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Kamp-Lintfort
Alle singen bei "Musik inklusive" mit

Kamp-Lintfort: Alle singen bei "Musik inklusive" mit
FOTO: Dieker Klaus
Kamp-Lintfort. Vor fünf Jahren fand sich ein Projektchor, in dem nicht-behinderte und behinderte Sänger zusammen singen. Von Peter Gottschlich

"Applaus, Applaus" gehört zu den Lieblingssongs der Mitglieder des Chors "Musik inklusive". Sie singen es mit so viel Gefühl wie die "Sportfreunde Stiller" 2013. "Das ist immer ein emotionaler Augenblick, der mich sehr berührt", erzählt Susanne Hausmann.

Vor fünf Jahren rief sie den Chor "Musik inklusive" ins Leben. "Den Anstoß gab ein Junge mit Down-Syndrom, der damals 16 Jahre alt war", erzählt die Verbundleiterin der katholischen Kindergärten St. Josef. "Er wollte einmal Musik machen, richtige Musik." Die frühere Leiterin des Kindergartens "Kleine Oase" sprach das Thema Musik in der Expertenrunde an, in der sich Eltern behinderter und nicht-behinderter Kinder austauschen und unterstützen. "Auch andere Jugendliche wünschten sich, gemeinsam zu singen", blickt die Leiterin der Expertenrunde zurück. "Singen macht einfach glücklich, und Musik verbindet." So trafen sich im September 2012 15 behinderte und nichtbehinderte Kinder, Jugendlichen und Erwachsene, um angeleitet von Monique Bleek und Keyboarder Günter Sanders Lieder einzustudieren. Ziel des Projektchores war es, auf dem Barbaramarkt weihnachtliche Lieder zu singen, der zum ersten Advent um die Marienkirche aufgebaut ist. "Die Chormitglieder suchten sich die Lieder selbst aus", erzählt der Chorleiter, der wie die Chorleiterin der Band "Heat wave Lite" angehört. "Das hat sich bis heute nicht verändert."

Sie wählten klassische Weihnachtslieder aus, etwa die Volksweise "O du fröhliche", genauso wie moderne, etwa "White Christmas" von Irving Berlin oder "Heal the World" von Michael Jackson, das kein Adventslied ist, aber oft in der in den Wochen vor Weihnachten zu hören ist. "Probier' doch ruhig mal aus, trau dich", motiviert die Chorleiterin die Sänger, wenn sie sich an Dienstagabenden in der Kleinen Offenen Tür Gestfeld an der Rundstraße treffen. Als die Sänger nach ihrem ersten Auftritt mit einem "wundervollem Applaus" belohnt worden waren, wie die beiden Chorleiter erzählen, entschieden sich die meisten, weiter zu singen. Außerdem kamen einige neue Sänger hinzu. So nahmen sie das ökumenische Gemeindefest im Niersenbruch in den Blick.

Im März 2013 begannen sie, Lieder einzustudieren, die sie zuvor ausgesucht hatten. Zum Beispiel nahmen sie "Du bist ein Wunder" von Andreas Burani in ihr Repertoire auf, nachdem sie das beeindruckende Video von der Aktion Mensch zu diesem Song gesehen hatten. "Die Lieder sind schon eine Herausforderung für die Sänger", sagt Susanne Hausmann, die im Chor mitsingt. "Gute zehn haben wir im aktuellen Projekt."

Nachdem das diesjährige Sommerprojekt mit dem Auftritt beim Fest "Rund um Musik" am St.-Hedwig-Haus abgeschlossen ist, schaut sie schon auf das Winterprojekt, das im September beginnt. Der Chor tritt nach den Sommerferien gleich zweimal auf, zunächst beim Tag der offenen Tür Caritas Wohn- und Werkstätten Rheinberg und dann beim Familienfest des Familienzentrums St. Josef in Kamp-Lintfort.

2018 stehen zwei große Vorhaben an. Ein Sponsor plant, mit dem Chor eine CD aufzunehmen. Außerdem liegt dem Chor eine Anfrage vor, beim Katholikentag in Münster aufzutreten, obwohl sein Repertoire mehr an die Popmusik angelehnt ist und weniger an das geistige Liedgut. "Es kommt nicht nur auf die Texte und die Qualität der Stimmen an", begründet Susanne Hausmann diese Anfrage. "Vielmehr ist es die gelebte Inklusion, die die Menschen berührt." Immer ist sie auf der Suche nach neuen Mitgliedern. "Zurzeit sind wir 40 Sänger. Nach einer Projektphase können sie aufhören. Aber die meisten bleiben dabei. Sie singen einfach gerne zusammen."

Kontakt: Telefon 02842 707-314

Quelle: RP
 
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