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Kamp-Lintfort
Auch Hund "Sancho" mag Kammermusik

Kamp-Lintfort: Auch Hund "Sancho" mag Kammermusik
Zuerst hatte sich Maltesermischling "Sancho" erschrocken, als die Musik einsetzte. Doch später kam er wieder hinzu und lauschte aufmerksam. Das taten auch die interessierten menschlichen Zuhörer bei der offenen Probe, in der das Oktett des Rumänen Georges Enescu im Mittelpunkt stand. FOTO: Christoph Reichwein
Kamp-Lintfort. Pünktlich zur Rückkehr des Sommers lädt das Kammermusikfest Kloster Kamp ein zu Kammermusik auf höchstem Niveau. Markenzeichen sind die offenen Proben, in denen das Entstehen der Interpretationen verfolgt werden kann. Von Petra Riederer-Sitte

Wenn schon am frühen Sonntagmorgen aus der Alten Scheune am Kamper Berg Streicherklänge zu hören sind, ist wieder Festivalzeit im Klingenden Kloster. Ein knappes Dutzend Zuhörer hat sich versammelt, viele treffen sich seit Jahren jeden Sommer, um gemeinsam die Proben und Konzerte des Kammermusikfestes zu erleben. Mitten in dem Trubel sitzt der spanische Geiger Alberto Menchen, konzentriert vertieft in seine Noten.

"Georges Enescu, Streichoktett" raunt ein Besucher sichtlich beeindruckt, "ein sehr anspruchsvolles Stück!" Sein Nachbar nickt zustimmend. Interessiert beobachten die beiden, wie nach und nach die restlichen Oktettmitglieder eintrudeln: die Geiger Boris Garlitstky, Jan Talich und Roman Patocka, die Bratscher Alexander Zemtsov sowie die Cellisten Alexander Hülshoff und Katharina Apel, die als Künstlerische Leiter das Kammermusikfest Kloster Kamp vor zwölf Jahren ins Leben gerufen haben.

Zwischen den Notenständern wuselt Menchens kleiner Maltesermischling Sancho hin und her und erkundet das Terrain. Der vierbeinige Spanier kennt sich aus, schließlich war er schon im vergangenen Jahr beim Kammermusikfest dabei und hat Festivalmaskottchen Gioia, einer bildhübschen Jack Russell-Hündin, Avancen gemacht.

Als in der Scheune die ersten Oktettklänge ertönen, schreckt Sancho auf, wirft einen kritischen Blick auf das Ensemble und verzieht sich nach draußen. Enescus Oktett, ein Geniestreich des 19-jährigen Komponisten, ist mit seiner komplexen kontrapunktischen Verflechtung der acht Stimmen eine gewaltige Herausforderung für die Interpreten und verlangt filigrane Probenarbeit.

Takt für Takt arbeiten sich die Musiker durch, blättern immer wieder in der Partitur, beraten im französisch-englisch-deutschen Sprachenmix, wie die thematischen und melodischen Elemente zu behandeln sind: "Excuse-moi, can we do twelve, die drei letzten nochmal?" Wieder und wieder werden schwierige Passagen gespielt, Triostellen analysiert, Akzente ausgelotet: "Dap-da-dap-di!"

Nach und nach nimmt das gewaltige Stück für die Zuhörer Gestalt an. Das findet auch Sancho, der sich nach kurzer Kontrolle mitten im Geschehen unter einem Stuhl zusammenrollt und aufmerksam lauscht. Während sich in der Alten Scheune das Oktett mit kontrapunktischen Kunstgriffen auseinandersetzt, feilt zeitgleich in der Aula der Hochschule Rhein-Waal das Trio mit der Geigerin Kamilla Schatz, dem Bratscher Alfredo Zamarra und dem Cellisten Christopher Franzius vor rund 20 Zuhörern an der perfekten Interpretation von Ludwig van Beethovens Serenade op. 8. Hier ein bisschen langsamer, dort einen Tick schneller, vielleicht eine kleine Verzögerung. "So, gell?", fragt Schatz, und das Publikum applaudiert zustimmend. Bis zu den Aufführungen bleiben den Musikern zwar nur wenige Tage, und die intensiven Proben sind anstrengend. Trotz der lockeren Atmosphäre steht das Kammermusikfest für ein hohes künstlerisches Niveau, das auch in diesem Jahr bestätigt werden soll.

Sechs der insgesamt sieben Konzerte sind bereits ausverkauft, lediglich für das Nachtkonzert in der Evangelischen Dorfkirche Baerl am Samstag (8. August, 22 Uhr) gibt es noch Restkarten bei den Direktverkaufsstellen (Geistliches und Kulturelles Zentrum Kloster Kamp, 02842 927540, Schuhhaus Seiltgen in Moers, 02841 23170 und Weyand Steinschenhof in Baerl, 02841 80681).

Bei den offenen Proben findet man immer einen Platz, den detaillierten Probenplan mit Uhrzeiten und Probeorten gibt es auf der Internetseite des Kammermusikfestes:

www.kammermusikfest-klosterkamp.de

Quelle: RP
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