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Kamp-Lintfort
Ein Theaterspiel zwischen den Welten

Kamp-Lintfort. Schüler des Theaterkreises am Georg-Forster-Gymnasium zeigten das Stück "Hotel zu den zwei Welten". Heute Abend spielen sie es in der Stadthalle. Es geht um Glück und Unglück, Leben und Tod. Von Peter Gottschlich

Julien Portal, gespielt von Lukas Ewert, steigt aus einem mysteriösen Fahrstuhl aus. Der Protagonist betritt die Lobby eines Hotels, in der Böden und Wände schiefstehen. Der Pessimist, der versucht, mit Arbeit, Affären und Alkohol sein leeres Leben zu füllen, ist verunsichert und haltlos. Er weiß nicht, in was für einer Welt er sich befindet. Die anderen Gäste sind abgedreht, zum Beispiel Marie Martin (Amrei Lorek/ Nadina Smajlovic) mit ihrem Putzfimmel, Präsident Delbec (Stefan Lewin) mit seiner Großmannssucht oder Doktor S. (Lea Slamar / Laura Stolarski) mit seiner Geheimniskrämerei. Dazu ist auf einem grünen Bildschirm ein Herzschlag zu sehen, der immer wieder aussetzt.

Am Mittwochabend zeigte der Theaterkreis des Georg-Forster-Gymnasiums das Stück "Hotel zu den zwei Welten", das vom Franzosen Eric-Emmanuel Schmitt geschrieben wurde. Menschen treffen in einer Halle zwischen Erde und Himmel, zwischen Leben und Tod zusammen. Sie befinden sich für einige Stunden auf dieser Grenze zwischen Leben und Tod, zum Beispiel nach einem Autounfall, einem Herzinfarkt oder einem schweren Sturz. In der Lobby unterhalten sie sich über ihr Leben und ihren Tod, ihr Glück und ihr Unglück. Sie warten darauf, wie sich in den nächsten Minuten ihr Schicksal entscheidet. Bei der Aufführung des Gymnasiums sind es mit der Ex-Lehrerin Rosi Waldraut (Kirsten Lipka oder Alana Erkis) und dem Soldaten Chris Tucker (Emre Mete) zwei Personen mehr als im Original von Eric-Emmanuel Schmitt. So konnte Regisseur Wolfgang Grobensteig, der Deutsch und Kunst unterrichtet, allen 13 Schülern des Theaterkreises eine Rolle zukommen lassen, zumal einige doppelt besetzt sind. Da zehn Schüler Mädchen sind, wandelte er zwei männliche Rollen in weibliche um, zum einen die von Doktor S., zum anderen die von Magier Radschapur, der durch die Hellseherin Cassandra (Melisa Ilter / Nina Rind) ersetzt ist.

Die Hellseherin spielt im zweiten, dramatischeren Teil des Stückes eine zentrale Rolle, in der die Menschen im Hotel nacheinander wieder in den Aufzug steigen, um auf die Erde oder in den Himmel zu fahren. Nachdem sie gestorben ist, bleiben neben Doktor S. mit seinen zwei stummen Gehilfen (Nadina Smajlovic und Daria Möllmann sowie Lorena Eiland und Amrei Lorek) bleiben nur noch Julien Portal und die Studentin Laura (Lorena Eiland und Daria Möllmann) zurück, die mit einer Herzschwäche neu in die Lobby kommt, um sich als Optimistin in den Protagonisten zu verlieben.

"Im Grunde liegt das Glück auf der Hand", sagt Cassandra, bevor sie Laura ihr Herz schenkt und in den mysteriösen Fahrstuhl einsteigt. "Es reicht, bewegungslos zu bleiben, gedächtnislos, alles zu vergessen, was gestern war und morgen sein wird. Wenn es einem gelingt, sich in das Heute hinein zu kuscheln wie in einen Sessel am Fenster, dann kann man das ganze Universum genießen."

Am Mittwochabend bedankten sich 400 Zuschauer für die Leistung der jungen Schauspieler, die das Stück seit den Herbstferien eingeübt hatten - in den letzten zwei Wochen mit täglichen Proben. Mit ihrem Applaus sagten sie auch Erdkundelehrer Oktay Kisin Danke, der mit den Theaterkreisschülern das Bühnenbild gebaut hatte.

Heute spielt der Theaterkreis das Stück zum zweiten Mal. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Stadthalle. Karten kosten sechs Euro für Erwachsene und drei für Schüler oder Studenten.

Quelle: RP
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