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Kamp-Lintfort
Ebertschüler bestehen die Feuerprobe

Kamp-Lintfort: Ebertschüler bestehen die Feuerprobe
"Es wird nicht wehtun, aber es wird ein bisschen warm": Zirkuspädagoge Hendrik Heubach mit einer Schülerin in der Manege. FOTO: Reichwein
Kamp-Lintfort. Mädchen und Jungen der Ebertschule trainieren in dieser Woche für eine Zirkusvorstellung. Gestern zeigte ihnen Zirkuspädagoge Hendrik Heubach einige Tricks mit Flammen - eine Lektion in Mut, Zuversicht und Vertrauen. Von Josef Pogorzalek

Das Feuerzeug klickt ein, zwei, drei Mal, dann steht die Fackel in Flammen. "Wir machen die Feuerprobe", kündigt Zirkuspädagoge Hendrik Heubach an. Um ihn herum, in der Manege des Kölner Spielecircus, sitzen Zweitklässler der Ebertschule auf dem Boden. Nacheinander stehen sie auf und strecken einen Arm aus. Heubach führt die Flamme über den Arm, erst ziemlich hoch, dann etwas niedriger, dann - "Stufe drei" für die ganz Verwegenen - verdammt nah an der Haut. Kinderköpfe weichen zurück, Augen werden zu Schlitzen. "Das wird ein bisschen heiß", sagt ein Mädchen. Geschafft! Die Mitschüler jubeln und klatschen.

Eine Woche lang ist der Spielecircus an der Grundschule, und statt Deutsch und Rechnen stehen Seiltanz, Jonglage oder auch Clownerie auf dem Stundenplan. Zwei Tage lang testen sich die 335 Mädchen und Jungen in verschiedenen Zirkusdisziplinen. Dann geht's ins eigentliche Training für drei Vorstellungen am Samstag. Noch sind die Ebertschüler auf der Suche nach ihren Zirkustalenten. Im Schulgebäude herrscht ein Gewimmel wie im Hornissenbau. In den Klassenräumen und auf den Fluren balancieren Kinder auf rollenden Tonnen, lassen Diabolos kreiseln, türmen menschliche Pyramiden auf. Nach einer Schulstunde ist Wechsel: Aus Fakiren werden Akrobaten, aus Tänzern Jongleure und so weiter. Die Anleitung übernehmen Lehrer, Integrationshelfer und andere Kräfte, die bei den Zirkusleuten eine fünfstündige Fortbildung absolviert haben.

In der Manege ist die Stimmung inzwischen auf dem Siedepunkt. "Lara, Lara!", brüllen die Kinder im Chor und, ja, feuern eine Mitschülerin an. Heubach hat eine Fackel mit Isopropanol getränkt, zündet sie aber nicht an, sondern lässt die Kinder mit zwei Fingern daran tupfen. Dann führt er ganz schnell eine Flamme an die Finger, die für einen Sekundenbruchteil "brennen". Nur ganz wenige Kinder trauen sich nicht mitzumachen. "Wer nicht will, braucht nicht, und wird nicht ausgelacht", hat Heubach den Schülern vorher eingeschärft. "Das ist völlig in Ordnung." Und: "Auf keinen Fall zu Hause nachmachen - nur unter professioneller Anleitung." Denn: "Wir spielen nicht mit Feuer. Wir machen Tricks, und das bedeutet, ganz genau zu wissen, was man tut."

Seit über 30 Jahren ist der Kölner Spielecircus mit pädagogischen Projekten unterwegs. An der Ebertschule war er vor zwei Jahren zum ersten Mal, und ist so gut angekommen, dass er auch künftig regelmäßig engagiert werden soll. "Wir werden aber die Abstände größer halten, vielleicht alle vier Jahre", sagt Schulleiterin Ursula Harnisch. Der Zirkus ist nicht ganz billig. Die Schule hat einiges aus eigenen Aktionen angespart. "Wir haben aber auch großzügige Spenden der Stadtwerke und der Sparkasse Duisburg bekommen", sagt die Schulleiterin.

In der Manege neigt sich die Feuerprobe zu Ende. Hendrik Heubach schaltet Musik ein, hält zwei brennende Fackeln über den Manegenboden. Alle dürfen nacheinander drüber hüpfen - aber nicht irgendwie, sondern im sogenannten Schrittsprung. "Ihr habt jetzt bis 11.15 Uhr Hofpause", heißt es anschließend für die Mädchen und Jungen. Die feuererprobten Gemüter abkühlen, soweit das bei 30 Grad möglich ist.

Die Schlussaufführung im Zirkuszelt auf dem Schulhof (Auguststraße 109) findet am Samstag, 24. Juni, um 12, 14 und 16 Uhr statt. Die Schulkinder bekommen je zwei Karten für ihre Angehörigen, sonst kostet der Eintritt 2,50 Euro.

Quelle: RP
 
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