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Kaarst
Zahl der Obdachlosen steigt sprunghaft an

Kaarst: Zahl der Obdachlosen steigt sprunghaft an
Hausmeister Oleg Federov zeigt ein Zimmer an der Ludwig-Erhardt-Straße. FOTO: salz
Kaarst. In Kaarst leben 41 obdachlose Menschen in städtischen Unterkünften. So viele wie noch nie. Stadt arbeitet an Lösungen. Von Rudolf Barnholt

Die aktuellen Flüchtlings- und Obdachlosenzahlen werden in jeder Sitzung des Sozialausschusses von der Verwaltung vorgelegt. Die Zahl der Obdachlosen war seit Jahren sehr gering, immer einstellig, zu vernachlässigen, so schien es, auch wenn jeder Einzelfall betroffen macht. Ganz anders die Flüchtlingszahlen. Die Situation hat sich jetzt schlagartig geändert: Mit Stichtag 20. Dezember waren 41 obdachlose Personen in verschiedenen städtischen Unterkünften untergebracht. Und die Chancen, sie auf dem freien Markt mit einer Wohnung zu versorgen, sind derzeit nicht gerade gut.

Dass Mietverhältnisse gekündigt wurden, liegt vor allem an der Anhäufung von Mietrückständen. Am Ende steht dann die Zwangsräumung. Aber es gibt auch Fälle, in denen das Verhalten der Mieter unabhängig von ihrer Bonität zur Kündigung geführt hat. Die Stadtverwaltung ist zwar bei der Wohnungssuche behilflich, unterhält eine Wohnungsnotfallhilfe, sie stößt aber immer wieder auf Ablehnung bei den potenziellen Vermietern: "Viele Eigentümer haben Bedenken, Mietverträge mit den Obdachlosen abzuschließen. Hinzu kommt, dass meistens auch noch Schufa-Einträge vorhanden sind. Oftmals werden auch Auskünfte beim vorherigen Mieter eingeholt. Das alles macht die Vermittlung für uns äußerst schwierig", sagt Sozialdezernent Sebastian Semmler, der beobachtet hat, dass die Verweildauer in städtischen Unterkünften durchschnittlich sieben Monate dauert.

Sebastian Semmler appelliert in diesem Zusammenhang an von Obdachlosigkeit Bedrohte, sich beizeiten an die Wohnungsnothilfe der Stadt zu wenden und auf keinen Fall damit bis zur Zwangsräumung zu warten. Die Betroffenen werden zum Teil gemeinsam mit Flüchtlingen untergebracht. Zu nennenswerten Spannungen sei es noch nicht gekommen. Aber die Stadt geht auf Nummer sicher: Tagsüber sind vier Objektbetreuer im Einsatz, in den Abend- und Nachstunden fährt ein Sicherheitsdienst in unregelmäßigen Abständen die Objekte an. In den "Wohnheimen für soziale Zwecke" müssen Familien eng zusammenrücken: Die Wohnungen an der Ludwig-Erhard-Straße sind 50 Quadratmeter groß und damit Familien vorbehalten. Die Apartments am Bäumchensweg sind rund 32 Quadratmeter groß und können ebenfalls mit mehreren Personen besetzt werden. In anderen Einrichtungen stehen für Singles Räume ab 11 Quadratmeter bereit. Ein - kleines - Trostpflaster für alle, die jetzt in einer der Notunterkünfte leben müssen: Selbst wenn die Zwangsvollstreckung vollzogen wird, werden diese Menschen immer ein Dach über dem Kopf haben. Die Stadt Kaarst ist nämlich verpflichtet, jedem von Obdachlosigkeit Bedrohtem eine geeignete Wohnmöglichkeit anzubieten.

Die aktuelle Kaarster Situation in Zahlen: Von den 41 Betroffenen sind 14 Männer, neun Frauen und 18 Kinder. 26 Obdachlose haben die deutsche Staatsangehörigkeit, 15 sind Ausländer. Von den 41 Personen sind 17 Singles.

Quelle: NGZ
 
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