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Kamp-Lintfort
Der letzte Gottesdienst in der Kamp-Lintforter Barbarakirche

Kamp-Lintfort: Der letzte Gottesdienst in der Kamp-Lintforter Barbarakirche
In großer Zahl erschienen die Gläubigen zum Profanierungsgottesdienst in der Barbarakirche. FOTO: Olaf Ostermann
Kamp-Lintfort. Mit einer festlichen Profanierungsfeier endete am Samstag das über 50-jährige Bestehen des Gotteshauses als Kirche. Mit der Entweihung finden ab sofort keine Gottesdienste dort mehr statt. Stattdessen wird der sakrale Raum demnächst zum Kolumbarium umgebaut, der in den nächsten 15 Jahren bis zu 1000 Urnen Platz als Grabstätte bieten soll. Von Olaf Reifegerste

Der zweistündige Abschlussgottesdienst, den Weihbischof Wilfried Theising zusammen mit Pfarrer Karl Josef Rieger zelebrierte, war für viele Anwesenden mit Wehmut verbunden, hatten sie doch Taufen, Hochzeiten, Kommunionen oder auch Beerdigungen dort erlebt. "Die Schließung einer Kirche kommt der Beerdigung eines Menschen gleich", versuchte Theising die zahlreich erschienenen Gläubigen zu trösten. "Ein Gottesdienst soll den Menschen Trost spenden."

So hoffe er, dass ihm das auch in dieser schweren Stunde gelingen werde. Schließlich werde das Bauwerk an sich, anders als die 2009 abgerissene Pauluskirche, fügte Rieger hinzu, stehen bleiben und einer neuen Gemeindeverwendung zugeführt. "Für St. Barbara heißt es deshalb heute nicht nur Abschied nehmen, sondern auch den Blick in die Zukunft richten." Rieger wiederholte seine Aussage zum Kirchenvorstandsbeschluss von 2012: "Den Luxus so vieler Kirchen kann sich unsere Gemeinde mit ihren bescheidenen Finanzmitteln wirklich nicht leisten."

Diese Begründung teilten aber nicht alle beim anschließenden Beisammensein auf dem Kirchenvorplatz. "Ich verliere mit dem Ende der Kirche heute ein Stück seelische Heimat", beklagte sich eine Frau, die seit Jahren auf der Mittelstraße wohnt. Und ein Wohnungsnachbar von ihr, der im Geisbruch geboren und in der Barbarakirche einst getauft und später getraut wurde, fand den verwendeten Begriff "Luxus" in dem Zusammenhang eher unpassend, weil Kirche seines Erachtens nach Leben bedeutet und er auf beides nicht verzichten wolle.

Andere hingegen, zu denen auch eine junge Familie aus der Geisbruchstraße zählt, haben sich mit der neuen Situation arrangiert. Die vierköpfige Familie wollte gleich am Sonntag die Messe in der Pfarrkirche St. Josef aufsuchen. Aber auch an einem ökumenischen Gottesdienst wolle man mal teilnehmen. "Das Geschenk des Steins heute an unsere Gemeinde durch die evangelische Kirchenvertreterin als Symbol für die Auferstehung hat mich tief berührt", sagte die Mutter.

Im Bericht über die Barbarakirche am Samstag ist uns ein Fehler unterlaufen. Ein Urnenplatz im Kolumbarium wird, bei einer Liegezeit von 15 Jahren, 1800 und nicht 3000 Euro kosten.

Quelle: RP
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