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Jürgen Preuß (wahlkreis Wesel I)
Der einzige SPD-Bewerber für Berlin

Jürgen Preuß (wahlkreis Wesel I): Der einzige SPD-Bewerber für Berlin
Seine drei Mitbewerber haben ihre Kandidatur zurückgezogen. Jürgen Preuß stellt sich jetzt allein der SPD-Delegiertenversammlung. FOTO: kdi
Dinslaken. Der Kamp-Lintforter SPD-Politiker Jürgen Preuß ist der einzige verbliebene Bewerber, der für die SPD im Wahlkreis Wesel I (Alpen, Hamminkeln, Hünxe, Kamp-Lintfort, Rheinberg, Schermbeck, Sonsbeck, Voerde, Wesel und Xanten) in den Bundestagswahlkampf ziehen will. Seine drei Konkurrenten haben ihre Kandidatur zurückgezogen.

Herr Preuß, jetzt wird es für Sie ja wohl ernst: Ihre Mitbewerber sind aus dem Rennen. Planen Sie schon ihren Bundestagswahlkampf?

Preuß Man sollte nicht jetzt schon das Fell des Bären verteilen. Die Delegiertenversammlung der SPD, die den Kandidaten im Wahlkreis Wesel I nominiert, findet am 3. November statt. Ich freue mich aber über die positive Resonanz, die ich bisher in den Ortsvereinen erhalten habe. Ich habe natürlich schon erste Gespräche geführt und Termine vereinbart. So richtig durchstarten werde ich aber erst, wenn ich auch das Votum der Delegiertenkonferenz habe.

Sind Sie schon nervös?

Preuß Wenn man seinen Hut in den Ring wirft, rechnet man sich natürlich Chancen aus. Nervös - vielleicht. Ich würde eher sagen, dass ich Respekt vor der Aufgabe habe. Es haben mir viele Genossen ihre Unterstützung zugesagt, so dass ich zuversichtlich bin. Ich werde jetzt einige Mitgliederversammlungen besuchen, damit alle mein Gesicht kennenlernen. Am 1. Oktober besuche ich zum Beispiel den Kreisvorstand der Jusos.

Sie haben mal gesagt, dass sie mit ganzem Herzen Kommunalpolitiker in Kamp-Lintfort sind. Was reizt sie jetzt an der Bundespolitik?

Preuß Es treten immer wieder Situationen auf, in denen Sie als Lokalpolitiker an Ihre Grenzen stoßen, weil sie nicht an den Entscheidungen rütteln können, die in Land und Bund getroffen werden. Nehmen Sie zum Beispiel die aktuelle Gemeindefinanzierung. Der Finanzminister erwirtschaftet einen Überschuss von 18 Milliarden Euro, aber in den Kommunen kommt davon kaum etwas an. Ich möchte künftig daran mitarbeiten, solche Barrieren zu durchstoßen. Es geht mir darum, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken - und zwar nicht nur zwischen Arm und Reich, sondern auch zwischen den staatlichen Ebenen. Das ist mir wichtig.

Wie gut kennen Sie Ihren Wahlkreis? Wie unterscheiden sich die anderen Städte von Kamp-Lintfort?

Preuß Durch meine Tätigkeit als Kreistagsmitglied habe ich schon einen größeren Überblick über die Problemlage im Kreis Wesel. Wesel führt zum Beispiel die Diskussion über den Kiesabbau ganz anders als Kamp-Lintfort. Während hier versucht wird, den Abbau zu beschränken und weniger Flächen auszuweisen, geht man in Wesel deutlich entspannter mit dem Thema um. Für Wesel und Hamminkeln steht auch die Betuwe-Linie im Fokus.

Was hat für Sie in Kamp-Lintfort zurzeit Priorität?

Preuß Wir müssen vernünftig und sauber den Deckel auf das Bergwerk West bekommen, damit dort ein neues Quartier entstehen kann. Die Anbindung an die Schiene hat genauso Priorität wie die Ausrichtung der Landesgartenschau in vier Jahren. Kamp-Lintfort ist darüber hinaus eine Zuzugsgemeinde. Das erkennt man auch daran, dass die Zahl der Menschen steigt, die sich für den Kauf eines Grundstücks entscheiden. Sie sollen sich bei uns wohlfühlen. Auch das ist auch eine Herausforderung an die Stadtgesellschaft.

In Kamp-Lintfort steht aufgrund der finanziellen Haushaltssituation die Erhöhung der Grundsteuer B an. Trägt die SPD das mit?

Preuß Wir stehen aufgrund der finanziellen Situation vor der Frage, ob wir städtische Leistungen kürzen oder doch den steinigen Weg einer Steuererhöhung gehen. Der Gürtel ist so eng geschnallt, enger geht es nicht mehr. Die SPD-Fraktion sieht keinen Bereich, auf den wir verzichten könnten. Die Grundsteuer-Erhöhung wird so hoch ausfallen, wie nötig ist, und so niedrig, wie es eben geht. Wir hoffen, dass wir im Stadtrat dafür Unterstützung finden.

Sie sind erst seit wenigen Monaten Fraktionsvorsitzender der SPD in Kamp-Lintfort. Würden Sie dieses Amt fortführen, wenn Sie das Mandat für Berlin ziehen?

Preuß Das würde wohl nicht gelingen. So ein bisschen wäre es auch schade, weil ich mir vorgenommen habe, als Fraktionsvorsitzender eigene Akzente zu setzen. In der Kommunalpolitik kann man viele Dinge positiv für eine Stadt bewegen. Aber das kann man auch als Abgeordneter für seinen Wahlkreis tun, indem man die kommunalen Themen nach Berlin transportiert.

ANJA KATZKE FÜHRTE DAS INTERVIEW

Quelle: RP
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