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Kamp-Lintfort
Ein Kunstprojekt für alle Vorschulkinder

Kamp-Lintfort: Ein Kunstprojekt für alle Vorschulkinder
Die Mädchen und Jungen der Kita St. Marien haben mit Andrea Much Kohlegeister gebastelt. Die Künstlerin und Kunsttherapeutin hat vier verschiedene Kreativangebote zum Thema Bergbau für die Kindertageseinrichtungen in Kamp-Lintfort entwickelt. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Künstlerin und Kunsttherapeutin Andrea Much betreut ein vom Kulturbüro initiiertes Kunstprojekt für Vorschulkinder in Kamp-Lintfort. "Kinder, Kunst, Kohle" ist der Titel des Pilotprojekts, das die kulturelle Bildung fördern soll. Von Anja Katzke

In der Kita St. Marien basteln die Kinder fantasievolle Kohlegeister aus Ästen und Stoffresten. In anderen Einrichtungen geht es um den verschwunden Wald, um das Werkzeug des Bergmanns und um die Steinkohle selbst: Seit Februar betreut die Künstlerin und Kunsttherapeutin Andrea Much im Auftrag der Stadt das groß angelegte Kunstprojekt "Kinder, Kunst, Kohle", das sich an 300 Vorschulkinder in allen Kindertagesstätten richtet und sich dem Bergbau widmet. "Es geht darum, das Interesse der Kinder für die Geschichte der Stadt und für die Bergbautradition zu wecken", erläutert Andrea Much das Konzept des Projekts. Initiiert wurde es vom städtischen Kulturbüro mit dem Ziel, die kulturelle Bildung in Kindertageseinrichtungen zu fördern. Andrea Much, die seit 13 Jahren ein Kinderatelier in Kamp-Lintfort führt, ist für die kreative Umsetzung zuständig. Sie entwickelte vier verschiedene Projektangebote.

Gemeinsam mit den Kindern geht sie den Fragen auf den Grund, wie die Kohle entstanden ist, wie es untertage aussieht und welches Werkzeug der Bergmann zum Kohleabbau benötigt. Die Kreativität kommt dabei nicht zu kurz. "Wir arbeiten zum Beispiel mit Naturmaterialien wie Blättern, Rinden und Ästen und stellen selbst Kohlefarben her", berichtet die Künstlerin. Die Kinder basteln Figuren, zeichnen und malen zum Thema. Neben den kreativen Projekten gibt es begleitende Aktionen wie den Besuch des Lehrstollens am Bergwerk West und des Museums "Haus des Bergmanns". Die Kindertageseinrichtungen können außerdem die Sammlung des Geologischen Museums besichtigen, und die Stadtbücherei hat eine Medienkiste zusammengestellt.

"Bei meinem Besuch erweisen sich die Kinder meistens schon als kleine Experten in Sachen Kohle und Bergbau. Ich bin begeistert, wie viel sie schon wissen. Einige Einrichtungen sind schon voll im Kohlefieber, andere nutzen meinen Besuch als Einstieg ins Thema", sagt Andrea Much. Die 45-Jährige hat Kunsttherapie studiert. "Es war für mich schon im Studium klar, dass ich mit Kindern arbeiten möchte."

Ihre Diplom-Arbeit schrieb sie über die Kinderzeichnung. "Es ist spannend, wie Kinder mit nur drei bis vier Strichen die Welt zeichnen", sagt Andrea Much. Sich auf das Wesentliche zu reduzieren, beschäftigt sie auch in der eigenen künstlerischen Arbeit. Die Kinderzeichnung ist dazu die Inspirationsquelle. Ihr eigenes künstlerisches Wirken bezeichnet Andrea Much als experimentierfreudig. Sie arbeitet mit verschiedenen Materialien wie Acryl, Tusche und Wachs. So entstehen abstrakte Collagen, bunte Gebäudekulissen und farbenfrohe Gemälde.

"Ich lasse mich gerne im Arbeitsprozess überraschen und habe kein festes Thema im Kopf." Seit 13 Jahren gibt sie Kurse in ihrem Kinderatelier. Es sei keine Malschule, sagt sie, sondern eine Werkstatt, in der Kinder die Möglichkeit haben, in einer wertschätzenden Atmosphäre kreativ zu arbeiten - ohne Leistungsdruck. "Der Entstehungsprozess des Bildes und die damit verbundene Erfahrung sind mindestens so wichtig wie das Bild selbst", erläutert Much ihr Konzept.

Mit dem "Kinderatelier unterwegs" führt sie Kunstprojekte in Kindergärten und Grundschulen durch. Und so entstand auch die Zusammenarbeit mit der Stadt im aktuellen Projekt. "Petra Niemöller, die Leiterin des Kulturbüros, sprach mich an, wie man das Thema Bergbau kreativ umsetzen könnte." Andrea Much, die mit Anne Schary, Heike Wirtz und Barbara Ziebuhr die Künstler-Gruppe "Kunstraum" bildet, kam es für dieses Projekt gut zu pass, dass ihr Sohn sich für das Thema Bergbau interessierte. "Wir haben uns alle stillgelegten Zechen und Hüttenwerke angeschaut."

Die Kunstwerke der Kinder, die im Rahmen des Projekts "Kinder, Kunst, Kohle" entstehen, sollen in einer gemeinsamen Ausstellung aller Kindertageseinrichtungen am 24. September in der westlichen Orangerie im Terrassengarten des Klosters Kamp der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Quelle: RP
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