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Kamp-Lintfort
Bezahlbarer Wohnraum ist knapp

Kamp-Lintfort: Bezahlbarer Wohnraum ist knapp
Jürgen Voß, Geschäftsführer der Grafschafter Diakonie, SPD-Landtagsabgeordneter René Schneider, Elke Stüning, Leiterin der Dienststelle in Kamp-Lintfort, und Wohnungsberater Bodo Spinnraths tauschen sich über die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt aus. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. SPD-Landtagsabgeordneter René Schneider hat gestern zum Auftakt seiner neuen Sommertour die Wohnungshilfe der Grafschafter Diakonie in Kamp-Lintfort besucht und sich über den Wohnungsmarkt in der Region informiert. Von Anja Katzke

Der Wohnungsmarkt ist angespannt. Besonders Menschen, die die Miete nicht allein aufbringen können und Sozialleistungen beziehen, haben es schwer. Um sich über die Situation in Kamp-Lintfort zu informieren, hat sich der SPD-Landtagsabgeordneter René Schneider zum Auftakt seiner neuen Sommertour kompetente Gesprächspartner gesucht: Er traf sich gestern mit Elke Stüning, Leiterin der Kamp-Lintforter und Rheinberger Dienststellen der Grafschafter Diakonie - Diakonisches Werk im Kirchenkreis Moers, und dem Wohnungsberater Bodo Spinnraths.

Schneiders Sommertour steht unter dem Motto "Wo wir zu Hause sind." Stüning und Spinnraths verfügen über langjährige Erfahrung in der Begleitung von Menschen, die eine neue Wohnung suchen. Aktuell helfen sie den Bewohnern der Bunten Riesen in Kamp-Lintfort. Das Haus an der Markgrafenstraße ist bereits leergezogen, an der Wilhelmstraße 28 leben noch acht Mietparteien, insgesamt neun Frauen und Männer. Kamp-Lintfort habe sich, so Elke Stüning, in den vergangenen Jahren zu einem "begehrten Pflaster" entwickelt. Besonders in der Innenstadt sei es schwierig, Wohnungen zu finden.

"Wir sind aber guter Hoffnung, bis zum Ende des Jahres für alle Bewohner der Bunten Riesen ein neues Zuhause zu finden." Das liege vor allem am Kontakt, den die Wohnungshilfe zu Vermietern und dem Jobcenter hält. Und auch daran, dass die Einrichtung nicht zum ersten Mal mit der Stadt bei der Wohnungshilfe kooperiert. "Die Weißen Riesen waren das erste Projekt, bei dem wir öffentlich wahrgenommen wurden", erinnerte Stüning gestern. Tatsächlich sei man jedoch schon seit den 1980er Jahren in diesem Bereich tätig gewesen. Damals habe die Lintforter Dienststelle der Diakonie die Obdachlosen-Unterkünfte am Vinnmannsweg betreut.

Als eine gute Einrichtung bewertet Elke Stüning die Vermieterrunde, die man mit der Stadt initiiert habe. Dort sitzen private Vermieter und Wohnungsbaugesellschaften mit der Stadt und der Diakonie an einem Tisch. "So können wir in vielen Fällen schneller und kostengünstig nach Lösungen suchen." In Kamp-Lintfort fehlt es vor allem an sozial gefördertem Wohnraum. Für die geförderte Wohnbaumaßnahme, die die StadtKamp-Lintfort mit der Wohnungsbaugesellschaft Grafschaft Moers für das Tor Ost geplant hatte, sieht es nicht gut aus. "Nachdem der Kreis Wesel die Anteile der Stadt Moers an der Gesellschaft erworben hat, befürchte ich, dass dieses Vorhaben nicht umgesetzt kann und über die Klinge springen wird", erklärte René Schneider gestern auf RP-Nachfrage. Wie berichtet, wollte auch die Stadt Kamp-Lintfort die Moerser Anteile kaufen. Kamp-Lintfort zog sich jedoch zurück, nachdem die Stadt Moers ein Bieterverfahren eingeleitet hatte. "Der Kreis möchte gute Erträge machen und hat nicht den Anspruch, Stadtentwicklung zu betreiben", meinte der Sozialdemokrat gestern.

Ein großes Problem aus Sicht von Elke Stüning sind die steigenden Mietkosten, die nach energetischen Sanierung anfallen. Auch hier seien Menschen betroffen, die ihre Mieten nicht aus eigener Kraft aufbringen können. So übernimmt das Jobcenter im Rahmen des Gesetzes zwar Leistungen für die Unterkunft, zahlt aber nicht die Mieterhöhung, wenn sie den vorgegebenen Satz übersteigt. "Es handelt sich zuweilen um ein bis zwei Euro pro Quadratmeter. Die Ersparnisse bei den Nebenkosten werden nicht gegengerechnet", erläutert Elke Stüning. "Die Bewohner bekommen in diesen Fällen eine Umzugsaufforderung." Das sei zuletzt im Kamp-Lintforter Stadtteil Gestfeld der Fall gewesen. "Wir haben die Problemlage bereits im Kreis vorgestellt und plädieren dafür, dass künftig nicht mehr die Kalt-, sondern die Warmmiete zur Berechnungsgrundlage genommen wird." Die Diakonie will dazu im November einen Fachtag in Rheinberg durchführen.

Quelle: RP
 
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