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Kamp-Lintfort
Amerikanist und Theatermann reden über Literatur

Kamp-Lintfort. Werner Muth und Rupert J. Seidl diskutieren zum VHS-Semesterauftakt über den Autor Jonathan Franzen.

Das neue Semester der Volkshochschule Moers- Kamp-Lintfort ist gestartet und lieferte gleich zum aktuellen Schwerpunktthema "Freiheit" eine überaus abwechslungsreiche Lesung. Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen und sein Roman "Freiheit" standen im Mittelpunkt. Der Ort der Begegnung: das VHS-Diesterweg-Forum in Kamp-Lintfort. Akteure: der ehemalige Schlosstheater-Intendant Rupert Seidl und der ehemalige VHS-Fachbereichsleiter und Amerikanist Werner Muth.

Heike Wrede, VHS-Fachbereichsleiterin Kunst und Kultur, gab zunächst einen kleinen Einblick zum Werk von Jonathan Franzen, der in seinem Roman drei Jahrzehnte amerikanischer Zeitgeschichte verarbeitet hat. Drei Familien und ihre Verflechtungen psychologischer und philosophischer Art stehen im Zentrum des Geschehens, das aktuell bis in die Präsidentenzeit Obamas reicht. Mehr als 700 Seiten laden ein, "Freiheit in einem Buch zu entdecken. Ein wirklicher Schinken", meint der Duisburger Werner Muth in Anbetracht des Umfangs.

Doch in ihrem Urteil sind sich Muth und Seidl einig. Das Buch von Franzen gehört zu den großen Werken der Gegenwart und "ist ein großartiger Roman mit der Chance zur Soap", so ihre Einschätzung. Verschiedene Passagen stellten Seidl und Muth vor, diskutierten über die verschiedenen Charakterzüge der ausgesuchten Hauptfiguren Walter und Patty Berglund und Richard Katz. "Es ist spannend, wie sich das fein gesponnene Beziehungsgeflecht entwickelt", erklärte Werner Muth. Die Lesung entwickelte sich zum Gespräch, zu einem lebendigen Austausch über einen großen amerikanischen Schriftsteller. Für Jonathan Franzen ist es mittlerweile das vierte Buch, das fünfte, "Unschuld", ist gerade erschienen. Franzen arbeitet gesellschaftspolitische Trends auf, sortiert die Politik Amerikas, immer vor dem jeweiligen Hintergrund wie beispielsweise den Terroranschlägen im September 2001. Der Wunsch nach Freiheit, als Lebensnerv der westlichen Kulturen, zeigt auch das mögliche Gegenstück: das Eingebundensein in Liebe und Ehe, Freundschaft und Sexualität. Seidl: "Der Leser, der Freiheit entdecken will, stellt fest, dass sich im Buch der Kreis zum Schluss schließt." Wer das mehrfach ausgezeichnete Buch mit über 700 Seiten zur Hand nimmt, taucht ein und lässt sich auch vor dem zeitgenössischen Rahmen Amerikas auf eine Form der Selbstreinigung ein. Heike Wrede zum therapeutischen Werk: "Ich kann verstehen, dass Menschen nach der Lektüre behaupten, sie seien gerade aus der Reha entlassen."

Jonathan Franzen: Freiheit, 733 Seiten, Rowohlt Verlag, ISBN 978-3-498-02129-0, Preis 24,95 Euro

(sabi)
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