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Kamp-Lintfort
Afrikas Tradition trifft auf Kunst der Gegenwart

Kamp-Lintfort: Afrikas Tradition trifft auf Kunst der Gegenwart
Bernd Schulz stellt der Luba-Figur das Bild von Manuela Sambo gegenüber. Es zeigt eine Venus nach Lucas Cranach. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Die Herbstausstellung in der Galerie Schulz hebt sich vom Gewohnten ab: Erstmals stellt Bernd Schulz der traditionellen afrikanischen Kunst ihr zeitgenössisches Pendant gegenüber. Eröffnung ist am Sonntag. Von Anja Katzke

Die Venus, zu der sich Manuela Sambo von Lucas Cranach inspirieren ließ, hängt vis-à-vis einer weiblichen Luba-Figur aus Holz. Beide Kunstwerke trennen mehrere Jahrhunderte. Die traditionelle Figur entstand im 18. Jahrhunderts im Kongo. Das Bild daneben schuf die angolanische Künstlerin Manuela Sambo. Das Verbindende zwischen beiden sind traditionelle afrikanische Motive und Symbole.

Galerist Bernd Schulz, Konsul der Republik Mali und Afrika-Experte, wagt in seinen Kamp-Lintforter Räumlichkeiten an der Oststraße die Premiere: Erstmals kooperiert er mit der Aachener Galerie Artco, die sich auf zeitgenössische Kunst spezialisiert hat und unter anderem junge Künstler mit afrikanischen Wurzeln vertritt. "Ich habe das Galeristen-Paar Jutta und Joachim Melchers vor einigen Jahren kennengelernt", erzählt Bernd Schulz.

Er bietet seit mehr als 50 Jahren afrikanische Kunst zum Kauf an, darunter Masken und Figuren von Mali bis Südafrika an. Viele der Holz- und Bronzeobjekte hat der Kamp-Lintforter vor Jahren selbst in Afrika gekauft. Dass er den traditionellen Kult-Objekten die junge und moderne afrikanische Kunst wie Fotografie, Installation und Malerei gegenüberstellt, empfindet er ebenso als reizvolle und spannende Herausforderung. "Etliche der Künstler leben heute in Europa", betont der Kamp-Lintforter Galerist.

Tété Azankpo, der ursprünglich aus Togo kommt, greift beispielsweise in seinen Arbeiten Themen aus dem afrikanischen Alltag sowie der Politik auf. In der Kamp-Lintforter Galerie sind Collagen zu sehen, die die Gesichter schwarzer Persönlichkeiten zeigen wie Obama, Michael Jackson, Prince und Nelson Mandela auf Emaille, bemalte Holztafeln und auch Papier. Es sind bunte und schillernde Collage-Arbeiten, die auffordern, genau hinzuschauen. In der Herbstausstellung zeigt Schulz auch einige Werke des togolesischen Künstlers El Loko, der viele Jahre in Köln gelebt hatte. Die Arbeiten, die den Titel "Gotteskinder" tragen und als Mischtechniken auf Nessel und Leinwand entstanden, sind ungerahmt. Sie wirken bedrohlich. Der Mensch, der in reduzierter Form dargestellt wird, durchlebt hier Gewalt und Bedrohung.

Die Figuren und Masken, die Konsul Schulz in vielen Jahren zusammengetragen wurden, finden ein Pendant in der Arbeit des togolesischen Künstlers Amouzou Amouzou-Glikpa. Die Installationen und Skulpturen wirken so, als seien sie der traditionellen Kunst Afrikas zuzuordnen. Erst auf dem zweiten Blick stellt der Betrachter fest, dass die Masken und Figuren nicht aus Holz geschnitzt oder aus Bronze gegossen sind, sondern aus modernen Materialen wie Elektrokabeln und Draht geformt wurden.

Bernd Schulz mag besonders die Arbeiten von Owusi-Ankomah. Seine Bilder sind gespickt mit kryptischen Symbolen. "Es handelt sich um Anleihen aus der traditionellen Kunst", erklärt der Galerist. So fügt der Künstler so genannte Adinkra-Symbole, die sich auf sein Heimatland Ghana beziehen, mit chinesischen Symbolen und andern Zeichen und Motiven zusammen. Wer genau hinschaut, erkennt in der Aneinanderreihung der Formen Körper in Bewegung. In der Herbstausstellung, die am Sonntag an der Oststraße eröffnet wird, sind die Werke von insgesamt 16 zeitgenössischen Künstlern zu sehen.

Die Ausstellung läuft bis zum 18. Dezember. Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag und Sonntag, 15 bis 18 Uhr sowie nach Absprache unter 02842 6498 und 1405.

Quelle: RP
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