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Kamp-Lintfort
"An dem Büdchen hängt mein Herz"

Kamp-Lintfort: "An dem Büdchen hängt mein Herz"
Seit 15 Jahren steht Andrea Köhler-Macal in der "Bunten Ecke" hinter dem Tresen. Elf Jahre war sie angestellt. 2012 übernahm sie die begehbare Trinkhalle, die an der Ecke von Moerser Straße und Grenzstraße liegt. FOTO: kdi
Kamp-Lintfort. Andrea Köhler-Macal übernahm vor vier Jahre die Trinkhalle "Bunte Ecke" an der Ecke von Moerser- und Grenzstraße. Sie beteiligt sich am Samstag am "Tag der Trinkhalle". Die Inhaberin des Büdchens kennt fast alle Kunden persönlich. Von Peter Gottschlich

"Morgen Andrea, ich hab' ein Einschreiben", sagt Heinz-Walter Prott. - "Wie geht's, Walter?" will Andrea Köhler-Macal wissen. - "Langweilig, seitdem ich meine Krankheiten habe und fast nichts mehr machen kann", bekommt sie zur Antwort. Sie wiegt den Brief. "Sonst noch etwas?", fragt sie. - "Heute nicht", hört sie. "Bis die Tage" - "Bis die Tage", verabschiedet sich Heinz-Walter Prott.

Der frühere FBG-Fraktionsvorsitzende ist einer der Stammkunden der "Bunten Ecke". "Ich habe sie nie gezählt", erzählt Andrea Köhler-Macal. "Ich denke, drei Viertel sind Stammkunden. Ich duze sie fast alle und kenne sie persönlich. Ich weiß, welche Wehwehchen sie haben." Auch weiß sie, welche Wünsche die Stammkunden haben, ob sie gerne eisgekühlte Coca-Cola kaufen, eine große Schachtel Marlboro oder eine Wochenzeitschrift. "Ich merke mir es, wenn jemand zweimal das Gleiche bestellt", berichtet die Inhaberin der Bunten Ecke. "Wenn sie zweimal ein halbes Pfund Butter haben wollen, nehme ich auch Butter ins Programm auf, obwohl wir sonst nur haltbare Lebensmittel führen."

Seit 15 Jahren steht sie in der "Bunten Ecke" hinter dem Tresen. Elf Jahre war sie angestellt. 2012 übernahm sie die begehbare Trinkhalle, die an der Ecke von Moerser Straße und Grenzstraße liegt. "Vorher war Monika Daufer Inhaberin und ich war angestellt", erzählt die gelernte Einzelhandelskauffrau. "Sie war Erzieherin und ist in ihren alten Beruf zurückgekehrt. Dann stand ich vor der Entscheidung, die Trinkhalle zu übernehmen."

Sie wagte den Sprung in die Selbstständigkeit. "Man muss selbst und ständig arbeiten", lacht die Tochter des verstorbenen Hoppeditzes Arno Köhler. "Es muss Spaß machen. An der Bude hängt mein Herz. Das große Geld verdienen kann ich damit nicht." Sie arbeitet unter der Woche von 5.30 bis 14 Uhr in der Trinkhalle, am Samstag erst ab 7 und am Sonntag ab 10 Uhr. Nachmittags stehen Angestellte bis 21 Uhr hinter dem Tresen.

"Wir haben einen Vorteil gegenüber Supermärkten, weil wir unter der Woche schon um 5.30 Uhr öffnen", sagt die Inhaberin. "Da kommen viele, die noch etwas für die Frühschicht brauchen, oder die von der Nachtschicht kommen. Außerdem haben wir sonntags ab 10 Uhr geöffnet." Den Vorteil, abends länger geöffnet zu haben, haben Trinkhalle nicht mehr, seitdem Supermärkte ihre Öffnungszeiten bis 21 und 22 Uhr ausweiteten.

Außerdem nahm deren Anzahl in den Nullerjahren leicht zu. Zudem bauten die Tankstellen ihr Angebot aus. So ging die Anzahl der Trinkhallen zurück. "Als ich Kind war, gab es an fast jeder Ecke eine Trinkhalle", blickt die 48-jährige Kamp-Lintforterin zurück. "Heute sind es vielleicht noch zehn." Für sie haben diese Trinkhallen eine Chance, besonders wenn sie etwas anbieten, das andere nicht anbieten, zum Beispiel die Paketannahme als Post-DHL-Partnerfiliale.

"Hier ist es nicht anonym", nennt die Inhaberin der Bunten Ecke den großen Vorteil zum Supermarkt. "Hier ist ein kurzes Pläuschchen drin, ein bisschen Menschlichkeit auf 30 Quadratmetern. Das kann sonst niemand bieten", meint sie. Weil sie für die Kultur der Trinkhallen werben will, beteiligt sie sich am "1. Tag der Trinkhallen" am 20. August.

Quelle: RP
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