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Kamp-Lintfort
Bildhauerin wirkt als kreative Mahnerin

Kamp-Lintfort: Bildhauerin wirkt als kreative Mahnerin
Baerbel Claus hält dem Betrachter ihrer Kunst den Spiegel vor. Das, was man darin sieht, spiegelt jedoch immer nur die eigene Realität und nicht das Dahinter. FOTO: Anja Katzke
Kamp-Lintfort. In der neuen Ausstellung im Gewölbekeller des Klosters Kamp geht es um "Weltsicht. Verantwortung und Schönheit". Unter diesem Titel präsentiert das Geistliche und Kulturelle Zentrum die Arbeiten der Bildhauerin Baerbel Claus. Von Anja Katzke

Baerbel Claus fordert zum Denken heraus: Die Objekte, Skulpturen und Installationen, die sie im Gewölbekeller des Klosters Kamp präsentiert, erschließen sich nicht mit einem flüchtigen Blick. Sie müssen umrundet und mit dem Auge gescannt werden, um die Botschaft zu erkennen. Baerbel Claus, freischaffende Künstlerin aus Xanten, ist eine kreative Mahnerin, die sich gesellschaftskritisch mit existenziellen Fragen beschäftigt, aber auch religiöse Themen aufgreift. Sie hält dem Betrachter den Spiegel vor. Was er darin sieht, spiegelt jedoch nur seine eigene Realität. Dahinter kann auch ein gramgebeugter Mensch sitzen, einer der in Armut lebt und von Krankheit ausgezerrt ist. "Der goldene Westen" hat sie die Installation genannt. Sie besteht aus einem goldgerahmten Spiegel, auf der Rückseite sitzt eine Skulptur mit hängenden Schultern. Dieses Davor und Dahinter ist charakteristisch für Baerbel Claus' Kunst. Sie arbeitet dreidimensional.

"Weltsicht. Verantwortung und Schönheit" ist der Titel der Ausstellung, die bis zum 19. Dezember auf Einladung des Geistlichen und Kulturellen Zentrums zu sehen ist. Die Kunstwerke, die sie im Gewölbekeller ausstellt, sind aus Holz, Bronze, Ton und vielen Fundstücken gebaute Metaphern. Die Bildhauerin hat 20 Jahre lang in Afrika gelebt, unter anderem in Namibia und Südafrika. Das Erleben von komplett anderen Kulturen, Religionen und Traditionen hat ihre Sicht auf die Welt und auf ihre Kunst geprägt. "Afrika bekommt man aus meinem System nicht mehr heraus", betont Baerbel Claus, die in Johannesburg studiert hatte. "Ich habe früh erkannt, wie wertvoll die afrikanische Kunst ist, wobei es sich ja um Handwerk handelt. Die Arbeiten sagen mit so wenigen Mitteln so viel aus", erklärt sie und sorgt sich um die Zukunft der Menschen und der Kunst. Im Gewölbekeller des Klosters hat sie einen Raum als ihre afrikanische Herzenskammer eingerichtet.

Bienensterben: Die Künstlerin ist kreative Mahnerin. FOTO: Anja Katzke

Es sind die drängenden gesellschaftlichen Themen, die die Bildhauerin zur künstlerischen Auseinandersetzung herausfordern - besonders Natur und Umwelt. Fragen, die sie sich stellt, sind: Wie ernähren wir uns und was macht den Menschen eigentlich aus? Eine Antwort gibt sie in einer Installation, die von zwei Birkenstämmen aus ihrem Garten gehalten wird. Vorne wächst Getreide, in der Mitte befindet sich eine fragile Glasscheibe, auf die mit abstrakten Strichen ein Mensch gezeichnet ist. Auch das Bienensterben hat sie zum Thema gemacht: Auf einer Holzkiste hat sie Bienenwaben drapiert, davor Äpfel aus Ton platziert. Wer ins Innere der Kiste blickt, entdeckt eine Flasche mit Unkrautvernichtungsmittel. "Hier geht es um unser Leben", sagt sie.

Die Bildhauerin aus Xanten greift auch religiöse Themen auf. Dabei orientiert sie sich unter anderem an Bibelstellen. Eine Büste zeigt zum Beispiel Abraham. Sie ist geteilt, so dass der Blick ins Innere frei wird. Dort, wo sich das Herz befindet, wächst eine Wurzel, aus der sich die Weltreligionen entwickeln. Sie sind mit blauen Steinen gekennzeichnet. Auch "Fake News" sind für sie ein Thema. "Es ist furchtbar, was Verleumdung und üble Nachrede aus einem Menschen machen." Umgesetzt hat sie dies in einer filigranen Bronzefigur in Fesseln.

Glaube: Auch eine schwarze Madonna kann Türen öffnen. FOTO: Anja Katzke

Die Ausstellung "Weltsicht" im Gewölbekeller des Klosters Kamp wird am morgigen Samstag, 21. Oktober, 15.30 Uhr, eröffnet und ist dort bis zum 19. Dezember zu sehen.

Quelle: RP
 
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