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Kamp-Lintfort
Bürger entscheiden Zechenturm-Zukunft

Kamp-Lintfort: Bürger entscheiden Zechenturm-Zukunft
SPD-Vorsitzender René Schneider (l.) und Bürgermeister Christoph Landscheidt wollen die Bürger in die Entscheidung mit einbeziehen. FOTO: K. Dieker
Kamp-Lintfort. Die SPD wird in der Sitzung des Stadtrates am Dienstag eine Bürgerbefragung beantragen. Die Kamp-Lintforter sollen entscheiden, ob Schacht I abgerissen oder erhalten wird. Der Termin soll am 24. September (Bundestagswahl) sein. Von Anja Katzke

Der Kamp-Lintforter Stadtrat wird sich am Dienstag in erster Lesung mit dem Entwurf des städtebaulichen Vertrags zwischen Stadt und RAG Montan Immobilien befassen: Darin geht es unter anderen um die Sanierung der Altlastverdachtsflächen auf der Zechenbrache an der Friedrich-Heinrich-Allee, die Herstellung von ökologischen Ausgleichsflächen und den Abriss der nicht denkmalgeschützten Gebäude. Außen vor bleibt vorerst jedoch der Förderturm Schacht I. Denn die Entscheidung, ihn dauerhaft in städtisches Eigentum zu nehmen, ist im Rathaus noch nicht gefallen. "Die finanziellen Risiken, die die Ertüchtigung und dauerhafte Erhaltung bergen, sind im Moment noch nicht abschätzbar. Wir haben dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse wir noch vor der Sommerpause erwarten", berichtet Bürgermeister Christoph Landscheidt gestern.

Diese Risiken wurden in der SPD-Fraktion in den vergangenen Tagen kontrovers diskutiert. Für die Herrichtung des Turms stehen bislang nur die Mittel zur Verfügung, die die RAG für den Abriss des Gebäudes zurückgestellt hatte und die Kamp-Lintfort erhalten würde, wenn die Stadt den Förderturm übernimmt. Sollten diese Mittel nicht ausreichen, um die Instandhaltungskosten dauerhaft abzusichern, sehen inzwischen Teile der SPD den Abriss von Schacht I aus wirtschaftlichen Gründen als sinnvoll an. Wie hoch die Rückstellung der RAG MI sind, dies konnte der Bürgermeister gestern bei einem Ortstermin nicht genau beziffern. "Die Mittel würden für die Ertüchtigung des Turms bis zur Landesgartenschau 2020 ausreichen", sagte Landscheidt. Sie reichen aber offenbar nicht aus, um den langfristigen Unterhalt zu sichern oder einen späteren Abriss des Turms zu bezahlen.

Dass der Erhalt von Schacht I in Kamp-Lintfort ein mit Emotionen besetztes Thema ist, das wissen auch die Sozialdemokraten. "Vielen liegt der Förderturm am Herzen", weiß Fraktionsvorsitzender Jürgen Preuß. "Ich habe aber auch schon Großväter gesprochen, die meinten, dass wir die Kosten doch nicht ihren Enkel aufbürden könnten", fügt der Landtagsabgeordnete René Schneider, SPD-Stadtverbandsvorsitzender, hinzu. Auch gebe es Stimmen in der Stadt, die sich für den Abriss aussprächen, weil der Turm das Stadtbild dominiere und nach dem Rückbau der Bunten Riesen das höchste Gebäude in der Stadt wäre. Die Entscheidung will die SPD aber nicht allein mit dem Stadtrat treffen. Gerade weil das Thema so emotional besetzt sei, müsse die Entscheidung über das Vorgehen von einer breiten Mehrheit getroffen werden, findet die SPD. Deshalb beantragt sie am Dienstag, eine Bürgerbefragung durchzuführen. Diese soll mit der Bundestagswahl am 24. September verknüpft werden. "Dann sind die Kamp-Lintforter ohnehin an die Wahlurne gerufen und die Abstimmung über unseren Förderturm könnte so ohne hohe zusätzliche Kosten durchgeführt werden", so Schneider. An der formlosen Bürgerbefragung sollen aber auch die 16-/17-Jährigen beteiligt werden. Der städtebauliche Vertrag mit der RAG MI wird im Oktober geschlossen werden.

Quelle: RP
 
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