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Kamp-Lintfort
Ein Abschied in Sorge um die Schule

Kamp-Lintfort: Ein Abschied in Sorge um die Schule
Angelika Hülswitt war seit 2004 Rektorin der Ebertschule in Kamp-Lintfort. Zuvor leitete sie 14 Jahre die Budberger Grundschule. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Angelika Hülswitt geht nach 40 Jahren im Schuldienst in den Ruhestand. Sie leitete zwölf Jahre lang die Ebertschule. Von Anja Katzke

Der letzte Schultag bricht für sie erst in ein paar Tagen an: Angelika Hülswitt bereitet zurzeit noch das nächste Schuljahr vor, bevor sie nach 40 Jahren im Schuldienst in den Ruhestand geht. "Es soll reibungslos beginnen können", sagt die Rektorin der Ebertschule in Kamp-Lintfort. Ein Nachfolger, der nach den Sommerferien die Leitung der Grundschule übernimmt, ist noch nicht gefunden. Und die Kollegen im Stich zu lassen, das ist nicht die Sache der engagierten Schulleiterin. "Die letzte Woche vor den Ferien war für mich schon emotional schwierig", erzählt sie gerührt. "Es kamen immer wieder Eltern, die sich persönlich verabschieden wollten." Viele waren selbst Schüler von Angelika Hülswitt, die 1977 direkt nach dem Referendariat ihre erste Lehrerstelle an der Ebertschule angetreten war. "Die Elternschaft hat mir zum Abschied eine Torte mit meinem Konterfei geschenkt."

Was die Zukunft der Grundschule, die in der Altsiedlung liegt, betrifft, geht sie aber mit Sorge in den Ruhestand: "Die Sichtweise der Politik auf die Kinder hat sich verändert", hat sie festgestellt. "Seit Einführung der Inklusion gehen mehr und mehr Ressourcen, die notwendig sind, an den Schulen verloren. Es fehlen Lehrer, die Förderschullehrer werden abgezogen, und der Verwaltungsaufwand wird auf Kosten der Kinder immer größer", kritisiert Hülswitt die aktuelle Schulpolitik in Nordrhein-Westfalen. Und das sagt sie, obwohl die Ebertschule seit 1990 Integrationsschule ist, eine Schule, in der neben Regelschulkindern auch Schüler mit Benachteiligungen unterrichtet werden. "Als Integrationsschule waren wir ja auch gut", betont sie. "Heute kämpfen wir darum, dass die Kinder Integrationshilfen erhalten, damit sie auch am offenen Ganztag teilnehmen können." Es müsse mehr in die Schulen investiert werden, sagt sie, anstatt an allen Ecken und Enden zu sparen. Die Probleme müssten schließlich in der Schule gelöst werden. Bereut, in den Lehrerberuf gegangen zu sein, hat Angelika Hülswitt nicht. Bis 1990 war sie als Lehrerin an der Ebertschule tätig, dann wechselte sie als Rektorin nach Budberg. 14 Jahre später kehrte sie an die Kamp-Lintforter Ebertschule als Rektorin zurück. "Gunhild Sartingen, meine Vorgängerin, hatte sich dafür stark gemacht", erinnert sich Hülswitt. "Es war ein Heimspiel für mich." Sie habe sich in Budberg zwar sehr wohl gefühlt, doch ihr Herz habe immer an der Ebertschule gehangen. "Ich konnte hier so viel umsetzen. Und es gab ja nicht viel, als ich 2004 zurückkehrte: keinen Spielplatz, zu enge Klassenräume und, und, und."

Angelika Hülswitt war gefordert, aus dem Wenigen viel zu machen. Und das tat sie auch. Sie setzte sich dafür ein, dass die Grundschule vom Keller bis zum Dach erneuert wurde. Es wurden Leseräume eingerichtet, ein Raum für die Ergotherapie, neues Mobiliar angeschafft, und der offene Ganztag ausgeweitet, unter anderem mit dem Neubau einer Mensa. "Die äußeren Umstände konnte ich richten, die inneren hängen von den politischen Entscheidungen ab", betont sie. Berührt hat sie das Engagement der Eltern, die ihre Arbeitskraft in den Dienst der Schule gestellt hätten. "Das ist die Altsiedlung. Hier halten die Menschen zusammen."

Der Ruhestand beginnt für sie mit einer Urlaubsreise nach Bayern. "Ansonsten habe ich mir nichts vorgenommen. Ich möchte in meiner Freizeit nicht von einem Termin zum nächsten hetzen. Das habe ich in den vergangenen 40 Jahren gemacht", erzählt sie schmunzelnd. Treu bleibt sie dem Förderverein der Ebertschule und der Initiative Integration, in der sie schon seit 1999 Mitglied ist. "Da möchte ich gerne wissen, wie es weiter geht", sagt die Kamp-Lintforterin.

Quelle: RP
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