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Kamp-Lintfort
Bücherkiste schließt vor Weihnachten

Kamp-Lintfort: Bücherkiste schließt vor Weihnachten
Mitarbeiterin Christina Paulus mit Daniel (6), Sara (8), und Connor (7). Nur noch einen Monat lang können die Kinder noch die Bibliothek nutzen. FOTO: Dieker
Kamp-Lintfort. Nach 30 Jahren ist Schluss mit der Stadtteilbibliothek an der Grundschule am Niersenberg. Es fehlt ein Raum in Schulnähe. Das Büchereiteam sagt am Samstag des zweiten Advents mit einem Abschiedscafé Danke. Von Peter Gottschlich

Connor Deckers besucht einmal die Woche die Bücherkiste an der Grundschule am Niersenberg. "Ich bringe ein altes Buch zurück und hole ein neues", erzählt der siebenjährige Grundschüler der 2a. Besonders gerne leiht er sich Comic-Bild-Geschichten von Tom Gates aus. Manchmal liest er sie direkt vor Ort, wenn er sich in die Sitzecke der Bücherkiste zurückzieht, wie andere Kinder. In vier Wochen ist das Vergangenheit. Am Donnerstag vor Heiligabend, 21. Dezember, öffnet die Stadtteilbibliothek, die von der katholischen Pfarrgemeinde St. Josef getragen wird, zum letzten Mal.

Die Grundschule braucht den Pavillonanbau, in dessen linker Hälfte sich die Bücherkiste befindet, um dort eine Mensa einzurichten. Bislang hat die Schule nur einen Raum, in dem Essen zubereitet und verspeist wird, der nicht dem Standard einer Mensa entspricht. Deshalb will die Stadt 2018 in den beiden Räumen des Pavillons, die parallel zur Saalhoffer Straße liegen, Küche und Speiseraum errichten. Sie bietet der Bücherkiste an, zukünftig einen Raum im Souterrain der Hauptschule am Niersenberg zu nutzen, der seit Sommer leer steht, als diese Schule auslief. "Dieser ist aber gut 15 Quadratmeter kleiner als der bisherige Raum", sagt Christine Paulus vom ehrenamtlichen Büchereiteam der Bücherkiste. "Da könnte es zum Beispiel keine Kuschelecke mehr geben." Sie ist wie die meisten der 14 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen über Sohn und Tochter zum Team gestoßen. "Er hat sich durch die ganze Bücherkiste gelesen", erzählt sie.

Zur Größe, die heute knapp 70 Quadratmeter beträgt und am angebotenen Standort auf 52 sinken würde, kommt die Lage. "Hier können die Kinder über den Schulhof zur Bücherkiste laufen, um zu lesen oder sich ein Buch auszuleihen", erzählt Jutta Köpcke, Sprecherin des Teams. "Alles liegt im Bereich der Grundschule. Damit ist die Aufsichtspflicht gewahrt. Das ist an der Niersenberg-Hauptschule anders. Die Kinder dürften nicht alleine in einer Pause oder während des Offenen Ganztages zur einstigen Hauptschule gehen." Zurzeit hat die Stadtteilbücherei montags von 16 bis 17 Uhr, dienstags von 11.30 bis 13 Uhr sowie donnerstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Außerdem sehen die ehrenamtlichen Büchermitarbeiterinnen den Aufwand, die Geräte aus dem vorgeschlagenen Raum der Hauptschule zu holen, der einst für den Werkunterricht genutzt wurde, um diesen dann als kleine Bücherei herzurichten. "Wir hätten die Renovierung des Raumes in der Hauptschule zu bezahlen", sagt Jutta Köpcke. "Aufwand und Energie stehen in keinem Verhältnis zum Risiko. Es dürfte sehr schwierig sein, unsere Klientel, die Kinder, zum vorgeschlagenen Standort mitzunehmen."

So läuft die Bücherkiste aus, in der seit 1987 vor allem Grundschulkinder jährlich 4000 bis 5000 Bücher ausleihen. Das erscheint im Verhältnis zur Stadtbücherei mit 140.000 Ausleihen wenig, ist für die Anzahl der Grundschüler aber viel. Was mit den Büchern geschehen soll, ist noch nicht klar. Möglicherweise gehen sie an andere Büchereien. Zuvor lädt die Bücherkiste für 9. Dezember, den Samstag vor dem zweiten Advent, von 15 bis 17 Uhr zu einem Abschiedscafé ein, um aktiven und ehemaligen Lesern, Ehrenamtlichen sowie Niersenbruchern Danke zu sagen. "Mit der Bücherkiste geht für den Stadtteil etwas verloren", sagt Jutta Köpcke. "Das ist schade. Es gab hier ja auch Lesungen und einmal im Jahr, immer im November, eine Buchausstellung zusammen mit der Buchhandlung am Rathaus."

Quelle: RP
 
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