auf sein Opfer eingeschlagen, als es bereits mit gebrochenem Schädel am Boden lag. Die ersten Hiebe, sagt die 35 Jahre alte Rechtsmedizinerin am Montag im Zeugenstand, trafen Daniel D. wahrscheinlich von vorne, in der linken Gesichtshälfte. Dann schlug der Täter mehrfach von hinten zu. Wie oft genau, konnten die Mediziner nicht rekonstruieren. Von Julia Hagenacker

Sicher ist nur, dass sich die Person am Boden nicht mehr bewegt haben kann. "Mit diesen Verletzungen wird das Opfer höchsten eine Minute überlebt haben", sagt die Rechtsmedizinerin. Und: Als Daniel D. starb, sei er ein kerngesunder junger Mann gewesen – eine Gewissheit, die seinem Vater auf der Nebenklagebank zur Verzweiflung treibt. "Rumgeschlagen wie ein Wahnsinniger hat er!", schreit er in Richtung seines Neffen, der ihm gegenüber auf der Anklagebank sitzt. Und: "So etwas, das macht doch kein Mensch!"

Am Landgericht ist am Montag der Prozess um das Tötungsdelikt an der K 37 bei Büttgen fortgesetzt worden. Angeklagt ist der Cousin des Getöteten, eines 35 Jahre alten Versicherungskaufmanns, der in Dormagen wohnte und in Korschenbroich aufwuchs, "Garten an Garten" mit dem Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen, in dessen Auto Blutspuren vom Opfer gefunden wurden, Totschlag vor. Weder der Tathergang, noch das Motiv, noch die Tatwaffe konnten bislang zweifelsfrei ermittelt werden. Der Student, der als Aushilfssportlehrer an einem Willicher Gymnasium arbeitete, schweigt dazu.

Chronik: Der Fall Daniel D.

Drei Stemmeisen, ließ der Vater des Opfers Montag im Prozess in Bezug auf die mögliche Tatwaffe – laut Rechtsmedizin ein langer, schwerer und scharfkantiger Gegenstand – über seinen Rechtsanwalt erklären, habe der Angeklagte aus dem Nachlass seines Großvaters immer im Haus gehabt. Zwei davon seien noch vorhanden, das dritte verschwunden. Ein Anhaltspunkt?

Einen möglichen Hinweis auf die Identität des Täters konnte auch ein 54 Jahre alter Koch der Gaststätte "Tespo" liefern. Er identifizierte den Angeklagten Tage nach der Tat auf einer von insgesamt zehn Fotografien. Am Tattag, dem 11. Dezember, sei er auf dem Rückweg von der Arbeit am späteren Tatort vorbeigekommen, berichtete der Duisburger jetzt im Zeugenstand. Gesehen habe er zwei Männer, die am Straßenrand standen. "Beide", sagte er, "haben mich direkt angeguckt." Einer habe eine Jacke mit einem auffälligen Karomuster getragen. "Als mir bei der Polizei die Fotos vorgelegt wurden, dachte ich: ,Diese Person hast Du schon mal gesehen'." Das Gericht hat für Mittwoch eine Zwischenberatung angekündigt.

 
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