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Kaarst
Verwobene Familiengeschichten

Kaarst: Verwobene Familiengeschichten
Volles Haus dank Bestseller-Autorin Anne Gesthuysen. FOTO: L. Berns
Kaarst. Anne Gesthuysen liest in der Buchhandlung Petra Esser aus "Sei mir ein Vater".

Eigentlich sind es zwei Erzählungen in einem Buch. Mindestens. Die Geschichte der Pariserin Lilie, die als Austauschschülerin am Niederrhein bei Hanna erst lernt, was Familie ist. Und die ungewöhnliche Biographie einer in Vergessenheit geratenen Malerin, die als Liebende, Partnerin eines sozialistischen Ministers und Kunstförderin Spuren hinterlassen hat. Im Mittelpunkt steht aber noch eine weitere Person, worauf der Titel des Buches hinweist: "Sei mir ein Vater" heißt der zweite Roman von Journalistin und TV-Moderatorin Anne Gesthuysen, aus dem die 46-Jährige in der Buchhandlung Petra Esser las. Das zahlreiche, überwiegend weibliche Publikum hörte ihr gebannt zu, amüsierte sich über manche humorvolle Anekdote, wurde neugierig - und ließ sich am Ende des Abends fleißig die gerade erworbenen Exemplare von der Autorin signieren.

Anne Gesthuysen kann erzählen. Das hat sie mit ihrem Erstling "Wir sind doch Schwestern", der ebenfalls bei Kiepenheuer & Witsch erschien, bewiesen. Die Verkaufszahlen haben die halbe Million überschritten, nähern sich der Marke 600.000. Und wieder schöpft die gebürtige Niederrheinerin aus dem familiären Umfeld beziehungsweise Selbsterlebtem: Die Hanna in "Sei mir ein Vater" trägt, wie sie preisgibt, unverkennbar Züge der damals 16-jährigen Anne Gesthuysen - und die beschreibt sie sympathisch uneitel, was ihr zustimmendes Lachen aus dem Publikum einbringt. "Ich bin mit Sprache nicht so firm", kokettiert der Profi, dem die Radio-Erfahrung anzumerken ist, wenn er locker plaudernd die Textpassagen einleitet. Dass die Bauerntochter aus dem kleinen Veen bei Xanten Karriere als Journalistin gemacht hat - möglicherweise ist es der Begegnung mit Lilie zu verdanken, die im wahren Leben Elodie heißt und bis heute eine enge Freundin Gesthuysens ist. "Sie hat in mir den Wunsch geweckt, rauszugehen und herauszufinden, was die Welt jenseits unseres Dorfes zu bieten hat", erzählt die Autorin, die in den 1990er Jahren bei Radio France arbeitete. Hat sie ihr mit diesem Buch ein Denkmal gesetzt? "Wenn ich jemandem ein Denkmal gesetzt habe, dann meinem Vater."

(susa)
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