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Kamp-Lintfort
Afrikanische Kunst, die Picasso prägte

Kamp-Lintfort: Afrikanische Kunst, die Picasso prägte
Fritz Schaumann (Staatssekretär a.D.), Bürgermeister Christoph Landscheidt, Toumani Djimé Diallo (Botschafter von Mali, Galerist Bernd Schulz, Reinhard Klimmt (Verkehrsminister a.D.) eröffneten die Ausstellung. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Bis Weihnachten ist die Ausstellung "Traditionelle Kunst aus Westafrika" in der Kamp-Lintforter Galerie Schulz zu sehen. Sie zeigt auch Verbindungen zwischen afrikanischer und europäischer Kunst. Von Peter Gottschlich

Der Name Pablo Picasso fiel mehrmals, als am Sonntagnachmittag in der Galerie Bernd Schulz die Ausstellung "Traditionelle Kunst aus Westafrika" eröffnet wurde. "Hier sieht man, wo sich Picasso und die Kubisten ihre Anregungen geholt haben", sagte Toumani Djimé Diallo, Botschafter der Republik Mali. "Ohne die Primitive Kunst, wie die afrikanische Kunst damals hieß, würde es den Kubismus nicht geben." Als Diplomat, der in einem traditionellen bunten Gewand aus Mali gekleidet war, musste er nicht weiter ausführen, wie der Kubismus über den Expressionismus die europäische Kunst der vergangenen 100 Jahre prägte.

"Afrika ist ein Kontinent, der sich emanzipiert hat und dessen Kunst die Kunstszene in Europa bereichert", stellte Kamp-Lintforts Bürgermeister Christoph Landscheidt in seinem Grußwort zur Eröffnung fest. Schließlich sind Porträts eines Pablo Picassos ohne die afrikanische Kunst kaum denkbar, wie die Gesichtsmasken aus Holz in der Ausstellung zeigen, die zum Beispiel aus Nigeria, Mali oder Liberia stammen. Ihre Formsprache ist reduziert. Manchmal bilden zwei Ovale als Augen, ein Dreieck als Nase und ein Strich als Mund einen ovalen Kopf. Auch die Skulpturen eines Alberto Giacomettis, der wie Picasso lange Zeit in Paris lebte, sind von afrikanischen Figuren beeinflusst.

Die Proportionen entsprechen der Wichtigkeit. Bei den afrikanischen Figuren, die ein Schwerpunkt der diesjährigen Herbstausstellung sind, sind zum Beispiel Arme zu lang, Beine zu kurz oder Köpfe zu groß. "Die afrikanischen Figuren sind aber religiöse Kultobjekte, keine Kunstwerke wie die europäischen", sagte Reinhard Klimmt, Bundesverkehrsminister im ersten Kabinett Schröder, bei der Eröffnung vor 70 Gästen. Das erläuterte er an einem Boli. Das ist eine Büffelfigur, die selbst bei den großen Ausstellungen für afrikanische Kunst in Brüssel und Paris, London und New York nur selten zu sehen ist. "Früher wurde auf dem Boli etwas geopfert, zum Beispiel Hirse-Bier", berichtete Reinhard Klimmt.

Das Boli in Kamp-Lintfort, das aus Holz, Stoff und Lehm besteht, befand sich im Eigentum von Modibo Keita, der von 1960 bis 1968 erster Präsident der Republik Mali war. "Ein Boli ist selten und mit einer solchen Herkunft noch seltener", erläuterte der einstige Bundesverkehrsminister. "Wenn es Modibo Keita gehört hat, ist es so, als habe Picasso ein Portrait berührt." Er versteigerte das Boli, das von den Erben des späteren Besitzer Michael Monschau gestiftet worden war, für den Verein "Identität für Kinder in Mali". Dabei kamen 5100 Euro für den guten Zweck zusammen.

Die Ausstellung "Traditionelle Kunst aus Westafrika" ist bis einschließlich zum 20. Dezember in der Galerie Bernd Schulz, Oststraße 77 in Kamp-Lintfort, zu sehen. Sie ist jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Interessierte können auch außerhalb dieser Zeiten ein Besuch mit Bernd Schulz vereinbaren, Telefon 02842 6498 oder 02842 1405.

Quelle: RP
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