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Kamp-Lintfort
Caritas unterstützt die Kommunikation

Kamp-Lintfort: Caritas unterstützt die Kommunikation
Andreas Hundtke wohnt im Peter-Janßen-Haus und nutzt eine elektronische Kommunikationshilfe. So wird sein Leben ein wenig selbstständiger. Beim Bäcker bestellt er die Brötchen inzwischen selbst. FOTO: Marcus Koopmann
Kamp-Lintfort. Die Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein haben mit Unterstützung der "Aktion Mensch" ein beispielhaftes Projekt realisiert: Sie ermöglichen all ihren Bewohnern, an alltäglicher Kommunikation teilzunehmen. Von Anja Katzke

Andreas Hundtke ist gehörlos. Mit seinem Talker, einer elektrischen Kommunikationshilfe, kann er seinen Alltag ein wenig selbstständiger gestalten. Beim Bäcker bestellt er mit einer Berührung des Displays Brötchen oder mal einen Schokoriegel. Der Talker gibt dem Bewohner des Peter-Janßen-Hauses in Kamp-Lintfort eine elektronische Stimme, mit der er seine Wünsche artikulieren kann. Dass Erwachsene mit fehlender oder eingeschränkter Lautsprache diese Unterstützung erhalten, ist nicht immer selbstverständlich. Die so genannte unterstützende Kommunikation findet heute vor allem ab dem Vorschulbereich ihren Einsatz.

Die Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN) wollten dies aber nicht so akzeptieren und stießen ein Leuchtturmprojekt für die Region an: Damit sich Bewohner und Mitarbeiter richtig gut verstehen und verständigen können, setzten sie sich dafür ein, dass ihre Bewohner ebenso von der unterstützten Kommunikation profitieren. Als Partner holten sich CWWN das Zentrum für Unterstützte Kommunikation mit Sitz in Moers ins Boot, das ein Konzept dazu entwickelt hatte. Die "Aktion Mensch" förderte das Projekt mit insgesamt 250.000 Euro für drei Jahre. Der Eigenanteil der Caritas Wohn- und Werkstätten belief sich auf 30 Prozent.

1800 Menschen vorwiegend mit geistiger Behinderung betreuen die CWWN in der Region. "Vielfach in Kombination mit einer körperlichen Sinnesbeeinträchtigung", sagt Geschäftsführer Wolfram Teschner, warum man das Projekt angestoßen hat: "Wer nicht sprechen kann, hat trotzdem viel zu sagen. Deshalb haben wir uns gefragt, wie die Bewohner unserer Wohnstätten an Gesprächen partizipieren können." Die Implementierung der unterstützten Kommunikation habe Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit erfordert - insbesondere in Richtung der Kostenträger, berichtete Teschner. "Aber die Kooperation hat in der Region etwas bewirkt." In den vergangenen drei Jahren fanden auf Initiative von CWWN und des Zentrums für Unterstützte Kommunikation mehrere Kongresse und Workshops statt. Zum Ende des auf drei Jahre geförderten Projekts leben Bewohner und Mitarbeiter die neue Form der Kommunikation - in Form von Gebärdensprache und Hilfsmitteln wie zum Symbol gestützte Tafeln und elektronischen Kommunikationshilfen.

"Dabei mussten wir uns erstmal auf eine Sprache, ein Symbol einigen", berichten Barbara Giel und Andrea Liehs vom Zentrum für unterstützte Kommunikation. Mit den Bewohnern des Peter-Janßen-Hauses "sprechen" sie nun auf Basis des Metacom-Symbolsystem nach Annette Kitzinger. "Es handelt sich um eine Symbolsammlung." Es gibt Tafeln mit diesen Symbole, komplexe Bücher und eben elektronische Hilfen, auf denen sie aufgespielt sind.

"Diese sind mit einem Grundprogramm ausgestattet, aber auch individuell bespielbar", erläutern die Expertinnen. Auch nach Ende des Projektzeitraums wollen CWWN dieses wichtige Projekt fortführen. So gibt es in allen Häusern weiterhin Ansprechpartner und Multiplikatoren. "Wir haben einen Steuerkreis eingerichtet und halten dafür auch eine halbe Personalstelle weiter vor", betont der Geschäftsführer. Auch das Zentrum für unterstützte Kommunikation hat sich ein neues Ziel gesetzt: "Leichte Sprache" heißt das neue Projekt. Darin werden Texte so übersetzt, dass alle Menschen sie verstehen können. Dazu wurde auch eine Lesung konzipiert.

Quelle: RP
 
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