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Kaarst
Wenn die Scheune zur Bühne wird

Kaarst: Wenn die Scheune zur Bühne wird
Das Büchner-Ensemble probt für das Stück "Schluck und Jau" . In einer Szene liegt der betrunkene Jau vor dem Gitter des Schlossparks. FOTO: Georg Salzburg
Kaarst. Mittwochsabends wird in der Scheune des Tuppenhofs intensiv geprobt. "Schluck und Jau", Gerhart Hauptmanns derbe Gaunerkomödie von 1900, steht auf dem Programm des Büchner-Ensembles - ein Stück mit aktuellem Bezug. Von Elisabeth Keldenich

Der betrunkene Jau liegt vor dem Gitter des Schlossparks und bejammert in schlesischem Dialekt sein Schicksal. Sein Kumpel Schluck kommt hinzu, versucht ihn aufzurichten und redet unablässig ebenfalls in schlesischer Mundart auf ihn ein. Mittwochsabends verwandelt sich die Scheune des Tuppenhofs in eine Bühne, auf der intensiv geprobt wird. "Schluck und Jau", Gerhart Hauptmanns derbe Gaunerkomödie von 1900, steht auf dem Programm des Büchner-Ensembles, hervorgegangen aus der Theater-AG des Büchner-Gymnasiums unter der Leitung von Wilhelm Schiefer.

"Das Stück haben wir gemeinsam mit allen Schauspielern ausgesucht", erzählt der Bildhauer und ehemalige Lehrer für Kunst und Deutsch. "Es wird selten gespielt, obwohl es eine hohe Aktualität besitzt: viele Seitenhiebe auf eine übersättigte Gesellschaft, die Frage nach ,Standesunterschieden' - und nicht zuletzt die Verführbarkeit des Menschen durch die Verlockungen der Macht", erläutert Schiefer.

Worum geht es? Eine gelangweilte Hofgesellschaft erlaubt sie sich mit Schluck und Jau einen bösen Spaß, in dem sie beiden nach ihrem Erwachen aus dem Alkoholrausch in ein Fürstenpaar verwandelt, sie dementsprechend behandelt und sich selbst als Diener ausgibt. Dabei verwischen sich die Grenzen zwischen Traum und Realität, zudem entwickelt sich Jau zum Tyrannen. Der Schluss ist für die beiden Penner sehr ernüchternd. "Ich bin getuppelt" (verdoppelt) sagen sie. Dieses Gefühl verdeutlicht auch das Schwarz-Weiß-Porträt auf den Plakaten.

Dass die beiden Hauptrollen glänzend besetzt sind, zeigen schon die Proben: Siegfried Müller verkörpert Jau, was eine intensive Vorbereitung bedeutete: "Die Figur ist schwer zu spielen, logische Abläufe fehlen und oft befindet sie sich im Delirium", erklärt der Schauspieler. Zudem müsse alles in schlesischem Dialekt gesprochen werden. Das fiel auch Ulrich Caspers, der in die Rolle des Schluck schlüpft, nicht leicht. "Es war schwierig, diesen Dialekt zu lernen. Regina Dudzik vom Bund der Vertriebenen hat mir dabei sehr geholfen", erzählt er. "Ein A muss wie O und ein Ü wie I ausgesprochen werden", erklärt er, hinzu komme der singende Tonfall. "Da haben wir viel Zeit investiert", fasst er zusammen. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Ohne zu stocken unterhalten sich die beiden Zechkumpanen in schlesischer Mundart, während die übrige Gesellschaft Hochdeutsch spricht. Werner Palitschke gibt dem Fürst Gesicht und Gestalt, Rolf Brinkmann seinem Höfling Karl.

Dabei offenbart sich so manch komödiantisches Talent. Derweil hilft Bildhauerin Hanna Brinkmann bei der Gestaltung des Bühnenbildes und streicht das Gitter für den Park stilecht an. "Ansonsten arbeiten wir viel mit Beleuchtung", erklärt Schiefer. Im Schloss spielende Szenen werden durch bemalte Vorhänge verdeutlicht. Ille Mularski wird wieder die Texte zwischen den einzelnen Bildern sprechen. Außerdem wirken die Musikschule Mark Koll und der Turnverein "Gut Heil" aus Vorst mit.

Quelle: NGZ
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