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Kamp-Lintfort
Als deutscher Pfarrer in Nigerias Metropole

Kamp-Lintfort: Als deutscher Pfarrer in Nigerias Metropole
Pfarrer Christoph Roller hat sich einige Andenken aus Afrika mitgebracht (oben). Unten: Bei einem Farmgottesdienst in Nigeria. FOTO: Christoph Reichwein/privat
Kamp-Lintfort. Pfarrer Christoph Roller hat sechs Jahre als Seelsorger in Westafrika gewirkt. Dort war er für eine deutschsprachige Gemeinde zuständig. Von Stefan Gilsbach

Die Stadt Kamp-Lintfort hat rund 38 000 Einwohner. Christoph Roller war in den vergangenen Jahren eine andere Größenordnung gewohnt. Er war evangelischer Pfarrer in Lagos, der größten Stadt Nigerias, und deren Bevölkerung wird auf zehn Millionen Menschen geschätzt. In diesem Moloch war Roller Pfarrer für die deutschsprachige Gemeinde zuständig. Seine Frau, die Lehrerin Annette Bode, war mit ihm nach Afrika gegangen und fand dort auch die Gelegenheit, vor Ort zu unterrichten.

Eine Reihe von Andenken an diesen Kontinent hat der gebürtige Neusser bei sich daheim, eine Trommel beispielsweise. Doch wenn man ihn fragt, was das Wertvollste in dieser Zeit war, meint er: "Dass ich tolle Menschen kennenlernen durfte."

Afrika kannte Roller, der heute 60 Jahre alt ist, bereits von mehreren Reisen, er arbeitete im Gemeindedienst für Mission und Ökumene für die Kirchenkreise Moers, Dinslaken, Kleve und Wesel. Dann bot sich die Chance, für mehrere Jahre nach Afrika zu gehen.

"In meinem Alter lernt man exotische Sprachen nicht mehr so leicht, daher bin ich Pfarrer für die deutschsprachige Gemeinde geworden." Zu der gehören nicht nur Deutsche, Österreicher und Schweizer, sondern auch Nigerianer, die beispielsweise mit Deutschen verheiratet sind. Vor der Abreise musste der Pfarrer die so genannte Tropenuntersuchung durchlaufen. "Ich fuhr zu einem Institut in Tübingen und wurde durchgecheckt", berichtet er. Am Ende hieß es: "Tropentauglich".

Deutsche in Nigeria arbeiten oft für große Firmen, die dort Geschäfte machen oder sind Angestellte des Generalkonsulates. Wie in Deutschland kommt nur ein kleiner Prozentsatz zum Sonntagsgottesdienst, doch dort herrsche eine angenehme Atmosphäre, man bleibe anschließend noch zum Kaffee und tausche sich aus. Als Seelsorger war Roller bei Themen wie Einsamkeit, Entfremdung oder Alkoholismus gefragt, typische Probleme für Deutsche in Afrika, vor allem wenn die Familie nicht mit vor Ort ist.

Das ökumenische Gemeindezentrum "Christuskirche" liegt im Stadtteil "Beachland", also "Strandland", doch dieser Strand ist kein Tourismusziel, sondern von Industrieanlagen und einer Autobahn begrenzt, die eigentlich ein Riesenparkplatz sei, auf der Tanklastwagen in drei Reihen darauf warteten, eine Einfahrtserlaubnis zu erhalten.

Was die Verhältnisse in Nigeria angeht, versucht Roller nichts zu beschönigen: Die Armut ist groß, die Bildungschancen gering, Verwaltung und Politik sind korrupt. Im Norden treibt zudem die islamistische Terror-Miliz Boko Haram ihr Unwesen. Derzeit sieht der Pfarrer wenig Chancen für eine Besserung der Lage. Es gebe zwar einzelne Personen, die versuchten, etwas gegen Obdachlosigkeit und Armut zu tun, doch letztlich stützten solche Aktionen den Status quo, weil sie der Passivität der Regierung und Politik in die Hände spielten. "Man erlebt schon eine gewisse Desillusionierung", räumt er ein.

Lagos war der wichtigste Arbeitsort für Christoph Roller, doch einmal im Monat hielt er sich in Abuja auf, der Hauptstadt, die im Landesinneren liegt. Mit den Nigerianern selbst Kontakt zu schließen, sei anfangs nicht leicht. "Die Leute sind zunächst ruppig", sagt er. Dieses Misstrauen sei begreiflich in einer Gesellschaft, in der jeder sehen müsse, wo er bleibe und viele täglich ums Überleben kämpfen. "Man muss sich das Vertrauen der Menschen erst verdienen."

Kontakte aus den vergangenen sechs Jahren pflegt der Geistliche immer noch. Zurück in Deutschland, ist er nun mit zwei Aufgaben betraut worden. Für das Landeskirchenamt Düsseldorf bereitet er das Veranstaltungsjahr 2016 zur Reformationsdekade vor. Außerdem wird er am Fusionsprozess der evangelischen Gemeinden Repelen, Eick und Meerbeck mitarbeiten.

Theoretisch könnte Christoph Roller eines Tages wieder als Pfarrer nach Afrika gehen. "Ich habe die Nachuntersuchung in Tübingen machen lassen", sagt er und grinst. "Ich bin noch immer tropentauglich."

Quelle: RP
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