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Kamp-Lintfort
Dorfcafé: Probeliegen auf dem Friedhof

Kamp-Lintfort. Krefelder Truppe erstaunte Besucher mit witzigen Improvisationen. Von Jutta Langhoff

Ein Ehepaar, das sich zum Probeliegen auf dem Friedhof traf, ein Glatzkopf, der sich die Haare schneiden ließ, ein Zeitungsdieb im Auftrag Gottes und zwei Frauen, die sich beim Schmücken des Dorfchristbaums in die Haare geraten. All das und noch andere skurrile Dinge ereigneten sich jetzt im Hoerstgener Dorfcafé. Wo sich die Hoerstgener sonst einmal pro Woche zu Kaffee und Kuchen treffen, gab es diesmal Theater. Genauer gesagt, Improvisationstheater.

Vor gut 60 Zuschauern gastierte dort an diesem Abend das Krefelder Bühnentrio "Improfrittiert", zusammen mit einem Gastmusiker und verwandelte damit das Café knapp zwei Stunden lang in eine fröhlich spontane Kulturstätte. "Schön, dass Sie so zahlreich gekommen sind", freute sich Silvia Westenfelder, neben Bernadette Wetzler und Marcus Fischer eine der drei "Improfrittierer". "Mal sehen, wie Sie drauf sind. Rufen Sie zum Auftakt doch einfach mal alle ganz laut den Namen ihres Sitznachbarn in den Raum!" Das klappte gut. "Wunderbar, dann können wir ja anfangen. Das hier ist Marcus", stellte sie ihren Kollegen vor. Wie soll er in seinem ersten Sketch heißen?" Nach mehreren Zurufen einigte man sich auf "Egon Balthasar". "Jetzt brauchen wir noch einen Ort." Diesmal machte der Vorschlag "Friedhof" das Rennen. "Schön, hier also unser erster Sketch", kündigte Silvia Westenfelder an: "Egon Balthasar auf dem Hoerstgener Friedhof. Fünf, vier, drei, zwei, eins, los!" Nachdem Marcus Fischer und seine Kollegin Bernadette Wetzler aus den beiden Vorgaben zuerst ein Probeliegen, anschließend auf Wunsch des Publikums einen Krimi, dann einen jazzigen Song und schließlich ein Gedicht gemacht hatten, ging es mit jedem weiteren Countdown in eine neue, originelle Improvisationsrunde.

Mal machten die drei aus einigen vom Publikum vorgeschlagenen örtlichen Geschäften und Fachbetrieben einen witzigen Einkaufbummel, ein anderes Mal besangen sie in verschiedenen Musikstilen den vor allem im Hoerstgener Neubauviertel hin und wieder vorkommenden Zeitungsklau, oder hielten mit zwei Zuschauern gemeinsam einen Vortrag über archäologische Ausgrabungen am Kloster Kamp, in dem jeder reihum immer nur ein Wort sagen durfte. Der witzige Höhepunkt des Abends war jedoch eine von Silvia Westenfelder aus den vier zugerufenen Begriffen "Kugelschreiber", "Fernsehturm", "Zwangsläufigkeit" und "Glockengeläut" erzählte Geschichte, die ihre Kollegin Wetzler nicht mithören durfte, dann aber nach einer pantomimischen Darstellung von Marcus Fischer nacherzählen sollte. Das klappte natürlich nicht. So wurde sehr zur Freude des Publikums aus einem zwanghaften Kirchenbesuch mit Glockengeläut und Kindheitserinnerungen an den Stuttgarter Fernsehturm eine originelle Zoo-Inventur mit Würmern, Erdmännchen und Lemmingen.

Das Hoerstgener Dorfcafé entstand vor vier Jahren im Rahmen eines Stadtteilbelebungsprojektes als Café von Bürgern für Bürger. Es befindet sich im Gemeindehaus der örtlichen Freien evangelischen Kirchengemeinde Hoerstgen an der Hoerstgener Straße/Ecke Dorfstraße und bietet seinen Gästen einmal wöchentlich freitags von 14.30 bis 18.30 Uhr zu Kaffee und selbst gebackenem Kuchen nachbarschaftliche Geselligkeit. Daneben finden dort dreimal jährlich verschiedene kulturelle Veranstaltungen statt. Bei der nächsten Veranstaltung am 20. Juni erwartet die Besucher um 20 Uhr unter dem Titel "Hüsch und Jazz" das Niederrheinische Jazz-Ensemble.

Quelle: RP
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