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Kamp-Lintfort/Rheinberg
Ein Bollerwagen voller Kunst im Ladenlokal

Kamp-Lintfort/Rheinberg: Ein Bollerwagen voller Kunst im Ladenlokal
Aloys Cremer hat es sich mit Kaffee und Kunst in einem leerstehenden Ladenlokal an der Moerser Straße gemütlich gemacht. FOTO: Arnulf Stoffel
Kamp-Lintfort/Rheinberg. Künstler Aloys Cremers hat einen Bollerwagen in einem Geschäft platziert, um auf seine Aktion "FlowerKultourJa - On the Road nach Frankfurt" zur Buchmesse aufmerksam zu machen. Von Peter Gottschlich

Ein Bollerwagen ist das Markenzeichen von Aloys Cremers. Der 66-jährige Rheinberger war in diesem Jahr damit am gesamten unteren Niederrhein unterwegs, von Geldern bis Orsoy, von Rheinberg bis Nierswalde. Außerdem reiste der Aktionskünstler damit im Zug zur Frankfurter Buchmesse, um dort am Stand der Ehrengäste Flandern und Niederlande mit Besuchern über seine deutsch-niederländische Grenz-Spraak ins Gespräch zu kommen. Jetzt hat er die Kunstaktion "FlowerKultourJa - On the Road nach Frankfurt" kurzzeitig zum Stillstand gebracht. Anfang der Woche stellte er in einem leerstehenden Ladenlokal an der Moerser Straße in Kamp-Lintfort seinen Bollerwagen ab, der auf die Aktion in der Mainmetropole aufmerksam macht.

"Ich verstehe mich als Bewegungskünstler", erzählt der gebürtige Nimwegener, der nach seiner Ausbildung an der Kunstakademie in Arnheim schon in mehreren Städten am Niederrhein zu Hause war. Auf ihn geht beispielsweise der Kunstmarkt Klein Montmartre in Xanten zurück. "Ich bewege die Region. Mein Ziel ist es immer gewesen, Brücken zu schlagen und Menschen zu bewegen." Es scheint, als kreise seine Kunst stärker um das Thema Bewegung, je älter er wird. Bis zum Februar 2015 hatte er noch einen festen Punkt: den "BUNTERKUHnst-Salon" in Rheinberg, der in der Nähe des Underberg-Palais an der Rheinstraße lag. Dort gab er Kurse und stellte seine Bilder zum Verkauf aus. Seitdem ist er immer öfter auf Achse, wie das Stück Treibholz, das er mit einem Koffergriff versehen hat und mit sich trägt. Mit der Malerei hat er weitgehend abgeschlossen, obwohl im Kamp-Lintforter Ladenlokal im Fußgängerbereich der Moerser Straße einige frühere Werke von ihm hängen. "Heute meinen alle, malen zu können, die über 50 sind", sagt er. "Ich kann malen, verweigere mich aber." Im Land der Dichter und Denker sieht er sich als "Unterwanderer der geistigen Stagnation" und als "verrückten Holländer", der durch seine "Ver-Rücktheit" Menschen bewegt, über sich selbst genauso nachzudenken wie über das Nichts. "Da sitzt ein Philosoph mit Bollerwagen", habe es auf der Frankfurter Buchmesse geheißen, erzählt er von seinem Gastspiel beim Ehrengast, der für ihn zu konventionell war. Menschen seien zu ihm gekommen, um mit ihm zu sprechen. "Ja, die Holländer, die sind so frei. In Holland geht das, hier nicht", hörte der Grenzgänger. Er antwortete: "Es macht mich traurig, wie die Deutschen sich unterschätzen. Wenn man andere freier glaubt, glaubt man sich selbst gefangen."

Seine Erlebnisse während der Buchmesse hat er in einer Broschüre "Frankfurt Visa Versa" zusammengefasst, die in kleiner Stückzahl gedruckt wird. Daraus trägt er am zweiten Adventsonntag, 4. Dezember, um 14 Uhr im Ladenlokal vor, das an der Moerser Straße 254 liegt. Bis Weihnachten verlässt der "Beweger" wieder diesen festen Punkt, der 64 Quadratmeter groß ist. Er hat diesen vom Eigentümer für einige Wochen erhalten, damit sich dort etwas bewegt und er besser vermietet werden kann.

Quelle: RP
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