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Kamp-Lintfort
Diakonie hat die Not der Kinder im Blick

Kamp-Lintfort. Elke Stüning hat nach der Elternzeit wieder die Leitung der Diakonie in Kamp-Lintfort übernommen.

Der Elternzeit hat Elke Stüning verändert. Seitdem die 40-jährige Mutter von Zwillingen ist, die gerade drei Jahre alt geworden sind, hat sie einen neuen Blick auf die Kinderarmut in Deutschland. "Jedes vierte Kind wächst in Familien auf, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind, zum Beispiel Arbeitslosengeld I, Wohngeld oder Arbeitslosengeld II.", sagt die Leiterin der Diakonie in Kamp-Lintforter. "Kinderarmut ist ein Armutszeugnis für die Gesellschaft. In so einem reichen Land wie Deutschland dürfte es keine Kinderarmut geben."

Mit der Realität ist sie fast jeden Tag konfrontiert, seitdem sie am 1. Januar dieses Jahres wieder die Leitung der Diakonie in Kamp-Lintfort von Ingo Fritsch übernahm, der nach Rheinberg wechselte, um dort Leiter der Diakonie zu werden.

"In Nordrhein-Westfalen liegt die Kinderarmut höher als in den meisten anderen Bundesländern", analysiert die Kamp-Lintforterin die Zahlen, die bereits vor ihrer Elternzeit die Diakonie leitete. "Besonders im Ruhrgebiet ist die Kinderarmut hoch, beispielsweise in Duisburg. Nur etwas besser sieht es in Kamp-Lintfort aus." Dabei gebe es zahlreiche Hilfsangebote. "Zum Beispiel bieten wir an der Ernst-Reuter-Schule an der Sudermannstraße und an der Janusz-Korczak-Schule an der Friedrich-Heinrich-Allee ein kostenloses Frühstück für die Kinder an", erzählt die gebürtige Siebenbürgerin, die in Stuttgart ihre Kindheit verbrachte. "Dieses Angebot ist durch Spenden finanziert. Die Lehrer sagen, die Kinder seien konzentrierter, wenn sie morgens etwas gegessen hätten. Außerdem könnten sie in den Pausen ihr Frühstücksbrot essen, ohne schlechtes Gewissen zu haben, weil die Kinder noch nichts zu essen hatten."

Zum Teil stellt die Diakonie Kontakte her, damit die Kinder sich Dinge leisten können, die für Klassenkameraden selbstverständlich sind. "Zum Beispiel steuert der Verein Klartext Geld bei, um Sportschuhe zu kaufen", sagt Elke Stüning. "Außerdem gibt es für bestimmte Dinge Zuschüsse von der Stadt."

Für eine optimale Lösung hält sie das System nicht. "Die Kinder sind stigmatisiert, wenn sie besondere Leistungen erhalten", sagt die Diplom-Sozialpädagogin. "Besser wäre es, wenn alle Kinder die Leistungen kostenlos erhalten würden, beispielsweise das Frühstück oder die Hefte für die Schule. Auch wenn es nicht einfach ist, ist das heutige System zu verändern."

Die Diakonie hat 44 Mitarbeiter in Kamp-Lintfort. Ihre Zentrale liegt an der Konradstraße 86. Erreichbar ist sie unter Telefon 02842 928420.

(got)
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