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Kaarst
Zweite Sporthalle wird zur Notunterkunft

Kaarst: Zweite Sporthalle wird zur Notunterkunft
Seit Montag wird die Sporthalle am Bruchweg für die vorübergehende Unterbringung von Flüchtlingen vorbereitet. Vorhänge schaffen im Inneren ein Mindestmaß an Privatsphäre. FOTO: Georg Salzburg
Kaarst. Auch am Bruchweg ziehen jetzt vorübergehend Flüchtlinge ein. Erstmals muss die Stadt Sportangebote streichen. Von Julia Hagenacker

In anderen Kommunen ist es bereits Alltag. Jetzt bekommen die Kaarster - oder jedenfalls diejenigen, die in ihrer Freizeit Sport im Verein treiben - zum ersten Mal zu spüren, dass auch ihre Stadt in Bezug auf die Flüchtlinge in einer echten Krise steckt. Nach der Sporthalle an der Bussardstraße wird jetzt auch die Halle am Bruchweg zur Notunterkunft. Das hat die Stadt am Montag mitgeteilt. Die Unterbringung von zugewiesenen Flüchtlingen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit zwinge die Verwaltung zur Nutzung einer weiteren Sporthalle, heißt es. Einschränkungen für Sporttreibende ließen sich dabei leider nicht länger vermeiden.

Weil alle bislang bestehenden Unterkünfte, etwa an der Rotdornstraße, am Bäumchensweg, an der Ludwig-Erhard-Straße und an der Vom-Stein-Straße in Büttgen, bis unters Dach belegt sind, sieht sich die Stadt gezwungen, zum ersten Mal seit Beginn der aktuellen Flüchtlingskrise mehrere Menschen auf einmal vorübergehend in Sporthallen zu beherbergen. Am Bruchweg sollen in den nächsten Tagen Menschen einziehen, die zwar länger bleiben, für die in Kaarst aktuell aber sonst nirgendwo Platz ist. Daneben warten rund 50 Menschen in der Sporthalle Bussardstraße auf geeignetere Unterkünfte.

Die Halle am Bruchweg wird nicht für den Schulsport genutzt, deshalb wurde sie als zweite Notunterkunft ausgewählt. Neu ist: Anders als noch vor zwei Wochen werden sich nicht mehr alle Sportnutzungen auf andere Hallen und Zeiten verteilen lassen. "Für die Vereins- und Freizeitsportler, die in der Halle an der Bussardstraße trainiert haben, konnte die Verwaltung noch Ausweichmöglichkeiten in anderen Hallen - zum Beispiel auch am Bruchweg - finden", sagt Stadtsportverbandschef Axel Volker. Diese Option fällt jetzt weg. Heißt: Der größte Teil des Sportangebotes in der Halle am Bruchweg wird zunächst ersatzlos gestrichen. Die Verwaltung, heißt es, bemühe sich gemeinsam mit den Kaarster Sportvereinen um kurzfristige Lösungen und Kompromisse.

Axel Volker hat für die Zwangslage Verständnis. "Jetzt ist die Solidarität von allen Vereinen gefragt", sagt er. "Wir müssen zusammenrücken. Auf der anderen Seite sollen die neuen Mitbürger aber auch integriert werden, und da beißt sich die Katze bekanntlich in den Schwanz."

Deshalb, sagt Volker, müsse gemeinsam mit der Stadt nach Lösungen gesucht werden - vielleicht auch nach außergewöhnlichen. "Man könnte zum Beispiel darüber nachdenken, Hallen zu teilen, und es gibt sicher auch noch andere Möglichkeiten, Sport zu treiben. Da müssen wir mal die Fantasie spielen lassen."

Um den Ausfall der Sporthallen möglichst gering zu halten, will Kaarst auch geeignete Gewerbehallen in Notunterkünfte umbauen. Die Vorbereitungen laufen, die Arbeiten, heißt es, dauerten jedoch mehrere Wochen. Allen Beteiligten sei bewusst, wie unglücklich die Umnutzung der Sporthallen sei, sagt die Verwaltung. Sporthallen seien keine dauerhaft geeignete Unterbringungsmöglichkeit und Einschränkungen für den Sport, der auch einen großen und aktiven Part in der wichtigen ehrenamtlichen Tätigkeit und Integrationsarbeit für Flüchtlinge ausmacht, seien dabei selbstverständlich kontraproduktiv. Was fehle, seien schlichtweg kurzfristige Alternativen. Dafür bitte man um Verständnis.

Quelle: NGZ
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