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Kamp-Lintfort
Bei Hodey wird Inklusion gelebt

Kamp-Lintfort: Bei Hodey wird Inklusion gelebt
Peter Kamp, Leiter des Individualbereichs im Vitalcentrum, Martina Tück vom Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit, und Personalchef Gudrun Hodey in der Werkstatt des Vital-Centrums in Kamp-Lintfort. Peter Kamp arbeitet dort bereits seit 1980. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Die Arbeitssuche gestaltet sich noch heute für Menschen mit Behinderung schwierig. Die Agentur für Arbeit wirbt bei Arbeitgebern dafür, dem Vorbild des Vital-Centrums in Kamp-Lintfort zu folgen. Von Anja Katzke

Peter Kamp arbeitet seit 1980 im Vital-Centrum Hodey in Kamp-Lintfort. Gudrun Hodeys Vater bildete ihn damals zum Orthopädietechniker aus. Heute leitet der 54-Jährige den Individualbereich des Familienunternehmens an der Kruppstraße, das sich auf die Bereiche Rehabilitation, Orthopädie und Pflege spezialisiert hat. Und er ist einer von sieben Mitarbeitern mit Handicap. Das ist vorbildlich. Und deshalb nutzte die Agentur für Arbeit im Kreis Wesel die bundesweit laufende Woche der Menschen mit Behinderung gestern für einen Besuch in dem Unternehmen.

"Hodey beschäftigt rund 130 Mitarbeiter, mehr als fünf Prozent davon sind schwerbehindert", lobten Arbeitsvermittlerin Martina Tück und Stefan Schapfeld, Teamleiter des Bereichs Rehabilitation bei der Agentur für Arbeit, das Arbeitgeber-Engagement. Denn trotz guter Qualifikation und hoher Motivation gestaltet sich noch heute die Arbeitssuche für Menschen mit Behinderung schwierig. Im Kreis Wesel haben bislang 714 Arbeitgeber behinderte Arbeitnehmer eingestellt.

Die Beschäftigungsquote liegt trotz eines leichten Anstiegs im Weseler Kreisgebiet nur bei 4,4 Prozent. Von 2011 bis 2015 sei die Zahl der Beschäftigten mit Handicap von 3940 auf 4662 angestiegen. Dies sei zwar eine positive Entwicklung. "Es könnten aber gerne noch mehr sein", sagt Martina Tück. Zumal es sich um gut ausgebildete und hochmotivierte Fachkräfte handele, die im Handwerk derzeit händeringend gesucht würden. Stattdessen sei die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten in den vergangenen Jahren zunächst stark angestiegen und stagniere jetzt. Aktuell suchen 1373 Menschen mit Behinderung eine Arbeit im Kreis Wesel. Das sind 28 Frauen und Männer mehr als im November 2016. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen beträgt 8,9 Prozent. Viele Arbeitgeber scheuten sich davor, behinderte Menschen einzustellen. "Weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt", weiß Martina Tück zu berichten. Vor allem auch, weil es einige organisatorische Hürden gebe, die Arbeitgeber überwinden müssten - beispielsweise Hilfen am Arbeitsplatz. "Was viele nicht wissen, ist, dass wir sie gerne unterstützen." Und dass auch finanzielle Fördertöpfe zur Verfügung stehen.

"Wir können nur appellieren, dass Arbeitgeber von dieser Möglichkeit Gebrauch machen", betont Stefan Schapfeld. "Wir beraten interessierte Arbeitgeber, welche Dienstleistungen und Programme wir zur Unterstützung bei der Einstellung von Menschen mit Behinderung bieten. Außerdem sind wir Ansprechpartner für Arbeitssuchende mit gesundheitlichen Einschränkungen. Hier ist es unser Ziel die insgesamt günstige Lage am Arbeitsmarkt intensiv zu nutzen, damit auch schwerbehinderte Menschen vermehrt daran teilhaben." Gudrun Hodey, Personalchef im Vital-Centrum an der Kruppstraße, kann nur Positives berichten. "Wir arbeiten ja mit Menschen zusammen, die auch unserem Kundenklientel entsprechen. Behinderungen sind uns nicht fremd", betont Ute Hodey.

"Es kommt auf die Qualifikation, die Motivation und die Fähigkeiten eines Bewerbers an. Darum sind wir auch offen für Mitarbeiter mit Behinderung." Bei Hodey lernen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Rahmen eines Praktikums besser kennen. So können beide Seiten feststellen, ob sie zueinander passen. "Wir lernen die Einschränkung kennen und können so das passende Arbeitsfeld im Unternehmen finden", sagt Gudrun Hodey. Und so hat auch Lisa Konrad im Vital-Centrum ihre Aufgabe gefunden. Die 25-Jährige, die eine Ausbildung beim Arzt absolviert hatte, arbeitet heute in der Distribution.

Ansprechpartnerin bei der Agentur für Arbeit ist Martina Tück. Sie ist unter 0281 9620357 telefonisch zu erreichen.

Quelle: RP
 
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