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Kaarst
"Zuwanderung ist eine Chance fürs Handwerk"

Kaarst: "Zuwanderung ist eine Chance fürs Handwerk"
Gesucht - gefunden: Malermeister Dirk Andreas (links) und der Syrer Mohammed Khalil. FOTO: Anja Tinter
Kaarst. Malermeister Dirk Andreas hat lange vergeblich einen Auszubildenden gesucht. Mit dem Syrer Mohammed Khalil hat er ihn endlich gefunden. Von Bärbel Broer

Sie wissen bereits jetzt, dass es passt: Denn seit März arbeitet der aus dem syrischen Aleppo geflohene Mohammed Khalil schon bei Malermeister Dirk Andreas als ungelernte Hilfskraft. Und ab Freitag, 1. September, wird der 29-Jährige offiziell seine Ausbildung bei dem Kaarster Handwerksmeister beginnen. Für beide ein Glücksfall. Denn Andreas sucht seit langer Zeit nach einem Auszubildenden und Khalil möchte sich in Deutschland eine neue Existenz aufbauen.

"Ich hatte seit drei Jahren keinen Auszubildenden mehr", erzählt Andreas. Ungewöhnlich für den Malerbetrieb, den er in zweiter Generation fortführt und der früher "eigentlich immer einen Auszubildenden hatte". Doch zum einen sei es sehr schwierig, überhaupt Auszubildende zu finden, so Andreas. Zum anderen habe er die Erfahrung machen müssen, dass manche nicht die nötige Motivation gehabt und schon nach kurzer Zeit die Ausbildung abgebrochen hätten.

Darüber hatte er auch mit einer Kundin gesprochen. Diese ist wiederum in der Kaarster Flüchtlingshilfe engagiert und wusste, das Khalil eine Ausbildungsstelle als Maler suchte. Kurzerhand wurden Telefonnummern ausgetauscht. Schon beim ersten Treffen wurde es konkret. "Mohammed hat auch gleich gesagt, dass er keinen Job als Helfer, sondern zur qualifizierten Fachkraft ausgebildet werden möchte", so Andreas. Eben dieses Engagement schätze er besonders an ihm. Khalil wiederum ist ebenfalls begeistert: "Es freut mich sehr, dass es klappt. Und ich habe auch noch einen netten Chef."

Seit Oktober 2015 lebt Khalil in Kaarst. Er war alleine aus Aleppo geflüchtet. Seine Geschwister, die auch vor dem Krieg geflohen sind, leben in Hamburg, Göttingen und der Türkei. "Nur die Eltern sind geblieben", erzählt er. Via Skype hält er den Kontakt zu ihnen. Khalil hat zunächst nur eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr. Dieser sogenannte subsidiäre Schutz kann verlängert werden. "Oder ich werde abgeschoben", sagt Khalil leise. "Dieses Risiko besteht", so Andreas. "Aber das gehe ich bewusst ein. Was sollen die Leute, die geflohen sind und sich eine Existenz aufbauen wollen, denn sonst machen?" Im Übrigen sei er überzeugt, dass die Zuwanderung "eine Riesenchance fürs deutsche Handwerk" sei. Von vielen Kollegen aus unterschiedlichsten Gewerken wisse er, wie schwierig es sei, Auszubildende zu finden.

In Aleppo hatte Khalil diverse Hilfsjobs. "Ich habe als Maler, Taxifahrer und Kellner gearbeitet." Das duale Ausbildungssystem - einen handwerklichen Beruf zu erlernen und die Berufsschule zu besuchen - hat er erst in Deutschland kennengelernt. "In Syrien gibt es das nicht", erzählt Khalil, "da lernt man vom Chef und den Kollegen." Ab September wird er aber nicht nur durch Malermeister Andreas angeleitet, sondern er wird auch die Schulbank drücken und - für diesen Beruf typisch - Fächer wie Physik, Chemie, Technologie und Mathematik büffeln müssen. Um sprachlich darauf vorbereitet zu sein, gibt es kostenlose Deutschkurse als Einstiegsqualifizierung. "Doch der Gruppenunterricht bringt ihn nicht viel weiter", hat Andreas festgestellt. Deshalb bekommt Khalil seit zwei Monaten zusätzlich Unterricht, um für das Lesen und Schreiben in der Schule gewappnet zu sein. Die Kosten für diesen Sprachunterricht teilen sich Khalil und Andreas. Denn Chef und künftiger Azubi haben ein gemeinsames Ziel: Der eine möchte einen Handwerker ausbilden, der andere möchte es werden.

Quelle: NGZ
 
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